In Japan schlug „Prinzessin Mononoke“ noch besser zu Kasse als „Titanic“ und stellte einen der größten Erfolge des renommierten Anime-Studios Ghibli dar.
Wie bei vielen Filmen des Studios steht auch hier der Aspekt der Naturverbundenheit im Fokus, z.B. wenn eine kurze Einführung von den Waldgeistern erzählt, die an sich in Frieden mit den Menschen leben. „Prinzessin Mononoke“ setzt allerdings an einem Punkt ein, als dieses Gleichgewicht gerade ins Wanken gerät: Ein zum Dämon mutierter Waldgeist in Wildschweinform attackiert ein kleines Dorf und wird nur durch den mutigen Einsatz des Prinzen Ashitaka zur Strecke gebracht.
Jedoch trägt Ashitaka eine Wunde davon, die nicht durch Menschenhand zu heilen ist und die ihn langsam umbringen wird. Also zieht er los um herauszufinden, was den Frieden zwischen Mensch und Natur gestört hat...
So beschäftigt sich „Prinzessin Mononoke“ im weiteren Verlauf mit Ashitakas Suche nach den Gründen, wobei wie so häufig bei dieser Gattung von Film der Mensch und sein Wunsch nach industriellem Fortschritt die Wurzel allen Übels bilden. Hier hat „Prinzessin Mononoke“ auch seine kleinen Schwächen, gelegentlich kommt die Ökobotschaft etwas dick aufgetragen daher, wenngleich weitaus weniger aufgesetzt als in „Nausicaä“ aus dem gleichen Studio. Ansonsten ist die Message lobenswerte, Unterhaltung mit Tiefgang, zumal sich „Prinzessin Mononoke“ an Erwachsene wie Jugendliche wendet, für die kleineren Kinder ist er dann aber noch zu deftig.
Vor allem aber bietet „Prinzessin Mononoke“ eine spannende Fantasygeschichte um Ashitakas Suche, die in zwischen mehrere Fronten geraten lässt, darunter auch die Front der Wald- und Tiergeister, denen sich die titelgebende, menschliche Wolfsprinzessin auch angeschlossen hat – in die sich Ashitaka natürlich irgendwann verliebt. Gerade das Zwischen-den-Fronten-Stehen gehört zu den stärksten Seiten von „Prinzessin Mononoke“, denn viele Figuren sind ambivalent. So wird Eboshi, die Herrscherin der Eisenhütte, zwar als unerbittliche Gegnerin der Natur eingeführt, gleichzeitig aber erwähnt, dass sie Prostituierte aus Bordellen befreite und sich als einzige um die Leprakranken kümmert. Dementsprechend fällt eine einfache schwarz-weiß-Zeichnung weg und gerade die schwere Einschätzbarkeit der Situation sorgt für Spannung.
Trotz des märchenhaften Charakters und vieler Ruhemomente bedient „Prinzessin Mononoke“ jedoch auch den Fan der etwas derberen Fantasy. Es springt ein schillerndes Bestiarium an Kreaturen herum, meist größere Versionen von Lebewesen wie Wölfen oder Wildschweinen und zwischen Mensch und Natur kommt es auch immer mal wieder zum Culture Clash der etwas derberen Art. So episch wie im modernen Historienfilm sind die Schlachten nicht ganz geraten, doch gezeichnete Action auf hohem Niveau hat „Prinzessin Mononoke“ neben seinen anderen Schauwerten auch zu bieten.
Ein Grund für dieses eye candy ist sicherlich die hohe Zeichenqualität des Ganzen, der PC wird sehr moderat eingesetzt, stattdessen dominiert gute altmodische Zeichenkunst. Deren Qualität ist wirklich hoch und detailreich, zudem mit viel Phantasie und Liebe gemacht. In den USA wurden die Rechte an „Prinzessin Mononoke“ übrigens von den Weinstein-Brüdern gekauft und der Film mit bekannten US-Schauspielern synchronisiert, doch wie bei so vielen Animes gilt: Am besten direkt im O-Ton mit Untertiteln gucken.
„Prinzessin Mononoke“ ist ein ruhig erzählter, gelegentlich vielleicht zu ruhiger Anime mit lobenswerter Ökobotschaft, der jedoch auch seinen Unterhaltungswert nie vernachlässigt: Tolle Bilder von hoher Zeichenqualität, eine spannende Geschichte und angenehm ambivalente Charaktere zeigen, dass er seinen Ruf vollkommen zu Recht verdient.