Eigentlich kann ich mit Animes recht wenig anfangen, doch wenn einer in Japan erfolgreicher als „Titanic“ ist und weltweit himmelhoch gelobt wird, muss ja schließlich was dran sein. Wieso also nicht einfach mal reinschauen? Und es hat sich gelohnt...
„Prinzessin Mononoke“ erzählt die Geschichte des Prinzen Ashitaka, der in der Nähe seines Heimatdorfes von einem Dämon verletzt wird. Sein einzige Rettung besteht darin, in weiter Ferne den Waldgott aufzusuchen und von ihm Gnade zu erbitten. Er macht sich auf den Weg gen Westen und trifft auf seiner beschwerlichen Reise die mysteriöse Sam, die als Kind von ihren Eltern ausgesetzt und von Wölfen aufgezogen wurde. Ihr Leben ist fortan bestimmt vom Kampf gegen die Menschen, die ganz in der Nähe durch eine Eisengrube den Wald ausbeuten, sodass es bald darauf zur alles entscheidenden Schlacht kommt...
Es ist wahrhaftig ein Wunderwerk, das Hayao Miyazaki hier erschaffen hat. Wer sein Leben lang nur seichte Disney-Kost aus dem Westen gewohnt ist, dürfte völlig von den Socken sein, denn „Prinzessin Mononoke“ hat nicht nur die besten Animationen, die mir in einem Zeichentrickfilm je unter die Augen gekommen sind, sondern auch reichlich hintergründigen Stoff zu bieten, mit dem Kinder gar nichts anzufangen wissen dürften. Es geht um den nicht enden wollenden Konflikt zwischen Mensch und Natur, mit der Besonderheit, dass hier keine Partei als die richtige hingestellt wird bzw. nur die Menschen angeklagt werden, sondern dass beide Seiten gutes tun wollen, die bösen Folgen dennoch unausweichlich sind. Das verleiht dem ganzen eine tragische Note, da alle Charaktere scheinbar keinen Ausweg aus dieser Misere finden können.
Die Figurenzeichnung erreicht dabei schon fast die Ausmaße eines realen Films. Man leidet mit ihnen mit, wie man es in einem Trickfilm noch nie erlebt hat, sodass ich an einige Stellen fast feuchte Augen bekam. Wunderschön ist beispielsweise die Szene, in der Sam Ashataki essen gibt, dieser es jedoch aufgrund seiner Schwäche nicht herunterbekommt, weshalb sie es ihm schließlich vorkaut. Eine Stelle, die stellvertretend für den ganzen Film steht: Wunderbar idyllische Zeichnungen von einer Insel mitten im Wald, melancholische Musik („Prinzessin Mononoke“ besitzt nebenbei erwähnt den wohl besten Soundtrack, den ich jemals in einem Zeichentrickfilm hören durfte), sowie eine Stimmung, die sich auf der Gratwanderung zwischen Wohlergehen und bevorstehendem Leid bewegt.
Mit knappen zwei Stunden Laufzeit ist der Film durchaus abendfüllend, bekommt eine fast schon epische Note. Nach zahlreichen Kämpfen, Toten und tragischen Einzelschicksalen wendet sich zum Schluss schließlich doch alles zum Guten, ohne in irgendeiner Art und Weise ein aufgesetztes Happy End mit Holzhammer-Moral zu präsentieren, was ihn ebenfalls angenehm vom Disney-Einerlei abhebt.
Die schiere Pracht von einem Zeichentrickfilm, der zu keiner einzigen Sekunde langweilig ist, der so viel Phantasie und Ideenreichtum versprüht, dass hier nichts unmöglich scheint und bei dem zu jedem Moment spürbar ist, mit wie viel Liebe zum Detail zu Werke gegangen wurde. Da kann man wunderbar drin versinken und wünscht sich zum Schluss, dass das noch eine Stunde so weitergehen würde. Einer der zu Herzen gehendsten Filme überhaupt, den muss jeder gesehen haben, ob Anime-Fan oder nicht.