Ein zum Dämon gewordener, riesenhafter Keiler greift das Dorf des Prinzen Ashitaka an. Von der Kreatur verletzt, ist Ashitaka mit einem Fluch belegt und gerät auf seiner Suche nach einer Heilung in einen Konflikt zwischen den Bewohnern einer Eisenhütte und dem Gott des sie umgebenden Waldes. Und dann ist da noch San, die in dem Wald bei den Wölfen lebt ...
Optisch ist Miyazakis Film eine Wucht, die Animationen sind flüssig und natürlich, die Hintergründe insbesondere bei den Landschaftspanoramen von einer Weite und Schönheit durchzogen. Die Produktion bediente sich hierbei auch dem Einsatz von Computeranimationen, die aber nicht wie ein Fremdkörper wirken und sich harmonisch in das künstlerische Konzept einfügen. Einzig die Visualisierung der sprechenden Tiere, über deren Laute ein voice over gelegt wurde, wirkt befremdlich, trotz seines Realismus.
Doch nicht nur für die Augen ist es ein Fest, auch inhaltlich wird etwas geboten. Die Konflikte sind vielschichtig, der Mensch gegen die Natur und gegen den Mensch selbst. Die Umwelt, die sich erhebt und wehrt gegen den Raubbau an der alle betreffenden Lebensgrundlage, technischer Fortschritt und mythische Götterwesen. So komplex wie diese Gefüge sind auch die Motivationen der einzelnen Charaktere, auf ein einfaches Schema von gut und böse wird weitgehend verzichtet. Auch die als Antagonisten Handelnden haben mitunter ihre mitfühlenden Seiten (Eboshi und die Aussätzigen). Da passt es nur zum Gesamtkonzept, dass dieses sich auch einer ernsteren Herangehensweise bedient, welche auch in einigen Gewaltausbrüchen mündet. Mitunter geht es recht blutig zu, ein Kinderfilm ist „Prinzessin Mononoke“ sicherlich nicht. Die Balance zwischen ruhigen und actionlastigen Szenen ist zwar meist gelungen, letztere hätten aber gerne noch ausgebaut werden können. Gerade weil sie so ansehnlich animiert sind und ihre Dynamik mitreißt.
Joe Hisaishi steuerte für all das einen hörenswerten Soundtrack bei, der sowohl die spannenden als auch gefühlvollen Momente passend untermalt.
Den Kampf zwischen Natur und Zivilisation thematisierend, ist Miyazaki mit „Prinzessin Moonoke“ ein mitunter rauschhaftes Märchen in erwachsener Erzählweise und hinreißender Optik gelungen, das zu den Klassikern des Anime gezählt werden kann.