Es gab Zeiten in denen Babylon 5 noch die doch eher triste Fernsehlandschaft bereicherte. Auch wenn Babylon 5 als eigenständige Serie gesehen, meist im Schatten des so genannten Genreprimus „Star Trek“ stand, wusste sie dennoch das monotone Science Fiction-Genre zu revolutionieren. Mit einem epischen Handlungsbogen, gut ausgearbeiteten und aufeinander abgestimmten Charakteren, einem fantastischen orchestralen Soundtrack, für damalige Verhältnisse spektakuläre computergenerierte Grafiken und Effekten und vielem mehr, gelang es der Fernsehserie unzählige Freunde guter und anspruchsvoller Unterhaltung vor die Fernseher zu locken. Aber nicht nur als Fernsehserie, nein auch als Stehaufmännchen bewies die Serie ihr Können. Denn einige Staffeln standen nicht immer fix vor ihrer Realisierung. Wäre geistiger Schöpfer, Drehbuchautor der meisten Episoden (!!!) und Regisseur JMS nicht so stur dem Studio gegenüber gewesen und hätte er nicht die Unterstützung seiner kleinen aber feinen Crew bekommen, so wäre B5 wahrscheinlich nie vernünftig beendet worden. Aber trotz aller Stolpersteine konnte er seine epische Serie beenden. Nach 110 Episoden und vier TV-Filmen (Film #5 „A Call to Arms“ zähle ich eher zu Crusade) hieß es Abschied nehmen von der fünften Babylon-Raumstation. JMS betonte immer wieder, dass ihm die Unabhängigkeit von Studios sehr wichtig sei. Des Weiteren wollte er B5 nicht zu einen kommerziellen Franchise verkommen lassen. Er stellte sich schon während B5-Zeiten immer den Wünschen und Vorschlägen seitens des Studios entgegen. Ihm ging es nur darum seine Geschichte zu erzählen. Diese Eigenschaften machten aus JMS schon bald eine kleine lebende Legende. Doch so richtig blieb Herr Straczynski seinen Grundsätzen nicht treu. Das Studio bot ihm an eine Nachfolgeserie zu machen, die den offenen Handlungsfaden des fünften und letzten Filmes „A Call to Arms“ aufnehmen und zu Ende führen sollte. JMS nahm entgegen seines Grundsatzes kein Franchise aus B5 machen zu wollen an. Schon bald wurde diese in Form von „The Babylon-Project: Crusade“ verwirklicht. War Babylon 5 noch „Drama mit Action“ (so JMS), sollte Crusade mehr „Action mit Drama“ werden. Das Studio wollte aber mehr Sex und noch mehr Action einbauen. JMS spielte soweit es die Notwendigkeit seiner Geschichte zuließ mit (erkennt man zum Beispiel an einer erotischen Duschszene, oder einem Alien-Porno in einer Episode), stellte sich dann aber letztendlich doch quer. Das brach JMS metaphorisch gesehen das Genick. Nach nur 13 Episoden, ergo noch vor Fertigstellung der ersten Staffel (22 Episoden), wurde Crusade auf Eis gelegt. Wie auch bei Babylon 5 hätte sich die Geschichte aber erst langsam entwickelt, wie Drehbücher zu drei nicht gedrehten aber dennoch plotrelevanten Episoden beweisen. So bestand Crusade aus 13 in sich geschlossenen Episoden, die einen großen Handlungsbogen nur andeuteten. Lange wurde es still um B5. Eines Tages jedoch tauchten Gerüchte um einen Kinofilm auf. Mit „The Memory of Shadows“ sollte der Crusade-Plot beendet werden. Doch auch dem Film stand nie eine gute Zukunft bevor. Und so kam es, dass der Kinoauftritt von B5 nie zustande kam. Nun, warum schreibe ich hier eigentlich über alles Mögliche außer eben dem Pilotfilm „Legend of the Rangers“? Das liegt vor allem daran, weil man am Beispiel Crusade erkennen kann, dass JMS einfach kein Glück mehr mit B5 hat. Ich finde es ja toll, dass er nicht nach der Pfeife eines Studios tanzt und nur gute Geschichten erzählen will, aber wie B5: Legend of the Rangers beweißt, ist er keinem seiner Grundsätzen mehr treu geblieben. Crusade wurde trotz des hohen Potentials nie zu Ende erzählt. Man kann nur schätzen wie toll es weitergegangen wäre. Die oben genannten Drehbücher versprachen doch so viel. Aber was zum Teufel bringt JMS eigentlich auf die völlig absurde Idee eine neue Serie zu machen? Was soll das? Er war trotz aller Bemühungen nicht mehr fähig Crusade zu retten und dennoch wagt er sich an eine neue Serie. Dieses Mal ist aber alles B5-untypisch, rein auf Massenmarkt und kommerziellen Erfolg getrimmt. Das neue Waffensystem sieht nur lächerlich aus und passt ungefähr so gut in das B5-Universum wie das Raumschiff Enterprise oder Mr. Spock. Wenn ich übertriebene Actioneinlagen, die nur dem Coolnessfaktor dienen sehen will, so sehe ich mir lieber Matrix an. Denn da wusste man schon von Vornherein, dass es primär nur um Pseudocoolness, erzeugt durch coole Sonnenbrillen, Mänteln, Sprüchen und Kampfsporteinlagen geht, die möglichst viele Leute (Jugendliche als Zielgruppe bevorzugt, denn die stehen ja eher auf so „abgefahrenes Zeug“) unter den Vorwand eine megakomplexe, philosophische und epische Trilogie genießen zu können, in die Kinos locken sollte. Bei B5 wirkt das ganze aber eher als würde ein Hampelmann (im Falle B5: LotR natürlich Hampelfrau) auf Drogen wie dem Wahnsinn verfallen im Raum herumhüpfen. Aber das Waffensystem ist nur eine Facette des Piloten. Die Schauspieler sind zwar nicht so übel, aber plötzlich besteht die Crew an Hauptcharakteren fast zur Gänze an Jungen Erwachsenen, die gerade frisch aus der Akademie kommen. Wieder ein unnötiger und unnachvollziehbarer Schritt von JMS. Was sollte das denn werden? Sollen nun etwa mehr Jugendliche bzw. jüngere Semester angesprochen werden? Was ist mit kompetenten alten Hasen, wie man sie aus B5 und Crusade kennt? Vom Charisma und der Ausstrahlung her gesehen, stehen die neuen Recken auf jeden Fall im Schatten ihrer Vorgänger. Und nun kommen wir zum größten Manko dieses Filmes – der Handlung. Plötzlich tauchen aus dem Nichts heraus neue Feinde in Form einer bis dato unbekannten Spezies, namens „The Hand (of God)“ auf. Und wie sollte es denn anders kommen… The Hand ist übermächtig, im Besitz von unglaublicher Waffentechnologie, blabla… Wahnsinnig innovativ! Ich wette JMS hätte sich am liebsten selbst erschlagen, weil er die letzte B5-Episode 20 Jahren nach den Ereignissen der Serie platzierte. Denn dadurch konnte er nicht einfach x-beliebig die Handlungen, die unmittelbar nach B5 stattfinden umändern. Im Endeffekt wissen ja alle wie es ausgehen würde. Bei Crusade war da noch so viel mehr Potential vorhanden, aber irgendwann nervt es einfach nur mehr, wenn immer neue Antagonisten auftauchen, die rein gar nichts mehr mit der Handlung von B5 zu tun haben. Ich bin sehr froh, dass die Quoten so mies waren und dadurch eine neue Serie verhindert wurde. JMS sollte langsam lernen, dass die B5-Ära vorbei ist. Und bevor er anfängt sinnfreie Sequels, Prequels, Spin-Offs und weiteren Mumpitz zu drehen, sollte er sich lieber aus dem Geschäft zurückziehen oder das Genre wechseln. Je mehr er aber zwanghaft versucht neue Projekte zu verwirklichen, die überhaupt nichts mehr vom alten B5-Charme übrig haben, desto mehr wird er seine Originalserie zerstören. Das bewies schon George Lucas mit der Star Wars Prequel-Trilogie. Es ist zwar äußerst schade um Crusade, aber schon dieser Misserfolg, als auch der von The Memory of Shadows und nun Legend of the Rangers, sollte JMS zu denken geben. Wenn ich aber höre, dass bald drei Mini-Movies und eventuell ein Kinofilm folgen werden, dann bin ich mir nicht mehr sicher, ob Babylon 5 nicht schon längst zu einem Franchise verkommen ist. Zum Film selbst kann man zwar positiv anmerken, dass er sehr gut aussieht, das war’s dann aber auch schon wieder. Hoffentlich bleibt uns ein weiterer peinlicher Versuch B5 auf Jugendliche und deren Geschmack zu trimmen erspart. Sollte JMS mit den kommenden Projekten wieder den Ursprüngen treu werden, so soll ihm dieser filmische Ausrutscher verziehen sein. Wenn die Filme aber auch wieder qualitativ schwacher Sci-Fi-Einheitsbrei werden, dann ist B5 für mich endgültig gestorben. Den Film „To Live and Die in Starlight“ selbst bewerte ich mit 4 von 10 möglichen Punkten.