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Es gibt immer wieder einige Geschichten über Kinder, die unter widrigen Umständen aufwachsen und somit im späteren Leben zu keinen sozialen Kontakten imstande sind.
Truffauts „Wolfsjunge“ ist ein relativ prominenter Vertreter dieser Spezies, vorliegender Streifen versucht auf anderer Ebene daran anzuknüpfen, doch er scheitert aufgrund mehrerer Faktoren.

Anno 1989 wird der damals sechsjährige Martin vom Killer Sutter entführt und muss fortan über fünf Jahre mit ansehen, wie der Irre junge Frauen foltert und tötet. Die Waise Allison, welche frisch bei der Familie ihres Onkels eingezogen ist, joggt häufig an Sutters ehemaligen Schlachthof vorbei und wähnt eines Tages einen Jungen am Fenster stehen…

So eine Geschichte, die einen gewissen Anspruch neben den üblichen Foltereinlagen erhebt, sollte seine Charaktere besonders sensibel herausarbeiten, was Regisseur Stevan Mena leider nur in Ansätzen gelingt.
Übeltäter Sutter erhält kaum Background, steht nach Jahren noch unter dem Einfluss des verstorbenen Vaters und scheint in Martin eine Art Nachfolger zu sehen, zugleich einen Menschen, der aufgrund eines seltenen Gen-Defektes keine körperlichen Schmerzen empfindet und entsprechend emotionslos bei den Gräueltaten zu reagieren scheint.
Leider werden die Interaktionen zwischen Sutter und Martin zu oberflächlich abgearbeitet, ihre einseitige Verbindung geht zu keiner Zeit in die Tiefe und lässt nachvollziehbare Beweggründe größtenteils außer Acht.

Demgegenüber wird der siebzehnjährigen Allison recht viel Aufmerksamkeit geschenkt, den Problemen mit ihrem Onkel, der Vorurteile gegen ihre neue Bekanntschaft hat und ihre beruflichen Aussichten in Sachen Sport, da es auf dem Land kaum Möglichkeiten für ein adäquates Training gibt. Das alles führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer ausgemachten Sympathieträgerin, denn im Verlauf leistet sich Allison einige dumme Verhaltensweisen, die nicht allein durch das Trauma des Verlustes ihrer Eltern gerechtfertigt sind, - spätestens als sie Sutters Domizil betritt und erste Blutspuren entdeckt.

Bezüglich diverser Foltereinlagen dürften Genrefreunde ebenfalls in die Röhre schauen, denn bislang kann man den Streifen in deutscher Sprache nur arg geschnitten betrachten, wo Szenen mit mehreren Axthieben, einer abgetrennten Hand, Messerstiche in der Brust und ein Fleischerhaken im Bein höchstwahrscheinlich fehlen dürften.
Ordentlich in Szene gesetzt sind die wenigen Effekte zumindest, was nicht zuletzt der versierten Kamera zuzuschreiben ist, welche ohnehin eine ausgesprochen souveräne Arbeit vorweisen kann.

Dennoch will sich im Verlauf zu wenig Spannung einstellen, eine flottes Erzähltempo scheint dem Regisseur ebenfalls fremd und somit entstehen besonders im Mittelteil einige Längen.
Erst zum Finale wird augenscheinlich ein Schalter umgestellt, kleine Twists werden eingebaut und die Rolle von Martin erhält zumindest so etwas wie eine Pointe, welche auch nach dem Abspann noch eine Überraschung parat hält.

Das alles vermag jedoch kaum den bis dato entstandenen Eindruck eines austauschbaren Slashers kaschieren, dem es an Figurentiefe ebenso mangelt wie an spannenden und mitreißenden Auseinandersetzungen.
Die Idee mit dem Jungen, der einige Jahre bei einem Killer verbringt, birgt eine Menge Potential und könnte auf emotionaler Ebene im besten Fall Gänsehaut erzeugen, - hier wird man gegen Ende überhaupt erst ein wenig wach gerüttelt, was nicht im Sinne des Erfinders sein kann. So bleibt unterm Strich ein gerade noch passabler Slasher, dem es vor allem am Zusammenspiel zwischen den Figuren mangelt und der zum Schluss viel zu gewöhnlich erscheint, um sich lange im Gedächtnis des Betrachters zu halten.
4,5 von 10

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