Review

Shittin' London

„Tony“ war Gerard Johnsons Regiedebüt über einen einsamen und sozial, sagen wir mal, ausbaufähigen Retroactionfilmfan, Hobbymetzger und Serienkiller im grausten Arbeiterviertel Londons… 

Tony - Porträt eines Serienchillers

Nachdem ich Johnsons „Hyena“ vor jetzt auch schon einem Jahrzehnt (!) auf dem Fantasy Filmfest positiv in Erinnerung behalten habe und dieses Jahr wieder auf dem FFF sein neuer „Odyssey“ läuft, dachte ich, dass ich die anderen beiden Werke von ihm vorher noch nachholen sollte. Fangen wir also an mit „Tony“, seinem Debüt auf dem Regiestuhl. Und zwar ein ganz schön eindringliches! Im selben Abwasser in etwa wie „Menschenfeind“ oder „Der Goldene Handschuh“ kommt „Tony“ daher - nur wesentlich britischer, entsättigter, wolkenverhangener und emotionsloser. Unterkühlt, nerdig, nicht ganz ohne schwarzen Humor. Und doch insgesamt unheimlich bitter. Mit einer abseitigen Gestalt durch die Nacht. Seine Sammlung voller Seagal, Van Damme und Lundgren. Auf VHS versteht sich. Kaum auffällig, perfekt unter dem Radar der Gesellschaft, gar nicht mal wirklich boshaft. Einfach ein Killer. Einsam, ungeliebt, leer. Er hat keinen, ihm bedeutet kaum noch irgendetwas, London lebt an ihm vorbei, die Welt hat ihn längst hinter sich gelassen. Und doch schneidet er ihr immer wieder Stückchen ab… Einfach, effektiv, eklig, eiskalt, emphatisch. Eine gute Stilübung. Eine präzise Charakterbestandsaufnahme. Wenn auch mit etwas wenig waschechten Highlights. Auf's Wesentliche getrimmt. Mit der Fleischersäge. 

Minimalistisches Mördermahnmal

Fazit: trostlose, graue und unangenehme Serienmördercharakter- und Gesellschaftsstudie. Traurig, tragisch, trocken. Fiesestes „Feel Bad“-Kino von der Insel. Ein grimmiges aber irgendwie in seiner Art auch stylisches Regiedebüt. 

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