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Wer zwischen Mitte Mai und Ende August das Radio einschaltet, bekommt sie für gewöhnlich gefühlte zwanzigmal pro Stunde zu hören: Die von den Medien auserkorenen „Sommerhits“ – in der Regel eingängige, tanzbare Popsongs, die man mit den ersten fallenden Blättern aber ums Verrecken nicht mehr hören will. Ganz ähnlich verhält sich mit einer Reihe von Kinofilmen, die gerne über die warmen Monate gezeigt werden: Locker leichte Unterhaltung sollen sie bieten. Seichte Popcornkost, die auch mit sonnengebleichtem Hirn problemlos zusammen einem Caipirinha goutiert werden kann.

Aus dieser Kategorie stammt nun „Kiss & Kill“, der auf dem Papier eine Mischung aus Actionkomödie, RomCom und Agentenfilm darstellen soll: Smarter Geheimagent/Killer will statt Leute umbringen lieber ein bürgerliches Vorortleben nebst Gattin führen und quittiert seinen Dienst. Als nach Jahren plötzlich ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wird, holt ihn seine Vergangenheit ein und der Ballermann muss aus dem Sack geholt werden.

Keine neue Idee, die bereits in Blockbustern wie „True Lies“ oder „Mr. And Mrs. Smith“ in verschiedenen Varianten Verwendung fand. Nun also die Version von Robert Luketic („Das Schwieger-Monster“, „Natürlich Blond“), der sich damit erneut als Spezialist für cineastische Schonkost verdingt. Ähnliches gilt für seine Hauptdarstellerin Katherine Heigl, mit der er hier zum zweiten Mal nach „Die nackte Wahrheit“ zusammenarbeitet und die sich und ihr nachweisliches Talent mit der vierten Hauptrolle in einer romantischen Komödie in Folge langsam aber sicher selbst verheizt.

Zu allem Überfluss werden selbige Filme auch noch immer dürftiger: Hatte sie in „Beim ersten Mal“ noch eine annehmbare Persönlichkeit (neurotische Karrierefrau mit Herz), so wird sie hier zu einem Blondinenwitz auf zwei Beinen. Ihre Figur Jen ist eine naive, dauerplappernde Nervensäge, die weder Charme noch Sympathie ausstrahlt und sich den ganzen Film über so dämlich anstellt als wäre sie ein hirnfreier Klon von Paris Hilton.

Auch ihr männliches Pendant kommt da nicht besser weg. Ashton Kutcher ist zweifelsohne ein Hingucker für die Damen, bekommt aber kaum mehr als zwei Gesichtsausdrücke hin und hat auch ansonsten keinerlei Ausstrahlung oder Profil.

Einziger Lichtblick unter den nicht weniger charakterlosen Nebenfiguren ist Tom Selleck, der mit seinem altehrwürdigen Charme alle seine Szenen locker dominiert. Aber das war es auch schon. Regelrecht ärgerlich wird es im Falle von Catherine O’Hara, die man in jeder ihrer Szenen fröhlich an einem Glas Wein oder ähnlichem nippen lässt. Offensichtlicher Alkoholismus als Running Gag. Soll das ernsthaft komisch sein?

Der Rest der allzu gewollten Gags ist in etwa auf dem Niveau einer Folge von „Die dreisten Drei“: Ein furzender Kumpel auf dem Sofa, Schwierigkeiten beim Wasserlassen und nicht enden wollende, durchweg pointenfreie Gespräche über Eheprobleme, Schwangerschaften, Pornographie und ähnlich „gewagte“ Themen sowie als Krönung einen „Kreis des Vertrauens“, der schlussendlich die Probleme beseitigt und alle glücklich macht.

Was bleibt ist eine leere Hülle von einem Film, der alles mögliche sein will, aber dank eines völlig misslungenen Drehbuches nichts von alledem ist. Es existiert kein Spannungsbogen und keinerlei Logik, es gibt keine Identifikationsfiguren und was hier als Humor verkauft wird, ist größtenteils abgeschmackt, verklemmt und bisweilen sogar peinlich. Da können auch ein paar bemühte, aber unspektakuläre Actionszenen nichts mehr retten. Ein echter Sommerfilm eben: Läuft im Kino, wenn sowieso keiner hingeht. Und in diesem Fall muss sich auch niemand darüber ärgern, ihn verpasst zu haben.

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