Sie sind männlich, FHM-Abonnent, gehen gern in die Muckibude und wünschen sich mal wieder einen Film, den sie mit ihrer Vorzeigefreundin anschauen können, ohne ächzend nach dem neuen Stallone zu schmachten?
Sie sind jung, weiblich, stehen irre auf "Grey's Anatomy", Katherine Heigl und können sich über offensichtliche Mädchenwitze ganz dolle amüsieren?
Sie sind irgendwas, haben keinen definierten Kinogeschmack, suchen antriebsarm noch konfektionierter Unterhaltung und bewerten einen Film anhand von leuchtreklamengroßen Losprustern, die ihnen sagen, wann sie lachen sollen?
Dann könnte "Kiss & Kill" etwas für sie sein.
Alle übrigen sollten sich pflichtschuldigst schnell in Sicherheit bringen, selbst wenn sie sich bewußt sind, daß Ashton Kutcher mit "Butterfly Effect" genau EINEN brauchbaren Film abgeliefert hat und Katherine Heigls Ruf als der kommende weibliche Superstar darauf basiert, daß sie ständig Urlaub von ihrer Erfolgsserie nimmt (in welcher sie zufällig einen Hauch dramatischen Stoffes serviert bekommt), um reihenweise mittelprächtige Liebeskomödien zu drehen, die mittelprächtigen Erfolg haben und dazu eine Halbwertzeit von zwei Gläsern Prosecco.
Neben dem zumindest zeitweise unterhaltsam abgefilmten Hochzeitsquark "27 Dresses" und der recht amüsanten Paarung mit dem Bärencharme Gerard Butlers ("Die nackte Wahrheit"), funktioniert das Gespann mit dem Gschpusi von Demi Moore nämlich überhaupt nicht. Der hat auch nach gut 10 Jahren im Filmgeschäft noch die darstellerische und mimische Fertigkeit eines Scheits gut abgelagerten Ofenholzes, da hilft auch nicht die Strampelei auf der Streckbank, die dem Manne den Body beschert.
Kutcher schaut also die meiste Zeit bemüht amüsiert drein, wie sich Frau Heigl wie wild einen abgrimassiert, als wäre ihm (so siehst du aus!) ihm bewußt, daß dieses schamlose Konglomerat aus "Grosse Pointe Blank" (Frevel!), hysterischen Goldie-Hawn-Komödien der 70er und dem noch frevligeren Abstrampeln um Screwballpunkte der seligen 40er von vorn bis hinten nicht funktioniert.
Diese Pärchenkomödien kommen nun mal von der Stange, am Ende sind die Hauptdarsteller meist irre glücklich und daher definiert sich der Erfolg an der Chemie der Darsteller oder der Güteklasse der Gags. Mit Chemie ist hier leider nichts, also muß die Story herhalten, die wie eine Restesteppdecke von der Wohlfahrt wirkt.
Die Idee hinter dem ganzen Film ist natürlich das Aufdecken der Mietkillervergangenheit unseres Helden und zwar dadurch ironisch unterstrichen, daß die ganzen Mörder am Ende genau die Leute sind, die uns als Kleinstadthackfressen der unteren Sitcomliga schon das mittlere Filmdrittel auf den Mürbekeks gegangen sind. Das erste Drittel steckte dabei das Terrain ab, daß Ashton der Killer, Katherine eine hibbelige Sabbeleule und ihr Daddy (Tom Selleck muß doch tatsächlich einen "Magnum"-Vergleich ertragen, ist das nicht zum Kreischen komisch???) ein militärischer Kontrollfreak, gegen den sich keiner durchsetzen kann, am allerwenigsten seine Ehefrau Catherine O'Hara (die normalerweise in wirklich komischen Filmen von Christopher Guest mitspielt), die den ganzen Film mit Variationen genau EINES Gags zubringt, nämlich in ungeheuren Mengen Alkohol in sich reinzuschütten, ohne mehr als beschwipst zu werden.
Sobald der ehemalige Killer-Chef dann wieder auftaucht (wer ihn nicht erkennt, es ist tatsächlich Martin Mull, der wenig erfolgreiche Rektor aus "Sabrina, the Teenage Witch"), wirds dann enorm suspensevoll, ein bißchen wird sitcomesk an möglichen Eheabnutzungserscheinung rumgekaut (halbherzig), während Kutcher auf "Hab acht"-Modus geht (besorgter Gesichtsausdruck) und dem Publikum doch der erwartbare zünftige Furzwitz wortwörtlich ins Gesicht geschossen wird.
Sobald die Katze aus dem Sack ist, sabbeln fortan die Hauptdarsteller fröhlich aneinander vorbei, mangels Ideen macht man Frau Heigl auch gleich noch schwanger (Pipi-Witze, hihi...) und baut etwas mäßige Action und ebensolche Verfolgungsjagden ein, während wir traurig zugeben müssen, daß Sellecks Szenen uns noch mehr anöden, als die mit den übernervösen Hauptdarstellern.
Man sollte zugestehen, daß in den wenigen, sehr wenigen Momenten, in denen Kutchers "Spencer" mal die Fassung verliert, tatsächlich für eine Mikrosekunde die verbalen Funken sprühen und man ahnt, daß in dem armen Jungen mehr steckt und in der Idee an sich vielleicht ein besserer Film, aber dafür bleibt das alles zu abgedroschen, ein simples Malen-nach-Zahlen, wer von den arschigen Nachbarn wohl ein Killer ist.
Rörörö, und dann ist da natürlich noch die Auflösung, die so unwahrscheinlich, unspektakulär, uninteressant und unglaublich doof ist, daß man sie logisch lieber gar nicht nachvollziehen will.
Ein gesondertes "Prost Mahlzeit" also an das Autorenduo, das einen Berg an Storyelementen in ein viel zu enges Filmkorsett zwängt, dem knapp 100 Minuten gar nicht gerecht werden können, selbst wenn dem Zuschauer nicht auffällt, daß er das schon dutzendfach gesehen hat und das noch dazu origineller. Ted Griffin hat schon mehrfach bewiesen, daß er das Ausbalancieren von Comedy nicht beherrscht ("Tricks", "Wo die Liebe hinfällt", signifikanterweise ein Jennifer-Aniston-Vehikel) und Bob deRosa hätte beim Drama bleiben sollen, das hier schwankt schlicht und ergreifend zwischen fehlendem Gespür und ganz alten Witzen, die man in beliebten TV-Sitcoms längst besser gesehen hat (wie auch den Restcast).
Generell ist "Kiss & Kill" nicht so offensiv schlecht wie andere ärgerliche Beispiele aus der RomCom-Schule und darbt nicht an zuviel Saccharin, aber sofern man sich einen Hauch von Klasse bewahrt hat, sollte man merken, daß die gute Frau Heigl mit solchen Filmen langsam aber sicher in die Jennifer-Aniston-Sackgasse fährt, rückwärts und mit Vollgas - typecasting in ihrer schlimmsten Form, stets eine sichere Hauptrolle, aber auch immer ohne Erinnerungswert - außer natürlich für die zu Beginn dieser Kritik erwähnten Volksgruppen, die sich die Chose zu den übrigen lenorgespülten Hochglanzfließbandprodukten ins pastellfarbene DVD-Regal stellen werden. Ton und Timing sollten für Komödien jedenfalls stimmen, was hier nicht eine Sekunde der Fall ist, weswegen die Offensichtlichkeit auch relativ schnell langweilt. Aber ansonsten hübsche Zähne, Frau Heigl! (3/10)