Review

Wenn Aspekte von Raum und Zeit lange im Unklaren bleiben, die Low-Key-Beleuchtung Schatten unseres Antihelden auf die ohnehin schon düsteren Settings wirft und man seiner tiefen Erzählstimme lauscht, dann ist der Gedanke an einen Film noir kaum von der Hand zu weisen. Dabei scheitert Regiedebütant Shawn Linden jedoch vor allem an den zu großen Vorbildern, denn diese angestrebte Mischung aus „Memento“, Neo-Noir und einer ordentlichen Prise David Lynch wird durch mangelndes Gespür für Dramaturgie im Keim erstickt.

Costas Mandylor verkörpert den Auftragskiller, der in einer eisigen Winternacht ins Stundenhotel kommt und fortan von einem unheimlichen Schatten verfolgt wird.
Wen hat der fiese Gangsterboss Rolo Toles wirklich beauftragt und warum erkennen ihn Passanten mit einem Mal nicht mehr? Ist der Mann in einer Zeitschleife gefangen oder spielt jemand ein besonders perfides Spiel mit ihm?

Dass man beim Puzzlefilm anfangs nicht durchsteigen soll, ist völlig beabsichtigt: Eine Szene ohne erzählerischen Background, Zeitsprung, nächste Szene, Zeitsprung, die erste Szene aus leicht veränderter Perspektive erneut eingebunden.
Für kurze Zeit gelingt das erzählerische Stilmittel des noir, doch als nach einer halben Stunden mehr Fragen als Antworten entstehen, beginnt der Stoff rasch zu langweilen und man verliert zusehends das Interesse an diversen Geheimnissen.

Das liegt gewiss nicht an der visuellen Aufmachung und den ans Genre angepassten Requisiten wie Telefon mit Wählscheibe, 40er-Jahre Hüten oder Grammophon. Auch nicht am stimmungsvollen Score, größtenteils bestehend aus Piano und leisen Streichern und erst recht nicht an der souveränen Kamera, die genau weiß, zu welchem Zeitpunkt ein Closeup geleistet werden muss.
Denn trotz brauchbar verpackter Kulissen versprüht die Geschichte eine unglaubliche Distanz und Kälte, die halbwegs erträglich wäre, wenn denn auf Dauer ein paar verwendbare Puzzleteile zur Geschichte hinzukämen.

Doch man mäandert auf der Stelle und scheint damit einen kolossalen Plot Twist andeuten zu wollen, der sich final jedoch fast in purer Einfallslosigkeit erschöpft und vorangegangenes Orakeln in keiner Weise rechtfertigt.
Rolo Toles wird eine Waffe an den Kopf gehalten, der Fremde ist irgendwie an seinen Adjutanten auf dem Boot vorbeigekommen und schwafelt kryptisches Zeug. Diese Szene wiederholt sich mehrere Male aus diversen, jeweils leicht erweiterten Blickwinkeln.
Es geht um eine Familie in Gefangenschaft, eine Kugel im Rücken, den Inhalt eines Paketes, einen Doppelauftrag, eine Dollar-Münze und eine alte blinde Frau und nicht zuletzt, - und irgendwo auch im Kern, um die Klärung des Begriffes Karma.

Doch was es mit der oder den Identitäten unserer geheimnisvollen Hauptfigur auf sich hat, interessiert, trotz verständlicher Aufdröselung der vermeintlich komplexen Geschichte, gegen Ende kaum noch.
Shawn Linden gelingt stilistisch durchaus die Atmosphäre eines noir. Verschachtelte Erzählweise mit Zeitsprüngen, einsame Schauplätze, dreckige Nebenfiguren, markante Gesichtszüge der wesentlichen Figuren.
Doch er schafft es nicht, daraus eine Einheit zu entwickeln die Spannung erzeugen kann, geschweige denn, ein Miträtseln zu erleichtern.

Die Hülle ist brauchbar, der Inhalt hingegen völlig langweilig und kaum ansprechend verpackt, - da hat Linden noch eine Menge zu üben, bis ihm auch nur ansatzweise der Sprung in die narrativ wirksamen Fußstapfen der Coen-Brüder oder John Huston gelingt…
3 von 10

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