Review

Machete (2010)

Als ich hörte, dass Robert Rodriguez aus seinem Grindhouse-Fake Trailer einen Feature Film machen wollte, war ich mehr als skeptisch. Der Trailer an sich war natürlich recht unterhaltsam, aber „Planet Terror“ war dann doch zu viel. Die guten Stellen sind von Carpenter geklaut, und der Rest besteht aus den üblichen Überzeichnungen und Übertreibungen, die die Filme des Actionhandwerkers nun mal auszeichnen, bloß dass „Planet Terror“ zur endgültigen Clownerie verkam. So sehen echte Grindhouse-Filme nicht aus. Klar, eine Hommage sollte es sein, ich weiß doch. Jedoch hemmungslos überzogen, ohne Gefühl für die Materie.

Rodriguez ist professioneller Übertreiber, seine Gewalt ist immer greller, seine Helden cooler, und die Action rasanter, als es der Film verträgt. Ein ewiger Kindskopf, der bestimmt genauso wenig stillsitzen kann wie seine Protagonisten (anders als bei Tarantino, dessen Charaktere vor lauter Geschwätz erst gar nicht in die Gänge kommen).

Nun präsentiert Rodriguez mit Ethan Maniquis „Machete“, den Film zum Trailer! Und dabei jagt er stone cold Danny Trejo durch Texas, und lässt ihn gegen eine Verschwörung von Politik, Grenzpatrouille, und Drogenkartell antreten. Dabei wird er von wunderschönen Frauen (Jessica Alba, Michelle Rodriguez), gefallenen Priestern (Cheech Marin) und einer Armee illegaler mexikanischer Einwanderer unterstützt, die sich zusammen gegen die Verstrickung von Macht und Kapital wehren. Marxistische Exploitation!

Der Cast ist eine pure Freude, der aus etablierten Stars (Robert DeNiro, Lindsay Lohan) und Nebendarstellern (Trejo, Rodriguez), sowie aus etwas vergessenen Größen (Jeff Fahey, Don Johnson) besteht. Dabei machen die Schurken natürlich am meisten Spaß, allen voran Steven Seagal als Drogenbaron, DeNiro als ultrakonservativer Senator, und natürlich Fahey als sein skrupelloser Berater.
Auch der Anteil an Sex (O mein Gott, ist das Lindsay?!) und Gewalt stimmt, aber das ist keine Überraschung. Überraschend ist, dass das Ganze etwas weniger überdreht daherkommt als der übliche Rodriguez-Output. So kommt „Machete“ einem waschechten B-Movie erstaunlich nah, da der Film recht „erdig“ daherkommt, ohne auffällige Formalismen, breit getretene Zerstörungsorgien oder chargierende Charaktere. Auch der Soundtrack von Chingón drängt sich nicht mit aller Kraft in den Vordergrund, sondern untermalt effektiv die Szenen.

Natürlich ist „Machete“ noch immer laut, polternd, brutal und irgendwo kindisch, aber für Rodriguez-Verhältnisse fast schon zurückgenommen. Das macht ihn für Fans vielleicht zu keinem Highlight, aber ein ordentliches B-Picture ist dabei auf jeden Fall raus gekommen (mit Original B-Film-Längen, die den Film gegen Ende ein wenig schwerfällig machen!).
Fazit: Lakonischer Macho-Bullshit kommt einfach besser als hochstilisierter Macho-Bullshit (s. „Sin City“).

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