"Mach mir davon ne DVD. Meinen Spendern wird das gefallen. Sehr!"
"Machete" sollte eigentlich nie entstehen. Der 2007 zu "Planet Terror" gezeigte Trailer diente nur zur Einstimmung auf den folgenden Film. Glücklicherweise war das Echo der Fans recht eindeutig. Die gezeigten Bilder fanden einen so enormen Zuspruch, dass Robert Rodriguez ("Sin City") den Ansturm seiner Fans schnell mit der Meldung ein abendfüllender Film würde folgen befriedigte. 3 Jahre später ist es nun soweit und so ziemlich jede Szene des Fake-Trailers hat es auch tatsächlich in den Film geschafft.
Machete (Danny Trejo), ein Ex-Cop, dessen Frau vom Drogenboss Torrez (Steven Seagal) getötet wurde und der illegal in die USA eingewandert ist, erhält von Michael Booth (Jeff Fahey) einen Auftragsmord am Rechtspolitiker McLaughlin (Robert De Niro). Während der Ausführung gerät er in einen perfekt inszenierten Hinterhalt. Machete wird von einem Scharfschützen angeschossen und durch das missglückte Attentat McLaughlins radikaler Wahlkampf entscheidend befeuert. Stinksauer sinnt Machete auf Rache, findet Verbündetet in seinem Bruder Padre Benito del Toro (Cheech Marin), der Anführerin einer militanten Bürgerwehr Luz (Michelle Rodriguez) und der Beamtin der Einwanderungsbehörde Sartana (Jessica Biel) und entführt Booth's Frau June und Tochter April (Lindsay Lohan). Booth, der in direktem Kontakt mit Torrez steht, schickt seine Auftragskiller auf Machete.
Jeder Liebhaber des Trashkinos wird nach dem Sehen von "Machete" Freudentränen in den Augen haben. Der Film ist eine B-Movie-Hommage die seinesgleichen bestenfalls bei "Planet Terror" findet. Der Film suggeriert durchgehend eine wunderbare dreckige, primitive und bluttriefende Unterhaltung. Bereits zu Beginn stimmt die erste große Actionsequenz durch abgetrennte Arme und Köpfe auf das ein, was noch kommen mag. Abgefahrene Stunts, wilde Schießereien, Explosionen, Splattereffekte sowie eine Menge nackte Haut. Rodriguez bleibt dabei seinem bevorzugten 60er / 70er Jahre Stil treu, was bereits am Schriftzug des Titels zu erkennen ist.
Natürlich gibt "Machete" inhaltlich wenig her, die Dialoge sind auf niedrigem Niveau und an allen Ecken und Enden trieft es vor Klischees und Stereotypen. Obwohl der Actionfilm es nicht auf anspruchsvolles Kino anlegt, schafft er es dennoch minimal Kritik an der Einwanderungspolitik zu üben. Gesamt gesehen lebt der Film aber vor allem von seinen abwechslungsreich inszenierten Einzelszenen, Dialogwitz sowie allerlei Absurditäten. Daher ist "Machete" auch zu keinem Zeitpunkt ernst zu nehmen.
Durch ein recht hohes Tempo und den gitarrenlastigen Soundtrack erreicht "Machete" auch tatsächlich sein Ziel gut zu unterhalten. Einzig vor dem Finale geht dem Film ein wenig die Puste aus. Auch das Finale an sich hätte noch eine Spur einfallsreicher sein können, vermeidet es aber immerhin durch seine beinah bodenständige Inszenierung ins Negative abzudriften.
Die Schauspielerriege hat es in sich. Rodriguez besetzt so ziemlich jede Figur mit einem markanten Gesicht. Besonders heraus sticht Danny Trejo ("From Dusk Till Dawn"), der bislang nur durch sein vernarbtes Gesicht in diversen Nebenrollen aufgefallen ist. Der wuchtige Mexikaner präsentiert seinen im Mittelpunkt stehenden Charakter authentisch und stets bedacht.
Unterstützt wird Trejo durch eine namhafte Besetzung. Steven Seagal ("Einsame Entscheidung"), Robert De Niro ("Heat", "Der Sternwanderer") und Lindsay Lohan ("Girls Club – Vorsicht bissig!") fallen durch ihr nur seltenes auftreten weniger ins Gewicht. Dafür wirken sie ähnlich erheiternd wie die Gaststars Tom Savini und die Avellan Zwillinge. Eine solide Präsentation bieten Michelle Rodriguez ("Avatar") und Jessica Alba ("Fantastic Four"-Reihe) auch abseits ihrer plakativen Entblößung. Gekonnt kommen auch Cheech Marin ("Spy Kids"-Reihe) sowie Jeff Fahey ("Lost") zu ihrem Zuge
Rodriguez präsentiert "Machete" so, wie es sich jeder Fan des 60er / 70er-Jahre-Exploitationkinos nur wünschen kann. Gnadenlos überzogene Gewalttätigkeiten lassen den Film zu keinem Zeitpunkt ernsthaft wirken, ebensowenig die sinnfreie Handlung und die sterotypischen Figuren. Markant sind sie jedoch besetzt, und es ist die lässige Spielfreude der Darsteller, die neben der krachenden Action zu gefallen weiß. Nur ein paar Längen lassen vermuten, dass "Machete" mit kürzerer Laufzeit noch einen Tick besser hätte unterhalten können. Primitives Kino, aber geil.
9 / 10