Eigentlich war es ja nur ein Spaß, der Faketrailer zu „Machete“ inmitten des „Grindhouse“-Double Features, aber nach reichlich Fananfeuerungen wurde aus Spaß ernst bzw. Film, nämlich der nicht wirklich ernste Langfilm „Machete“.
Gleich die ersten Minuten bedienen gleich blenden jedes Klischee aus den Action- und Ballerschinken der 70er (und auch 80er Jahre): Drogenfahnder Machete Cortez (Danny Trejo), der Bad MoFo vom Dienst, und sein Partner wollen den Drogenbaron Torrez (Steven Seagal) hochnehmen und eine entführte Zeugin befreien. Beim Frontalangriff auf das Versteck der Übeltäter wird der Wicht von Partner komplett zersiebt, Machete kriegt vorerst nix ab, doch läuft in eine Falle Torrez‘, der Machetes Frau und Kind umbringt und ihn zum Sterben zurücklässt. Wie Machete da rauskommt, das erfährt man nie, ist aber letztendlich auch egal.
Jahre später in Texas, Grenzgebiet: Hier kocht die Suppe ordentlich, denn der rechte Senator John McLaughlin (Robert De Niro) will die Grenzen dicht machen, während der fiese Von Jackson (Don Johnson) und seine Bürgerwehr mit McLaughlins Unterstützung Treibjagd auf Illegale veranstalten. Luz (Michelle Rodriguez) hingegen ist Teil einer Untergrundorganisation, die für Mexikaner kämpft, Bundesagentin Sartana Rivera (Jessica Alba) hingegen will das Einwandererproblem auf dem Dienstweg lösen. Ein Panoptikum von Figuren und ein echter Hexenkessel, in den Robert Rodriguez seinen Helden reinwirft, der als gebrochener Mann und Tagelöhner nur seine Ruhe will.
Doch dann macht der Geschäftsmann Michael Booth (Jeff Fahey) Machete ein Angebot, dass dieser nicht ablehnen kann: Er soll McLaughlin erschießen. Zu spät merkt man Machete, dass er in bester Tradition von „America’s Most Wanted“ und „Shooter“ nur das Bauernopfer sein soll – doch angeschossen entkommt er der Falle und schlägt zurück…
„Machete“ ist ebenso wenig anspruchsvolles Kino wie der artverwandte „Planet Terror“ vom gleichen Regisseur, ein wilder Zitatenritt durch die Geschichte des Action- und Exploitationkinos, weniger gewollt auf 70er getrimmt als der Quasivorgänger, aber immer noch mit reichlich Retroeinschlag inszeniert. Der Plot ist dabei eher egal, nach und nach erwehrt sich Machete halt aller Killer, die man auf ihn ansetzt, aber bei Rodriguez ging es eh selten um Geschichten und mehr um Ideen – und da wird keine ausgelassen. Die Fahrt der mexikanischen Untergrundkämpfer mit ihren Lowrider-Karren, bei der Machete publikumswirksam seine namensgebende weapon of choice in die Höhe streckt – narrativ sinnlos, aber es sieht durfte aus. Die Gattling-auf-Motorradszene: Aus der Trailer bekanntes eye candy, freilich ohne tieferen Sinn. Zudem eine der Szenen aus dem Trailer, die Rodriguez arg gewollt unterbringt, sonst schafft er es tatsächlich die altbekannten Trailermomente in eine vernünftige Form zu hämmern.
So bleibt der Plot letztendlich herzlich egal, doch das Fehlen von Substanz wird durch reichlich Drive und Schmackes ausgeglichen. Kaum eine Sekunde hält „Machete“ inne, hetzt dem Titelcharakter bereits die nächsten Henchmen auf den Kragen, die dann möglichst derbe über den Jordan gehen. Das ist nur bedingt klassische Action, denn die spektakulären Schauwerte des diesjährigen Konkurrenten „The Expendables“ wird man vermissen, meist funktionieren die Kämpfe als überzogener, humoritischer Splatterspaß, der keine Gefangenen macht: Abgehackte Körperteile, blutigste Einschüsse und rausgerupftes Gedärm, alles schon over the top, was bei der Zielgruppe für hämisch-freudiges Gelächter, beim Rest der Welt eher für Magenverstimmung sorgt. Meist macht die Action Laune, nur der konzeptlose Showdown inklusive viel zu kurzem Finalfight Machete vs. Torrez enttäuscht auf voller Linie.
Trotz kleiner Spitzen gegen Fremdenhass und Immigrationspolitik: Viel zu sagen hat „Machete“ nicht, die politischen Einsprengsel sollte man lieber nicht für voll nehmen, sind auch nur Witze in einem komödiantischen Ganzen, das nicht mit der feinen Nadel, sondern mit der groben Kelle arbeitet – das aber mit Schmackes. Gelegentlich schießt Rodriguez etwas übers Ziel hinaus, gerade die Eskapaden von Booths Tochter April (Lindsay Lohan) laufen irgendwie ins Leere, wobei der Heimvideodreh der ganz eigenen Art eh nur dazu dient eine Szene aus dem Faketrailer unterzubringen.
Dazu gibt es mal wieder reichlich Zitate: Bereits Machete ist die Inkarnation sämtlicher früheren Trejorollen (vor allem sein „Desperado“-Part klingt hier stark an), Kumpane wie Cheech Marin und Tom Savini treten onscreen an und der Name der sagenumwobenen Revoluzzerin Shé ist natürlich eine Mischung She und Ché (wie in Ché Guevara). Als Bodyguard Booths tritt Nimrod Antal auf, der für Produzent Robert Roriguez „Predators“ drehte und labert ungarisch daher, kurz sieht man Quentin Tarantinos Gesicht unter den ballernden Schergen Vons im Finale aufblitzen.
Ähnlich wie Kollege Tarantino hat Rodriguez viel für seine Darsteller übrig, versucht jedem genug Raum zu geben. Sein Spezi Danny Trejo wird wohl nicht mehr zum Charakterdarsteller reifen, hat die Rolle aber auf den Leib geschrieben worden und passt wie die Faust aufs Auge. Moppel Steven Seagal beweist Ironie, wirkt aber steif, Robert De Niro ist OK, während Jeff Fahey und Don Johnson als Übelwichte so richtig aufdrehen. Jessica Alba und Michelle Rodriguez sind mit Elan dabei, die Gaststars ebenso und auch Lindsay Lohan macht einen guten Job, wobei sie in erster Linie das Image verkörpert, was ihre letzten Eskapaden in den Medien aufbauten.
Sicher, sicher, Substanz ist anders und „Machete“ ist gewollter Retro-Zitatentrash, man muss akzeptieren, dass lauter heiße Bräute einen vernarbt-unansehnlichen Titelhelden anhimmeln, aber wenn sich drauf einlassen kann, dann ist „Machete“ ein wunderbar unangepasster, überraschend derber und mit Schmackes inszenierter Thrillride für den Freund der derberen Gangart.