Robert Rodriguez ist wieder einmal etwas einmaliges in der Filmgeschichte gelungen und stellt in Zeiten der Finanzkrise seine Einstellung zur *Sparsamkeit* effizient unter Beweis, in dem er - clever und ausgefuchst wie er nun einmal ist - zum eigens für sein Grindhouse-Movie "Planet Terror" inszenierten Fake-Trailer "Machete" die dazu passende Handlung schrieb und nebenbei seine "*Desperado*"-Trilogie zur Quadrilogy erweiterte.
Heraus kam dabei ein bis in die kleinsten Nebenrollen mit mehr oder weniger hochkarätigen Stars wie Robert de Niro, Michelle Rodriguez und Jessica Alba bis hin zu vergessenen Ikonen wie Jeff Fahey , Don Johnson oder Steven Seagal perfekt besetztes Action-Spektakel mit hohem Trash-Faktor und Kultpotential.
Dabei setzt Rodriguez diesmal weniger auf witzige und ausgefallene Dialoge als vielmehr auf optische Schauwerte und Reize, bleibt aber ansonsten seiner Linie treu und überzeugt mit einer wahnwitzigen Mischung aus skurillen Charakteren (ganz besonders stark: Cheech Marin als gottesfürchtiger und schwerbewaffneter Padre), brutaler Action mit Hang zum überzeichneten Comic-Charakter (maßlos übertrieben: der Bungee-Jump mit dem Dickdarm) und einer originellen Story um eine politische Verschwörung und den genretypischen Stilelementen wie Verrat, Loyalität und Rache.
Im Gegensatz zum indirekten Vorgänger "Irgendwann in Mexiko" bleibt die Anzahl der Charaktere wohltuend überschaubar, so dass das außergewöhnliche Star-Ensemble in seinen Rollen angemessen zur Geltung kommt.
Die Story um einen korrupten Politiker, der mit einem Drogenbaron unter einer Decke steckt, spart dabei auch nicht an Gesellschaftskritik, während sich die christliche Symbolik sehr schnell erschöpft.
Leider entstanden eine Vielzahl der blutigen Shoot-Outs in einer der unzähligen CGI-Werkstätten, was "Machete" etwas von seinem Reiz raubt. Sieht man darüber jedoch hinweg, bietet Rodriguez´ dem Zuschauer ein knallhartes und augenzwinkerndes Macho-Movie mit vielen Höhepunkten und einer Michelle Rodriguez, die nie zuvor so sexy und unwiderstehlich in Szene gesetzt worden war.
Als Drehbuchautor und Regisseur beweist Rodriguez hier wieder einmal, dass er sich vor seinem Freund und Kollegen Quentin Tarantino sicherlich nicht verstecken muss und erfüllt mit seinem "Machete" genau die Erwartungen des Zuschauers, die bei Tarantinos "Inglorious Basterds" unbefriedigt blieben.
Mit viel Einfallsreichtum und einem sicheren Gespür für einen atmosphärischen Score wurden alle Szenen aus dem Fake-Trailer in den Film übernommen, entsprechend erweitert und zu einem wüsten, dreckigen Exploiter erster Sahne verarbeitet.
Danny Trejo ist hier in seiner ersten großen Hauptrolle zu bewundern, und er meistert diese Aufgabe sehr überzeugend. Er ist die Idealbesetzung für die Titelfigur, neben der sogar eine Legende wie Steven Seagal erblasst.
Trejos Rolle als Ex-Agent Machete ist zwar etwas humorlos gezeichnet worden und auch an seiner Coolness muss noch gefeilt werden - insgesamt weiss er aber zu gefallen und verhilft der Hommage an das Actionkino der 70er Jahre im Gewand eines staubigen Italowesterns zu feuriger Würze.
Während es im restlichen Film an allen Ecken und Kanten knallt, zischt und explodiert und sämtliche Körperteile und Innereien durch die Gegend fliegen als würde daraus nach Drehschluss noch ein leckeres Barbecue gemacht werden, so enttäuschend und unspektakulär ist dann die finale Konfrontation zwischen Machete und seinem Erzfeind - Drogenbaron Torrez (Steven Seagal) - ausgefallen.
Wenn man schon Steven Seagal für seine Rolle in der ersten großen Produktion seit vielen Jahren an das Set karrt, dann hätte das Duell zwischen ihm und Trejo auch zu einem blutigen, harten und unerbittlichen Kampf auf Leben und Tod inszeniert werden müssen. Davon sind die 30 Sekunden Schwertkampf weit entfernt - auch wenn Seagals Todeskampf die beste schauspielerische Leistung seiner Karriere war.
"Machete" ist vor schwachen Momenten nicht gefeilt, doch die Höhepunkte überwiegen eindeutig. Robert Rodriguez´ Film macht einfach nur Spaß und bietet dem Zuschauer perfekte Unterhaltung. Somit ist das Klassenziel erreicht und der Fan darf auf eine Fortsetzung hoffen - denn "Machete" macht Appetit auf mehr.