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Nach seinem kurzen Auftritt in einem Fake-Trailer innerhalb des „Grindhouse“-Projekts von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez spendierte Letzterer der titelgebenden Figur ihr eigenes Leinwandabenteuer. In diesem legt sich der ehemalige Bundesagent aus Mexiko auf der anderen Seite der Grenze mit manch finsterem Gesellen an.

Verpackt in etwas Satire auf die Einwanderungspolitik der USA und den Träumen mancher, die Grenze mit einer großen Mauer abzuriegeln (was auch der orange Spinner mal ausformulierte), liefert Rodriguez einen oftmals unterhaltsamen Exploitationer moderner Prägung ab. Der Geschichte geht es nicht um Cleverness, dafür um Gewalt, etwas nackte Haut, Abziehbilder und Klischees. Und das gelingt „Machete“ streckenweise auch ganz gut. Es knallt und rummst, es gibt los Hupos und der Rachetrip wird durch etwas Humor hier und da aufgelockert. Der Titelheld schnetzelt und ballert sich durch die Gegner, flankiert wird er da von wechselnden Partnerinnen. Dennoch will das Konstrukt sich nicht über die gesamte Laufzeit tragen, denn unterm Strich ist die Suppe recht dünn und fünfzehn Minuten weniger hätten es locker auch getan.

Die Besetzung wartet mit allerlei bekannten Namen auf. Danny Trejo in der Hauptrolle ist eine ideale Wahl und coole Socke. Gleiches gilt für Michelle Rodriguez und über einen Cheech Marin darf man sich eigentlich immer freuen. Lindsay Lohan spielt sich quasi selbst, Robert DeNiro einen rechten Senator und Jeff Fahey dessen rechte Hand, Shea Whigham wiederum dessen rechte Hand, Jessica Alba eine US-Agentin, dazu gibt’s noch Tom Savini und Don Johnson. Und alle füllen ihre Rolle aus, da fällt ein Steven Seagal als weiterer Schurke Torrez schon aus der Reihe. Ich kann den Kerl einfach nicht ernst nehmen.
Mit dieser Einstellung sollte man allerdings eh an das Projekt rangehen. „Machete“ ist ein alberner Klopper und legt es auch genau darauf an. Das macht oft Spaß, aber durchgängig will die Idee für mich nicht aufgehen. Die erwähnten Längen spielen da rein, die Optik ebenso. Denn trotz der nachträglich eingefügten Defekte kann der Streifen seine Digitaloptik nicht ablegen. Die anvisierte Bahnhofskino-Atmosphäre kommt so nie auf, das CGI besorgt da den Rest. Und Lowrider sind einfach immer lächerlich.

„I know all about what the online public wants."

Die Idee ist aller Ehren wert, Rodriguez' Exploitation-Klopper ist eine sympathische Hommage an das Bahnhofskino, wenn der moderne und digitale Look dies auch immer wieder konterkariert. Danny Trejo sieht man als coole Sau gerne, auch der Rest vom Cast glänzt mit Namen und Spiel, Seagal kann man sich schenken. Mit ausreichend suppender (CGI-)Brutalität und Witz schnetzelt sich „Machete“ durch sein bewusst klischeebeladenes Szenario und in der zweiten Hälfte geht ihm dann trotz Krawall die Puste aus. Eine gute Idee zu weit aufgeblasen, dennoch ein oft unterhaltsamer Reißer.

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