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Zuweilen shot-by-shot Remake von Francis Vebers Zwei irre Typen auf der Flucht [ 1986 ], bzw. dessen eigener Amerikanisierung Das Bankentrio [ 1989 ], welches vom Zeitraum und der Verbreitung her wohl auch eher Pate für die hiesige Replik gestanden hat. Eine ungeschwärzte, aber ebensowenig offiziell beglaubigte Kopie, die für den Kenner der jeweiligen Originale, der sich bereits von der Wirksamkeit dieser Methode überzeugt hat, außer viel Déjà-vu-Erlebnissen und der Bestätigung der daraus sich ergebenden Erkenntnisse nur wenig Erhellendes beitragen kann. Die Betonung einer "gefundenen" Idee statt der Bedeutung einer selbstständig erfundenen impulsgebenden Inspiration lastet dafür zu schwer auf Wong Chungs weitgehend genügsam bedürfnisloser Regie, die sich mit dem Hintergedanken vom primitiven Abgleich auch auf ebendiesem puritanischen Grundgerüst ohne jeglichen Individualistengeist zu verlassen und von vornherein auf die vollkommenen Muster der Übereinstimmung einzuschränken scheint.

Die vergilbte Geschichte, durch fremdes Beispiel gereizt, in der ersten Abhandlung noch mit Attraktion, Inspiration und Intuition umgesetzt, hat hier im untertänigen Aufguss zu viel von jeder Anregung sowie jedes autonome Betreiben verloren und passiert die meiste Zeit einfach nur so; wie in Anbetracht des Mechanischen der Kunst unterdrückt oder hintertrieben. Läuft sowohl selbstherrlich als auch herrenlos, sowohl souverän als auch nebensächlich bloß vor sich her und ab; um sich merklich von anderen Produkten abzuheben und gar vor diesen auszuzeichnen, fehlt das freischaffende Denken, Handeln, der Charakter, das Eigenleben. Die Freiheit in der Einmischung fremder Töne. Wie, als wenn man nicht gewohnt ist, willkürlich verantwortlich zu arbeiten, wird sich sklavisch ergeben durch bereits Beackertes gepflügt und mögliche freie Flächen abseits der an das Gewöhnliche haltenden Nachahmung in wohl von vornherein eingeschlafener Lebhaftigkeit von Phantasie und Empfindung schlichtweg ignoriert; einem zweifelhaftem, einem minderwertigen Authentizitätsanspruch unterworfen. Dabei weist man sogar eine eventuell geeignete Besetzung und die [vernachlässigten] Ansätze einer Bearbeitung auf, die, in einer durchaus vorteilhaften Beschäftigung gehalten auch durchaus weniger knechtische Töne von Vorsatz und Überlegung anschlagen könnte:

Als Luk Pui [ Ti Lung ] nach vier Jahren Gefängnis theoretisch endlich wieder das Licht der Freiheit sehen kann, wird sein Blickfeld vom ersten Moment an vom anhänglich obsessiven Sergeant Leung [ Kent Cheng ] samt Partner [ Law Ching-Ho ] versperrt. Leung ist der festen Ansicht, dass Reformation und Resozialisierung ein Unding schlechthin seien und in Luk Pui das unbändige Böse lauert, nur auf die nächste Chance zu Verbrechen wartend. Dabei scheinen ihm die schon in Belästigung und Drangsalierung ausufernde Observation auch schnell Recht zu geben, wird doch in einer nahe liegenden Bank Alarm ausgerufen und ist Luk Pui wenig überraschend auch vor Ort. Doch dieser ist Geisel des eher gleichfalls unfreiwilligen Räubers Ng Sing Choi [ Richard Ng ], der nur 50000 HK$ und diese auch nur für eine Operation seiner nach dem Tod der Mutter verstummten Tochter Siu Mui [ Chan Cheuk-Yan ] haben möchte. Dabei verletzt er durch einen Streifschuss in der Aufregung Luk am Bein, dieser ergreift die Initiative in der Hektik, schafft sich und Ng aus der Gefahrenlage der schussbereiten Polizei und sieht deswegen auch wie der eigentliche Täter beim sowieso angespannten Sergeant Leung aus.

Den Rest kann man sich denken, bzw. Nachschauen, Luk wird vom servilen Ng zum verwandten Arzt gebracht, der sonst nur Hunde auf dem Lande behandelt, von der knuffigen Tochter um den kleinen Daumen ge- und so zu einer Art Patenonkel mit Schutzengelfunktion entwickelt. Ende Gut und Alles Gut. Links und Rechts des leider zu subalternen, schon abgewirtschafteten und auf wichtige Revolutionen verzichtenden Plots befinden sich die vielleicht nicht unentdeckten, aber zumindest ungewürdigten Ausdehnungen des Gesichtspunkts; die sittsam korrekte, aber hinfällige Erzählung könnte sich mit etwas mehr Ausweitung aus dem devoten Lakaientum hinaus auch gut und gerne in jede mögliche andere Richtung entwickeln und durch neue Hindernisse weiter hinaus setzen. Da winkt neben dem anprobierten künstlichen Drama, dem ebenso unaufrichtigen Komödchen und anderer lebhafter Auftritte vor allem das Triadengenre, dass schon mit dem Cops VS Robbers Element die entscheidende Prämisse gegeben hat und dies auch noch mit den Zutaten der Wandlung vom Saulus zum Paulus untermauert.

Gerade Ti Lung in der Aktiveren der beiden Hauptrollen verkörpert nicht nur zu dem besonderen Zeitpunkt der Produktion die Idealfigur des Geläuterten, der zwar seine Maßstäbe bereits geändert hat, sich aber den neuen Umständen dennoch oder gerade deswegen nicht mehr anpassen kann und in der Gegenwart nicht mehr als ein rückständiges Relikt von Ehre und Anstand ist. Er hat nicht nur eine ähnliche Ausgangsposition in bereits [den wesentlich substanzielleren Werken] True Colours, A Better Tomorrow, People's Hero, zeitweise sogar mit identisch anmutenden Szenen samt eben nicht erborgten Gemütsgaben personifiziert, sondern auch danach noch mindestens ein Mal mit wiederum konkret fühlbaren Ergebnissen erschaffen: A Killer's Blues[ 1990 ] widmet sich abermals dem Leitmotiv vom Ex-Prisoner mit ungewohntem Anhang in Form eines Kindes als zentrale Metapher seines therapeutischen Ansatzes, muss sich aber nicht über verstelltes oder gar totgeschwiegenes Einfühlungsvermögen und mangelnder Quintessenz beklagen. Jeglicher Antrieb bezüglich einer unverhohlenen Erweiterung wird ans straffe Korsett der nahtlosen Einfügbarkeit der Faksimile geknüpft.

Eine etwaige derartige vorteilhafte Wendung plus genauerer Selbsterkenntnis wird im theoretischen Hintergrund lesartenübergreifender Angaben obendrein angedeutet, aber dann abseits wohlüberlegter kleiner Abweichungen und angenehm düsteren Hintergrundbildern nicht geliefert; Luk Pui bekommt sowohl Ärger von eben der Vorgeschichte misstrauenden Polizei als auch den alten Kollegen der Verbrecherwelt und tritt Handlanger Boss Tai Keung [ Wong Hung ] und Bandenchef Brother Sing [ Lam Chung ] überdies auch jeweils einmal, im Nachhinein wohl bloß pro forma auf die Füße. Allerdings ist die Begebenheit selbst das Wenigste und verläuft es sich mit knapp bemessener, wenn dann auch gefährlich anmutender Stuntarbeit auch schon im Sande aufkommender Begeisterung.

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