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Nun ist sie endlich da, die lang ersehnte Fortsetzung des Überraschungserfolges, und gleichermaßen überraschend gelungenen Erstlings - IP MAN. Die Erwartungen waren hoch und die Trailer vermochten dies zu bestätigen, doch der Film wird sein Publikum spalten und eventuell sogar enttäuschen.

Trotz fähiger Filmemacher vor, aber auch hinter der Kamera, wirkt diese Fortsetzung ideenlos und leer. Nicht unerheblich dabei, der eindimensionale Plot, bei welchem einige Fakten aus dem wirklichen Leben von Yip Man auf die dramaturgisch wichtigen Regeln eines funktionierenden Spielfilmes (sei es nun ein Drama,- Action,- oder Historienfilm) treffen. Mehr oder weniger gelang dieses Biopic, betrachtet man es als eigenständig. Gemessen am Vorgänger muss die fünfte Kollaboration von Wilson Yip und Donnie Yen richtig Federn lassen.

„Ip Man 2“ führt unseren Hauptcharakter in die 1950iger Jahre. Die Zelte in Foshan wurden abgebrochen und Hongkong zur neuen Heimat gewählt. Um an Geld zu kommen will er hier eine Schule eröffnen und Interessierten seinen Kampfstil lehren. Doch fehlen dazu Schüler und der Respekt anderer etablierter Kampfkunstmeister. Einer von ihnen ist Master Hung (Sammo Hung), ein beleibter aber schlagkräftiger und vor allem angesehener Meister. Erste Reibereien und Revierverteidigung sorgen für Unruhe im Leben aller Involvierten Figuren, doch Ip Man's charismatische Art, sein Talent als Martial Artist und die tief in ihm verwurzelten chinesischen Ansichten (genügsam, fair und respektvoll zu sein etc.) wenden das Blatt. Dies und die Tatsache das im britisch regierten Hongkong gerade die Ausländer für viel problematischere Scherereien sorgen. Diese gilt es zu bewältigen und dafür müssen die Chinesen an einen Strang ziehen.

Ein britischer Boxer mit dem Spitznamen Twister (Darren Shahlavi), natürlich an Arroganz und Überheblichkeit kaum zu überbieten boxt nicht nur Master Hung, sondern die Ehre und das Ansehen der Chinesen, zu Boden. In einem Wettbewerb will Twister jeden Herausforderer bezwingen. Ip Man soll es also mal wieder richten. Also kommt es zum angeblich wirklich stattgefunden Kampf. Die hochschwanger Ehefrau (Lynn Hung), der gemeinsame Sohn und wahrscheinlich ganz Hongkong verfolgen diese Auseinandersetzung live in der Halle oder wenigstens per Radio. Ein im gegeben Rahmen mögliches Happy End bescheinigt wieder einmal den Sieg „Gut über Böse“.

Man kann und will gar nicht sagen das alles falsch gemacht wurde, zumal das gleiche Team wie beim Vorgänger an der Realisierung beteiligt war. Jedoch wird zu keinen Zeitpunkt die cinematographische Wucht des Vorgängers erreicht. Und das obwohl die Settings wieder sehr stimmig gerieten, der Score angenehm zurückhaltend klingt und die Kampfsequenzen abwechslungsreich und häufig stattfinden. Erdige Farben erinnern an vergangene Zeiten und sorgen für Authentizität.

Allerdings hätte das alles viel kompakter in der Hälfte der Laufzeit abgewickelt werden können. Auch hätte man die dramaturgisch wichtige Trennung zwischen Gut und Böse nicht so offenkundig auswalzen müssen, dass sie schon fast rassistische Züge annimmt nur um den Gegenschlag unseres Meisters zu rechtfertigen. Wobei dies natürlich schon im Erstling hervorragend funktionierte, nur das hier die Japaner herhalten durften. Grundsätzlich beschleicht den Zuschauer das Gefühl hier wurde das ganze Szenario des ersten Teils einfach an einen anderen Ort mit neuen Figuren verlegt. Dies wäre am Ende für eine Serie fast schon wieder üblich. Doch auch Schade, denn in dieser Fortsetzung entwickeln sich die etablierten Figuren gar nicht weiter oder wurden regelrecht ausgeblendet (z.B. Simon Yam's Charakter sabbert und keift sich nur noch ein paar Sekunden durch die Laufzeit). Selbst Lynn Hung als Ip Man's Ehefrau hätte man mehr Screentime gönnen müssen. So bleibt sie eher ein blasser Schatten. Viel eher reduzierte man den Film auf auf die drei Hauptfiguren, dargestellt von Donnie Yen, Sammo Hung und Darren Shahlavi, also auf die Kampfsequenzen. Und das  am Ende doch zu wenig sein.

Nichtdestotrotz sind die Choreographien abwechslungsreich und technisch auf hohem Niveau, wenn auch der zu offensichtliche Einsatz von Drahtseilen zu bemängeln wäre. In mancher Situation wirken Bewegungen sehr unrealistisch und deshalb auch albern, dies ist nicht unbedingt förderlich für Spannung und Glaubwürdigkeit der Figuren. Grundsätzlich darf man die Kampfszenen aber beklatschen, gerade die Auseinandersetzung zwischen Ip Man und Master Hung – sprich Donnie Yen und Choreograph Sammo Hung (agierte beim ersten Teil noch ausschließlich hinter der Kamera), sowie der Finale Kampf um den Boxer Twister bieten einige Momente bester Martial Arts Kunst und wissen zu gefallen. Eine hohe Geschwindigkeit, keine zu hektische Kamera und auch mal längere Einstellungen vermitteln eine Dynamik und ein Maß an Härte, doch auch hier wird zu keinem Zeitpunkt die Klasse vom Vorgänger erreicht.

Donnie Yen hat hier seinen Part wiederholt doch kann bzw. darf ihn nicht weiter ausbauen. Richtig schade. Nun darf man annehmen und hoffen das die eigentlich schon für diesen Teil geplante Einführung der Figur Bruce Lee, welcher ebenfalls Ip/Yip Man als Lehrmeister des Wing Chun hatte, die Qualität vom ersten Teil und somit eine Daseinsberechtigung für eine zweite Fortsetzung zurück bringt. Wäre echt schade wenn solch eine Franchise sang und klanglos unterginge. Allerdings, und das gibt Hoffnung, hatte auch die OUATIC-Serie um die Figur Wong Fei Hung (mit Jet Li) ihre Höhen und Tiefen und darf heute als Klassiker des chinesichen bzw. Hongkong-Kinos bezeichnet werden.

Für Ip Man 2 gilt, da wäre viel mehr möglich gewesen!!!

6/10

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