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Man sollte eben nicht alle Remakes in eine Schublade stecken, denn es gibt durchaus Neuauflagen die das Original hinter sich lassen. Charles Kaufmanns "Muttertag" ist ein gewisser Kultstatus nicht abzusprechen, dennoch wird er meiner Meinung nach überschätzt und gewann diesen Ruf nur durch die teilweise sehr sadistischen Brutalitäten. Darren Lynn Bousman (Saw II-IV) geht die Sache ganz anders an, beispielsweise ohne den teilweise fragwürdigen Humor, der das Original von 1980 behaftete.
Auch sind Ike (Patrick Flueger) und Addley (Warren Kole) mit ihrem angeschossenen Bruder Johnny (Matt O´Leary) auf der Flucht vor den Behörden. Sie landen in ihrem Elternhaus, welches das junge Ehepaar Sohapi (Jaime King, Frank Grillo) kürzlich erworben hat. Die feiern mit ihren Freunden eine Party, welche sich mit dem Auftauchen von Mutter (Rebecca De Mornay) und ihrer Tochter Lydia (Deborah Ann Woll) zum blutigen Alptraum entwickelt.
Bousman nimmt sich nicht mal Zeit uns die Charaktere näher zu bringen, aber mit einem Hintergedanken. Nämlich werden während des Films einige Geheimnisse offenbart, die besonders beim scheinbar glücklichen Paar Sohapi überraschen.

Trotz mangelnder Informationen will es dem Zuschauer ohne Probleme gelingen, sich in die gebeutelten Charaktere hinein zu versetzen. Man ist immer Keller gefangen, dank spezieller Tornadofenster und Stahltüren, ebenfalls ist ein großes Unwetter im Anmarsch. Mutter will mit ihren Kindern über die Grenze fliehen, doch dazu benötigen sie nun mal Geld, weswegen Beth Sohapi mit Addley zur Bank fahren muss. Bousman springt somit zwischen den verschiedenen Parteien hin und her, ohne jemand zu vernachlässigen.
Zusätzlich ist erfreulich zu sehen, dass nicht diverse Folterelemente oder sonstige Brutalitäten den Film regieren. "Mother´s Day" fährt mehr die psychische Schiene und kann damit besonders punkten, wenn die Gefangenen ihr wahres Gesicht zeigen müssen. In Gefahrensituationen ist sich jeder selbst der Nächste, es regiert der pure Egoismus und besonders diese Momente bleiben im Gedächtnis wenn. Wenn zwei Männer gegeneinander kämpfen, die Frau des Verlierers muss den jungen Johnny beglücken, oder Addley zwei lästige Zeuginnen sich gegenseitig abstechen lässt und die Überlebende dann trotzdem hinrichtet. Diese Szenen funktionieren auch so eindringlich dank glaubwürdiger Darsteller, die "Mother´s Day" ohne Ausnahme zu bieten hat.

Was noch zusätzlich für Spannung sorgt, ist die Unberechebarkeit von Mutter und ihren Söhnen. Um an Informationen zu gelangen wird schon mal gekochtes Wasser in Ohren gegossen oder jemand in Brand gesteckt. Eine Grenze überschreitet Bousman dabei nie, doch die Opfer im Film, sowie der Zuschauer stehen stets unter Druck. Dennoch ist das Ganze ein bisschen lang geraten, Durststrecken gibt es nicht, aber einige Momente die man sich kürzer gewünscht hätte.
Dafür ist es schlicht weg unmöglich zu sagen, wer dieses Martyrium überlebt. Auch sympathische Personen werden gnadenlos geopfert und es dauert wirklich sehr lange, bis die noch übrig gebliebenen Opfer den Spieß umdrehen können. Besonders Mutter verwandelt sich noch in eine wahre Furie, aber auch Beth und die restlichen Überlebenden werden zu Monstern, wenn sie Ike und Addley ins Jenseits befördern.
Wie schon erwähnt tragen besonders die Darsteller ihren Teil bei, durch glaubwürdige Verkörperungen und Rebecca De Mornay (Die Hand an der Wiege, Runaway Train) als Mutter ist wahrlich eine tolle Wahl.

Bousman hat hier alles richtig gemacht, doch ohne solch glaubwürdige Darsteller hätte "Mother´s Day" längst nicht dieses Niveau erreicht. Mit Brutalitäten hält man eher bedeckt, viel mehr regiert der psychische Druck, der Menschen in gewissen Situationen zu Monstern werden lässt. Was man bemängeln kann ist die Lauflänge, den originell ist die Story nämlich nicht unbedingt und eigene Ideen hat auch Bousman nur wenige. Trotzdem ein spannendes Remake, nicht nur der eingefleischten Horrorgemeinde zu empfehlen.

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