Review
von Leimbacher-Mario
Kein Film für Muttertag
Remakes wie „Mothers Day“ von „Saw“-Mitschöpfer Darren Lynn Bousman sind mir die liebsten. Einen absurden Troma-Klassiker derart in die Neuzeit zu heben, davor muss man Respekt haben. Natürlich hätte er das Ding auch anders nennen können, so weit ist es vom Original entfernt, aber besser sich solche Freiheiten und Eigenständigkeit gönnen, als sich sträflich nah am Vorbild entlang zu hangeln und nie wirklich Daseinsberechtigung zu erlangen. Nun taugen die zwei „Muttertage“ auch hervorragend als Double Feature, als zwei Seiten einer Medaille, ohne dass auch nur ein Hauch von Langeweile oder Abnutzungserscheinungen aufkommen. Der neue „Mother's Day“ liegt näher an sleazigen Home Invasion-Gewalttaten wie „Der Schlitzer“, „Kidnapped“, „Inside“ oder „The Last House in the Left“ als den trashigen Redneck-Muttersöhnchen aus seiner groben Vorlage - doch er ist mindestens genauso nasty und brutal...
Keine Sekunde wird vergeudet und wir folgen einer kleinen Kellerfeier unter erwachsenen Freunden - viele Pärchen, viel Alkohol, viel Spaß. Doch als dann eine Gruppe Bankräuber in ihr „altes Heim“ einkehren, einer davon auch noch schwer angeschossen und später samt psychopathischer Matriarchin, geht die Party erst richtig los... Der aktuelle „Mother's Day“ ist ein fieses Geschoss. Anders wie der alte, aber nicht viel leichter verdaulich. Ich wüsste sogar kaum, welchen ich vorziehen würde. Das kann nur eine Handvoll Remakes von sich behaupten. Er schlägt voll in die dieses Jahrzehnt angesagte Kerbe der rohen, ungebrochenen und kaum augenzwinkernden Gewalt, er hat eine immer-junge und immer-grandiose Rebecca De Mornay auf seiner Seite und er versucht nichtmal wirklich seine bitterböse, tiefschwarze Seele zu verbergen. Für die kranke Rasselbande um De Mornay hat er scheinbar nicht viel weniger Sympathien als für die „Opfer“ und ihre etlichen Geheimnisse, Sünden, Feigheiten und charakterlichen wie IQ-technischen Missstände. Da ist es als Zuschauer überraschend schwer eine angenehme Seite zu finden. Überall hat diese spezielle Geiselnahme Stachel, Perversitäten und doppelte Böden. Das klingt cleverer als es ist, doch in seiner geraden, pfeilschnellen, hochwertig produzierten und gespielten Art, ist „Mother's Day“ (2010) durchaus ein brauchbarer Terrorhappen für starke Mägen, Wenig-Geduldler und Freunde harter Hausmannskost. Verschnaufpause ist nicht, Sicherheiten waren ein mal, Trash ist out und wurde gegen Radikalität und Abgefucktheit eingetauscht. Gefällt mir! Spaßig und spritzig, krank und gemein. Die Szene mit dem heißen Wasser verursacht bei mir schon beim Gedanken daran einen halben Tinnitus...
Fazit: anders aber mindestens genauso gut wie das trashigere Troma-Original. Hart, humorlos, böse, unangenehm, menschenverachtend und erfrischend straight oldschool. Ein Sack voller Schmirgelpapier. Roh und eines der unterschätztesten Remakes des Genres, das auch absolut allein stehen kann. Fesselt von Beginn an und nahtlos. Natürlich eher für das perversere Geschmäckle.