Review

Die kühle, blau-grün gehaltene Bildgestaltung verursacht mir mittlerweile bloß ein Gähnen, weil dieses Stilmittel in letzter Zeit reichlich über strapaziert wurde und daher nicht mehr wirkt. Abgesehen davon schaut "Robin Hood" aber gut aus und zeigt recht famose Bilder. Nein, damit meine ich nicht die plakativen Dinge wie z. B. den Pfeil-Flug mit subjektiver Kamera, sondern eher hübschen Bildkompositionen und geschmeidigen Kamerabewegungen in den ruhigeren Szenen und, als Kontrast dazu, der exzessive Einsatz von Shaky Cam in den Schlachtszenen, der sehr geschickt ist, weil man nie den Überblick darüber verliert, wer da gerade wem das Lebenslicht ausknipst.


Inhaltlich fehlt es an einem Zusammenspiel zwischen grimmigen und komischen Momenten. Die humoristischen Einlagen, der Comic Relief sind schlicht und ergreifend beschissen integriert in die düstere, dreckige, dramatische Geschichte und in die kühle visuelle Gestaltung des Films. Völlig planlos wechseln sich Drama und Slapstick ab. Klar, das Mainstream-Publikum will lachen. Aber die sinnvolle Integration von Comic Relief in so ein grimmiges und erdiges Drama ist eine Kunst, welche die Macher von "Robin Hood" nicht beherrschen. Erschreckend und überraschend, dass Ridley Scott und Brian Helgeland so einen unhomogenen Film konzipiert haben, wo der Humor fürchterlich "eingepflanzt" wirkt, wodurch der Gesamteindruck aufs massivste gestört wird und man sich als Zuschauer vor den Kopf gestoßen fühlt.


Wahnsinnig bereichernde oder aufregend neue Sichtweisen auf die Legende und die Figur Robin Hood werden ebenfalls nicht geboten. Und eingedenk des Umstandes, dass es zum Konzept des Films gehört, dass Robin Hood seine Befindlichkeiten oftmals nonverbal kommunizieren muss, wirkt Russel Crowes Spiel zu nichts sagend. Dem Mann fehlt es hier schlicht an mimischer Ausdruckskraft, um irgend was Subtiles zu vermitteln.


Der Feuilleton schreibt sich die Finger Wund über die angebliche politische Thematisierung von Unterdrückung und Freiheit in "Robin Hood". Das wundert mich. Schließlich setzt sich Robin in diesem Film bloß für nationale Einheit gegen die französische Invasion sowie für die Rechte von Adeligen ein, und als er mit König John eine Debatte über Freiheit und Gleichheit führt, tut er das im Namen und im Auftrag des machtgeilen und sich entrechtet fühlenden Adels, nicht des einfachen Volkes. Punkt. 


Das Anliegen des Films ist meines Erachtens ein völlig anderes als das, was die Filmkritik hier auszumachen glaubt. Denn Robin Hood ist den ganze Zeit über ein unsympathischer Egoist und Opportunist. Alles, wirklich alles, das er den Film über macht, soll ihm entweder die eigene Haut retten, Cate Blanchett ins Bett bringen oder seine eigenen Ziele erreichen helfen. 


Und vielleicht ist diese Darstellung des Robin Hood als unedler Anti-Held und Unsympath ja genau die neue Sichtweise auf die Figur, welche Ridley Scott im Vorfeld groß versprochen hat. Falls ja: Langweilig. Wer guckt schon gerne zweieinhalb Stunden einem öden und unsympathischen Prollo-Penner mit monoton grimmigem Gesichtsausdruck zu? 


Die künstlerische Idee hinter "Robin Hood" ist absolut nicht tragfähig. Und banal noch dazu, weil die Entmystifizierung von Helden eine Sache ist, die schon in vielen Filmen betrieben wurde, und zwar besser als in "Robin Hood".

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