Zwei britische Agenten wurden in Berlin ermordet. Beide hatten den Auftrag, eine Gruppe alter Neo-Nazis zu infiltrieren. Jetzt geht der Auftrag an Quiller, und der gibt gleich mächtig Gas: Erstmal wirbelt er eine Menge Staub auf indem er die richtigen Leute befragt und Unruhe verbreitet, dann verführt er Senta Berger, und zu guter Letzt hängt er seinen Überwacher vom (eigenen) Geheimdienst ab und wird anschließend von den Gegenspielern gefangen genommen. Mit Drogen wird er übel gefoltert, doch als alles nichts fruchtet gibt es den letzten Befehl: Bringt Quiller irgendwohin und tötet ihn …
Der Erste Quiller-Roman war zumindest für den Schriftsteller Elleston Trevor so erfolgreich, das er unter dem Pseudonym Adam Hall noch weitere Romane um den Agenten ohne Schusswaffen schrieb. Einige davon habe ich gelesen und kann sie nur wärmstens empfehlen. Angenehm realistische Agentenromane, die mit einer gesunden Härte aufwarten und einen Helden haben, der Schußwaffen verabscheut und stattdessen das Nachdenken als Mittel zum Zweck benutzt. Ausserdem macht Quiller auch mal Fehler, was ihn auf eine Stufe mit dem Leser hebt, und damit eine ganz enorme Identifikationsmöglichkeit bietet. Dass die Romane so ganz nebenher auch noch sauspannend sind möchte ich nur der Vollständigkeit halber erwähnen …
Diese Verfilmung des ersten Romans lässt den Helden zwar noch ein wenig als Gegenspieler von James Bond erscheinen, gibt ihm aber auch hier bereits angenehm menschliche Züge. Er verliebt sich in die göttinnengleich ins Bild gesetzte Senta Berger, und er lässt sich wie ein Anfänger von den Bösen gefangen nehmen. Was natürlich auch Kalkül gewesen sein könnte, den Quiller ist auch in den Romanen ziemlich hart im Einstecken. Nichtsdestotrotz sollte er wohl in diesem Film bewusst als Gegenstück zu dem Superagenten 007 aufgebau t werden – Mit menschlichen Zügen, mit Schwächen, und ohne Gadgets. Ersteres hat nichts ganz so gut hingehauen, sein Hang zum Einzelgängertum, der in den Romanen auch immer wieder hervorgehoben wird, beschert George Segal im Film einige unsympathische und fast clowneske Züge. Aber insgesamt wirkt Segal angenehm unauffällig, und eben – menschlich. Fast bieder. Seine Enttäuschung bei der letzten Verabschiedung ist deutlich zu spüren und auch nachzuempfinden – Er kennt den Hintergrund, er weiß warum er überlebt hat, aber er wird es nie beweisen können. Für ihn geht das Leben weiter, und vielleicht ist es ein Leben das ein klein wenig trauriger ist als zuvor.
Denn QUILLER ist kein Supermann der die Welt vom Übel befreit, und wenn der Film aus ist ist auch die Gefahr beseitigt. QUILLER spielt in einer realen Welt, mit zwielichtigen Gestalten in einer kaputten Umgebung, wo nicht einmal der eigene Auftraggeber über jeden Zweifel erhaben ist, und wo zum Ende des Films die Bedrohung mitnichten verschwunden ist. Sie ist einfach nur woanders, und der arme Depp, dessen Job es ist die Gefahr zu beseitigen, weiß genau, dass er wieder und wieder losziehen muss. Seine Haut zu Markte tragen muss, um etwas zu bekämpfen, was ihm eigentlich am Arsch vorbeigehen würde, wenn es nicht auf eine direkte und persönliche Art diesen Arsch perforieren würde …
Durch die Originalschauplätze in Berlin und die Verwendung deutschsprachiger Schauspieler (Peter Carsten, Günter Meisner, Herbert Fux und einige mehr) wird diese Art Realität noch einmal stärker, und so treffen beispielsweise die Folterszenen den Zuschaur mit einiger Härte. Auch hier wird schnell klar, dass Quiller dies nicht zwingend ohne Blessuren überstehen wird, dass er weder Superagent aus dem Kintopp ist, sondern eigentlich nur ein ganz normaler Mann mit einem sonderbaren Beruf.
QUILLER ist spannend, wenn man weiß worauf man sich einlässt. Kein 08/15-Eurospy, sondern anspruchsvolle und stellenweise relativ harte Unterhaltung aus dem Agentenmilieu. Ausgesprochen sehenswert!