Ein Leuchtturm im Nebel, zwei Fischer landen auf Snape Island. Sie finden eine Anzahl Leichen von Touristen vor, die einzige Überlebende, die junge Penelope, ersticht unter Schock den einen Fischer. Im Krankenhaus versucht man, mittels Drogen und psychedelischer Beleuchtung etwas aus ihr herauszubekommen, da sie in einen katatonischen Zustand verfallen ist. In Erinnerungsrückblenden wird langsam klar, dass nicht sie das Blutbad anrichtete. Davon weiß allerdings eine Gruppe Wissenschaftler nichts, die auf der einsamen Insel einen antiken, phönizischen Schatz vermuten. Dort angekommen wird ihnen jedoch klar, dass sie nicht alleine sind und ihr Fährmann, der alte Sam Bergy scheint etwas zu verbergen. Bereits in den ersten Minuten gibt es ein paar bemerkenswert blutige Effekte zu bestaunen, die der Zeit und dem Budget entsprechend einfacher Natur sind. Interessant erzählt das Drehbuch in zwei Handlungsebenen die mysteriösen Geschehnisse. Zum einen über das traumatisierte Hippiemädchen, deren Freunde umkamen, und zum anderen von den ebenso im 70er Outfit auftretenden Schatzsuchern. Die sind kreuzüber miteinander verbandelt, was in einigen anzüglichen Spitzen offenbart wird. In Wort wie im Bild gibt man sich zeitgemäß freizügig, was der ansonsten vorherrschenden Gruselatmosphäre nicht immer zuträglich ist. Als B-Movie hingegen ist das trotzdem amüsant, zumal die maritime Horrorstimmung selbst mit dem Gott Baal als Pappmaché und diversen Modellbauten auskommen muss. Nicht immer freiwillig komisch sind auch einfache Blue-Screen-Effekte oder die deutsche Synchro, die die Charaktere noch billiger wirken lässt, als sie sowieso schon sind. Dem Unterhaltungswert tut das gewiss keinen Abbruch, wenn man nicht gerade einen Leuchtturmgrusler wie "The Fog" erwartet. Vielmehr wirkt dieser Streifen wie ein Nachzügler der in den 50er und 60er Jahren beliebten Inselhorrortrasher. Die Studiokulissen sind offensichtlich und verschaffen dem Ganzen einen stimmige Atmosphäre, die mit Nebel, Spinnweben und Höhlen begeistert. So erinnert die düstere Story an die klassischen Schlossfilme mit bemitleidenswerter Monsterkreatur, die in diesem Fall für einen erhöhten Bodycount unter den Hippies sorgt. Lebende Leichen, wie der Titel vermuten lässt, gibt es hingegen nicht. Wären Szenen wie die nebelverhangene Anfangssequenz der Standard hinsichtlich der Stimmung, wäre aus "Turm Der Lebenden Leichen" wahrscheinlich ein kleiner Klassiker geworden, so reicht es zuindest für eine Abwechslung zwischen den Hammerproduktionen aus dem Großbritannien der Zeit.
Charmanter, geradezu klassischer Inselhorror. Für B-Moviefans empfehlenswert. 6/10 Punkten