Adam: "Well, there's one thing that's certain."
Dan: "What's that?"
Adam: "That this is not the luckiest island in the world, is it?"
Hamp: "That'd be true. Snape Island never brought anything but unhappiness and tragedy for anyone."
Zwei verschiedene Gruppen Menschen statten der unwirtlichen Felseninsel Snape Island zu unterschiedlichen Zeiten einen verhängnisvollen Besuch ab. Die eine besteht aus vier amerikanischen Teenagern, die nach einem Jazz-Festival ein prickelndes Abenteuer suchen, die andere ist ein kleines, bunt zusammengewürfeltes Team aus Archäologen, welche auf der Insel verborgene Schätze der Phönizier vermuten. Als Tower of Evil beginnt, hat die jungen Amerikaner ihr grausiges Schicksal bereits ereilt. Gary (John Hamill, Trog), Des (Robin Askwith, Horror Hospital) und Mae (Seretta Wilson, Psychomania) sind tot, ihre leblosen Körper auf der kleinen Insel verstreut. Lediglich Penelope (Candace Glendenning, Satan's Slave) hat den Abstecher nach Snape Island überlebt, allerdings konnte ihr fragiler Geist den erlebten Schrecken nicht verarbeiten und ist in den Wahnsinn geflüchtet. Daß etwas Gräßliches passiert ist, steht also schon nach wenigen Minuten fest. Wie es dazu gekommen ist, daß der eine aufgespießt an der Wand endet, daß der zweite am felsigen Strand regelrecht abgeschlachtet wurde und daß die dritte nackt am Steinboden im oberen Bereich des schmucklosen Leuchtturms liegt, wird im weiteren Verlauf des Filmes nach und nach enthüllt.
Die Archäologen wissen über das Massaker Bescheid, wagen sich aber dennoch nach Snape Island. Schließlich kam der ermittelnde Polizist zum Schluß, daß Penelope in einem Anfall von wahnsinniger Raserei ihre Freunde getötet hat. Begleitet werden Adam (Mark Edwards, Blood from the Mummy's Tomb), Dan (Derek Fowlds, Frankenstein Created Woman), Nora (Anna Palk, The Nightcomers) und Rose (Jill Haworth, The Mutations) von einem Detektiv namens Brent (Bryant Haliday, Devil Doll), der denkt, daß an der ganzen Sache etwas faul ist, sowie von Hamp (Jack Watson, Schizo) und dessen Neffen Brom (Gary Hamilton), welche die Besucher mit ihrem Boot auf das Eiland bringen. Die sieben Menschen wähnen sich alleine auf der Insel, doch bald schon mehren sich die Zeichen, daß dem nicht so ist. Und daß von der unerbetenen Gesellschaft möglicherweise eine tödliche Gefahr ausgeht. Anfang der 1970er-Jahre befand sich der britische Genrefilm im Umbruch. Der übernatürliche (Fantasy-)Horror aus dem Hause Hammer Films, jahrelang ein verläßlicher Erfolgsgarant, war plötzlich passé, auch wenn das Studio das vorerst nicht wahrhaben wollte und im Jahre 1972 mit Vampire Circus (Circus der Vampire) und Dracula A.D. 1972 (Dracula jagt Mini-Mädchen) gleich zwei neue Vampirstreifen in die Kinos brachte.
Der überwiegende Teil des Publikums hatte genug von den klassischen Schreckgestalten; Graf Dracula, Baron Frankenstein (und dessen Kreatur), die Mumie und wie sie alle heißen, sie wurden verdrängt von einer neuen Art von Horror. Einer realistischeren, grimmigeren, garstigeren Art von Horror. Im selben Jahr wie Tower of Evil schuf Alfred Hitchcock Frenzy, präsentierte Pete Walker The Flesh and Blood Show (Im Rampenlicht des Bösen) und drehte Gary Sherman Death Line (Tunnel der lebenden Leichen). Dagegen kamen Vampire nicht an, und die goldene Ära der Hammer Films war damit Geschichte. Tower of Evil ist beileibe nicht der beste britische Schocker des Jahres, aber Regisseur Jim O'Connolly (The Valley of Gwangi), der George Baxts ersten Drehbuchentwurf komplett umschrieb, gelangen einige erstaunlich effektive Momente puren Horrors. Die Eröffnungsszene, beginnend mit einer ungeheuer stimmungsvollen Luftaufnahme des Leuchtturm(modell)s, der unheildräuend aus dem nebelverhangenen Felsboden der Insel emporwächst, ist großartig. Die nächsten Minuten, in welchen zwei Männer die Insel erkunden und unter anderem über die Leichen der Touristen stolpern, sind ebenso toll. Gekrönt wird diese so unheimliche wie grausige Einleitung mit zwei ganz famosen Schocksequenzen, die einen auch heute noch unwillkürlich zusammenzucken lassen.
Leider erreicht Tower of Evil das Niveau dieses furiosen Beginns in weiterer Folge nur noch ein einziges Mal, und zwar als Penelopes Schilderung der Ereignisse im Rahmen einer psychedelischen Hypnotherapie den Höhepunkt erreicht. Da knallt uns O'Connolly gekonnt eine dermaßen effektiv zusammengeschnittene Szenencollage des Gemetzels vor den Latz, daß man völlig baff ist und nur anerkennend staunen kann. Diese paar wuchtigen Sekunden schaffen es eindringlich, das Grauen, dem Penelope ausgesetzt war, fühlbar zu machen. Da wundert man sich dann auch nicht mehr, wieso sie den Verstand verloren hat. Der Rest des Filmes steht dann völlig im Schatten dieser fulminanten Sequenz. Das soll jetzt nicht heißen, daß die zweite Hälfte des Streifens schlecht wäre, aber man hat irgendwie das Gefühl, daß die Luft etwas raus ist, zumal nach diesem Höhepunkt für einige Zeit kaum etwas von Belang passiert. Ein klarer Fall von zu früh verschossenem Pulver. Aufgrund der nicht uninteressanten Figurenkonstellation, der erstklassigen (Studio-)Location, den guten Schauspielern und des bis kurz vor Ende nicht völlig gelüfteten Mystery-Elements bleibt man als Zuschauer gerne dran, nicht zuletzt, weil die Geschichte mit diversen gefälligen Exploitationzutaten wie nackte Haut, recht blutige Morde und makabre Nahaufnahmen (etwa einer schleimigen, verfaulenden Leiche) gewürzt ist.
Wie Mario Bavas im Jahr zuvor entstandener Reazione a catena (Im Blutrausch des Satans) nimmt auch Tower of Evil vieles von dem vorweg, was im populären Genre des Slasherfilms, welches nach Halloween (1978) und Friday the 13th (1980) erst so richtig zu voller Blüte reifte, zum Standard zählen wird. Ein begrenzter Schauplatz, ein irrer Killer, kreative und blutige Mordtableaus, weibliche Brüste, ein Final Girl, das es mit dem Scheusal aufnehmen muß... das alles wird hier schon recht ansprechend in Szene gesetzt. Selbst die in Filmen dieser Art fast schon allgemeingültige Regel "Sex bedeutet Tod" wird hier bereits etabliert (freche Ansagen wie "What's a girl to do when her husband's away? Masturbation is so boring!" erhöhen die Lebenserwartung der Frau, welche diesen Spruch losläßt, nicht unbedingt). Positiv hervorzuheben ist die Idee mit den phönizischen Artefakten respektive dem Altar zu Ehren des Fruchtbarkeitsgottes Baal, welche das unheimliche Flair, das Snape Island umgibt, noch ein wenig verstärkt. Auch in Punkto unheilschwangerer Atmosphäre kann Tower of Evil überzeugen; man spürt quasi das Verderben, das über die Besucher hereinbrechen wird, lange bevor es soweit ist. Die reichlich angestaubten Make-Up- und Gore-Effekte sind okay (ein Glück, daß Desmond Dickinsons Kamera nicht zu lange draufhält), und auch Kenneth V. Jones' Score ist recht ordentlich geraten.
Und ordentlich ist auch das passende Wort für den Film. Tower of Evil ist gute, kurzweilige Horrorkost mit so manchem denkwürdigen Moment. Schade ist nur, daß der Film ab etwa der Mitte die sichere und konventionellere Route wählt und viel zu früh zum Höhepunkt kommt. Das gelungene Finale entschädigt dann jedoch wieder für dieses Malheur sowie für den einen oder anderen Durchhänger.
PS: Egal, wie intensiv man sucht, aber man wird in Tower of Evil trotz der deutschen Titel Turm der lebenden Leichen bzw. Devil's Tower - Der Schreckensturm der Zombies keine lebenden Toten finden.