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Ein Boxer verkörpert einen Boxer, - so eine Idee kann eigentlich nur auf dem Mist von Uwe Boll gewachsen sein, der die meisten seiner bisherigen Ergüsse weniger als halbherzig umgesetzt hat. Auch diese Biografie über Max Schmeling ist nicht sonderlich ausgegoren, noch ansatzweise spannend ausgefallen, doch aufgrund der episodenhaften Abarbeitung diverser Stationen wird es zumindest nicht langweilig.

Der Einstieg erfolgt mit der Rahmenhandlung auf Kreta 1941: Schmeling (Henry Maske) wird bei einer Landung als Fallschirmjäger verletzt und erzählt kurz darauf einem britischen Gefangenen die Geschichte seiner Karriere, welche 1930 beim Fight gegen Sharkey startet, als Schmeling als bislang einziger Weltmeister eines Kampfes hervorgeht, weil der Gegner (wegen Tiefschlags) disqualifiziert wurde.

Es folgt die Beziehung zur Künstlerin Anny Ondra und ihre gemeinsame Flucht nach Pommern, der bekannteste Fight gegen Joe Louis und natürlich die Probleme mit den Nazis, einerseits als Vorzeigesportler gepuscht und andererseits mit Auflagen bedacht zu werden, sich von seiner Frau (tschechische Wurzeln) und seinem Manager (Jude) zu lösen.
Wobei sich Boll nie der Ambivalenz seiner Hauptfigur gegenüber den Nazis stellt, denn Schmeling war seinerzeit ein wenig naiv, was hier kaum durchschimmert.

Auf darstellerischer Ebene agiert der ehemalige Halbschwergewichtler Maske zwar nicht so hölzern wie erwartet, doch trotz gewisser Ähnlichkeit zu seinem Idol und einigen Parallelen in Sachen Körperhaltung, wirkt Maske phasenweise wie ein unbeholfener Fremdkörper, der noch nicht einmal synchronisiert wurde. Demgegenüber geben Heino Ferch als Trainer und Arved Birnbaum als Nazi-Scherge ganz andere Kaliber ab, während sich Boxsportfreunde über zahlreiche Gastauftritte freuen dürfen: An Bord sind Trainer-Legenden Manfred Wolke und Ulli Wegner, Hernandez als Rivale und späterer Freund Joe Louis, Arthur Abraham in der völlig unpassenden Rolle des letzten Gegners Richard Vogt (seine drei Worte werden sogar synchronisiert) und Enad Licina als Jack Sharkey.

Der Einsatz erfahrener Boxer wirkt sich auch auf die Choreographie aus, denn der überwiegende Teil der Kämpfe punktet mit körperlicher Prägnanz und glaubwürdigen Aktionen, auch wenn es nicht so derb zur Sache geht, wie vergleichsweise bei einigen Rocky-Filmen. Dabei ist der Einsatz der Handkamera nicht immer von Vorteil, da diese oftmals Unsicherheiten aufweist und phasenweise anstrengend zu verfolgen ist.
Positiv ist hingegen die Ausstattung mit vielen Oldtimern, entsprechenden Kostümen und alten Bauten, wobei die Einbindung von Archiv-Material in Schwarzweiß eher peinlich daherkommt. Positiv sei noch der sanfte und eingängige Score von Jessica Rooij hervorgehoben, der dem Treiben mehr Emotionalität verleit, als zu irgendeiner Zeit durch die Handlung erzeugt wird.

So arbeitet Boll Stationen ab, ohne dramaturgisch in die Tiefe zu gehen, überspringt mehrere Jahre, um nach dem Krieg die letzten Einsätze Schmelings vage abzuarbeiten, wobei das Make-up völlig versagt, denn Maske wirkt zwischen 1930 und 1948 kein Stück gealtert.
Gleiches gilt für den Sportkommentator am Ring, der es zwar schafft, die Intonation dieser Zeit adäquat zu Gehöhr zu bringen, doch auch dieser Typ bleibt über den kompletten Zeitraum gleich alt.

Für Boxfans bildet der Streifen quasi eine Pflichtverteidigung, dem man viele negative Aspekte verzeiht, auch wenn Henry Maske eine verpeilte Besetzung darstellt und er trotz weniger Dialogpassagen kaum überzeugen kann.
Die Inszenierung der Kämpfe geht hingegen in Ordnung und man erlangt durchaus einen Eindruck, wie Uwe Boll seine Laudatio auf einen der größten deutschen Boxer gemeint hat.
Nur in der Umsetzung hapert es wie so oft, - da dürften nur eingefleischte Sportfreunde und Trashfans so einigermaßen auf ihre Kosten kommen.
5,5 von 10

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