„Kung Fu Junior“ würde als Titel deutlich besser zu diesem Remake passen, nur lockt man damit wohl kaum Freunde des Originals von 1984 ins Kino.
Obgleich die Verjüngungskur bereits im Vorfeld deutlich wurde: Jaden Smith als gerade mal zwölfjähriger Schüler und Jackie Chan als eher jüngerer Hausmeister und Lehrer, - doch wer aufgrund dieser Besetzung (und diverser Trailer) eine feurig fröhliche Kampfsportparty erwartet, dürfte spätestens nach Hälfte der Laufzeit unter mangelnden Schauwerten und merkwürdiger Verteilung der Schwerpunkte zu leiden haben.
Das Grundgerüst der Story bleibt natürlich vage bestehen: Dre (Jaden Smith) zieht mit Mom von Detroit nach Peking, der Knabe baggert das falsche Mädel an und bekommt vom hiesigen Superkämpfer Chen gleich aufs Maul.
Als sich derartig unfaire Prügel zu wiederholen droht, greift Hausmeister Han (Jackie Chan) ins Geschehen ein und unterrichtet Dre für ein anstehendes Turnier…
Will Smith und Frau hatten als Produzenten augenscheinlich einen großen Einfluss auf die Präsenz ihres Sprösslings, denn anders lässt sich kaum erklären, warum der Junge ständig im Vordergrund herumfuchtelt, selbst wenn es sich um eine banale Tanzeinlage handelt.
Als Sympathieträger mit drolligen Eigenheiten wird die Figur des Dre zwar schnell etabliert, doch im Zusammenspiel mit den übrigen Protagonisten geht diese stark fokussierende Maßnahme größtenteils nach hinten los.
Viel zu selten geht das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler in die Tiefe, oftmals steif imitiert man phasenweise das Original, ohne ihm eigene Facetten oder gar latenten Charme zu verleihen.
Auch wenn zwischendurch immer mal ein wenig Situationskomik eingebaut wird, sind Trainingspassagen lange Zeit Mangelware, lediglich der eigentlich friedliche Ursprung des Kampfsports wird angemessen eingebettet.
Um Vergleiche mit dem Original kommt man ohnehin nicht herum und da ist es um zwei wesentliche Aspekte nicht gut bestellt.
Beinahe wie eine Lappalie wirken die Annäherungsversuche zur angepeilten Freundin Mei Ying, wobei sich immer mal wieder Längen einstellen und die moralische Reife beider Parteien angesichts des jungen Alters in einigen Situationen fragwürdig daherkommt.
Das Aufeinandertreffen zweier völlig unterschiedlicher Kulturen erinnert zwar in wenigen Momenten an „Karate Kid - Entscheidung in Okinawa“ und fördert niedliche Szenen zutage, aber jene Sequenzen nehmen schlichtweg zuviel Zeit in Anspruch.
Richtig misslungen ist demgegenüber die Integration der bösen Buben.
Ihr Anführer Chen verkommt zu einer Karikatur, während die übrigen Kämpfer des dubiosen Dojos eine gesichtslose Meute bilden, was auch für ihren Lehrer gilt, der im Vergleich zum damaligen Martin Kove null Charisma versprüht.
Zwei drei kurze Aufeinandertreffen beider Seiten, bis es beim finalen Turnier endlich zu einigen Fights kommt, doch auch bei diesen stellt sich allenfalls ein Mitfiebern auf Sparflamme ein, denn wenn Kids unter sechzehn derartige Tritte und Schläge beinahe mühelos wegstecken, driftet man schon ein wenig ins Lächerliche ab.
Dabei erscheint der exotische Schauplatz Pekings durchaus dekorativ.
Training in er verbotenen Stadt, eine Hatz durch kleine Gassen oder der Aufstieg zu einem malerisch gelegen Berg als Ort zum Meditieren, - das ist alles schick gefilmt und nett anzuschauen, wirkt zum Teil aber eher wie ein Werbefilm der Tourismusbranche, als dass die eigentliche Seele vom Kung Fu zum Tragen käme.
Zweifelsohne bieten einige Trainingsszenen Material für Nostalgiefreunde und bei einigen ist der ansonsten fahrige Score sogar stimmig, doch wie aus tausendmal Jacke an - und ausziehen eine Grundlage für einen zwölfjährigen Fighter geschaffen werden kann, bleibt dennoch fragwürdig.
Chan und Smith-Junior haben im Zusammenspiel durchaus ihre Momente, doch anstatt sich stärker auf jene zu konzentrieren, verliert sich die Erzählung in Banalitäten und arbeitet das Original in allen Eckpunkten ab ohne dabei mit originellen Einfällen aufzuwarten.
Am Ende bietet das Remake des Holländers Harald Zwart noch passable Unterhaltung mit kleinen humorvollen Einschüben, jedoch zu wenigen Fights und zu wenig Tiefgang.
Mit 140 Minuten viel zu lang geraten, kommen Fans des Originals nicht umhin, ein paar Mal zu gähnen…
4 von 10