Review

Das soll ein Remake von Karate Kid sein? Kein Daniel-San, kein Mr. Miyagi, kein Auftragen - Polieren, keine Kranich-Technik? Und tatsächlich erzählt die 2010er Version eine ganz neue Geschichte mit ganz neuen Charakteren, hätte also eigentlich The Next Karate Kid heißen müssen. Aber den gab's ja auch schon. Und da Remakes ja im Moment die Krone der Filmschöpfung zu sein scheinen (A-Team, Kampf der Titanen, Robin Hood, sämtliche Horror-Serien), hat man einfach den Original-Titel genommen. Man kann ja dem heutigen Publikum nicht zumuten, einen Film aus den 80ern anzuschauen, selbst wenn dieser immer noch zeitlos schön und spannend ist.Also nimmt man den z.Zt. respektabelsten Kampfkunstmeister Jackie Chan und stellt ihm den quirligen Will Smith-Sprößling Jaden an die Seite, verlegt den gesamten Plot nach China und ändert sonst wenig am Drehbuch - kann gar nicht schief gehen. Und in der Tat ist der Film mit ca. $ 350 Mio Einspiel der bislang erfolgreichste von Jackie Chan, wenn man den Quellen glauben darf.

Wohlgemerkt, der Film ist durchaus unterhaltsam. Jaden Smith mimt den mit einer völlig fremden Kultur überfordeten 12-jährigen sehr treffend, und sein verzweifeltes "Ich hasse es hier, ich will nach Hause!" kauft man ihm mitleidig voll ab. Er muss natürlich heftig einstecken gegen die chinesischen Kinder, die seit Jahren Kampfsport machen und auch noch durchweg einen Kopf größer sind. Da ist man dann doch froh, wenn endlich Jackie Chan eingreift, der etwas stoische Hausmeister mit dem Zauselschnurrbart.

Doch da fällt der Unterschied zum Original erstmals deutlich auf und erzeugt ein unwohles Gefühl denn - Jackie Chan ist viel jünger, größer und athletischer als Pat Morita es war, und - die Jungs sind alle so 12-13 anstatt 16-18 wie im Original. Was darin resultiert, dass im Prinzip in einem Hinterhof einfach ein großer Erwachsener 4 kleine Kinder verprügelt. Jedenfalls kommt es so rüber, auch wenn die Choreografie versucht, etwas harmlos und witzig zu wirken. Ganz anders wirkte da der kleine dicke Mr. Miyagi, wie er völlig unspektakulär die viel größeren Motorrad-Rowdys in die Flucht schlägt. Hinterlässt einen komischen Beigeschmack.

Nett die kleine Anspielung auf das Fliegenfangen mittles Essstäbchen, schön auch die Aufnahmen der Verbotenen Stadt oder die Trainingsstunden auf der Chinesischen Mauer. Die bösen Kids kommen auch schön fies rüber, dazu noch eine kleine Liebesromanze à la First Love First Kiss, alles sehr gefällig bis zum großen Showdown - dem Kampfsport-Turnier, bei dem die Widersacher endgültig aufeinander treffen. Hier hält sich das Drehbuch sehr genau ans Original mit Anfangsproblemen, fiesen Beinattacken im Halbfinale und der alles entscheidenden Supertechnik am Schluss.

Dennoch ein Film, der eigentlich unnötig ist, da das Original immer noch überzeugen kann und viel mehr Fokus auf die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Schüler und Lehrer legt, als auf spektakuläre Moves. Hier bietet das Remake natürlich deutlich mehr Action.

Trotzdem bekäme Karate Kid (2010) in der Schule gnadenlos ein ungenügend, denn der Regisseur hat schlichtweg das Thema verfehlt - in China lehrt man nämlich Kung Fu, nicht Karate. Völlig andere Kultur, völlig anderer Hintergrund, völlig andere Philosophie. Der Film hätte also Kung Fu Kid heißen müssen. Aber da man im Westen ja alles, was Schlitzaugen hat, in einen Topf wirft, haben die sich sicher gedacht, das merkt schon keiner.

Leider /seufz/

Details