Review

"Beste Kämpfe sind die, die man vermeidet."

Durch den berufsbedingten Umzug seiner alleinerziehenden Mutter Sherry (Taraji P. Henson) von Detroit nach Peking hat es der der zwölfjährige Dre Parker (Jaden Smith) zunächst recht schwer. Die neuen kulturellen Bedingungen und sprachbedingte Barrieren führen immer wieder zu Missverständnissen und er findet nur schwer den Bezug zu seinen Klassenkameraden in seiner neuen Schule. Angetan hat es ihm seine Klassenkameradin Mei Ying (Han Wenwen), mit der er sich verständigen kann. Der Klassenraudi Cheng (Wang Zhenwei) sieht dies jedoch garnicht gern. Mehrfach verprügelt er und einige seiner Freunde den aufgeweckten Dre, bis der Hausmeister Han (Jackie Chan) eingreift und die Halbstarken vertreibt. Der wortkarge Hausverwalter nimmt sich der Ausbildung des Jungen in Kung-Fu an, damit er sich in einem Turnier Cheng stellen kann.

1984 sorgte die Geschichte um einen unerfahrenen und undisziplinierten Jugendlichen, der sich durch die Philosophie des Kampfsportes zu einem aufgeklärten, vermeintlich selbstbewussten Heranwachsenden wandelt, zu einem Boom in Kampfsportvereinen. Diese Ansätze finden sich auch in "Karate Kid" des Jahres 2010 wieder. Allerdings mussten Details, wie die Loyalität, Ehre und Verantwortungsbewusstsein der Charaktere untereinander einem modernen Design weichen.

Bereits die Verlegung der Handlung von den USA nach China verändert eine grundlegende Situation: Der in der Adaption zu kindlich geratene Hauptcharakter muss sich zunächst den neuen Bedingungen anpassen. Und dies tut er auf seine Art. Mithilfe seiner im Westen erlernten Jugendsprache sucht er nach Anschluss. Diese Modernisierung zieht sich durch den gesamten Film und erweist sich als die sperrigste, denn die Folge sind ständige, äußerst schwache Dialoge.
Auch die Auswahl an Songs entspringt der modernen Popkultur und jongliert von Rap bis zu Dance von Lady Gaga. Sicherlich nützlich für den Massengeschmack, allerdings nicht hilfreich für den Film.

Gerade zu Beginn ist "Karate Kid" langwierig und nervig. Die erste halbe Stunde versucht sich an der Einführung der Figuren, kratzt aber zunächst nur an deren Oberfläche. So braucht der Film fast eine Stunde, um überhaupt einmal die Lehrer-Schüler-Beziehung zwischen Dre und Han aufzubauen und auch dann geht es eher schleppend voran, ohne dass man merkliche Veränderungen bei den Charakteren wahr nimmt. Bei einer Laufzeit von ca. 140 Minuten ist dies störender als die Vorhersehbarkeit der kommenden Ereignisse und die scheinbare Leichtigkeit der Problembewältigung.

"Karate Kid" funktioniert jedoch wo er funktionieren muss: Bei dem Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren und den hervorragenden Kampfchoreographien, obwohl hierbei Techniken des Kung-Fu und nicht des titelgebenden Karate angewendet werden. Überraschenderweise erinnern die Kampfszenen nicht an Kindersport, sondern vielmehr an brutale, aber unblutige, Kampfszenen diverser Martial-Arts Filme.
Ebenso wie im Originalfilm finden sich bei der Neuverfilmung banale Tätigkeiten zum Aufbau des Trainings wieder, die auch diesmal ihre Wirkung nicht verfehlen, allerdings ein wenig überstrapaziert werden. Das altbackene, gleichzeitig aber zeitlose, Handlungsgerüst um einen Außenseiter, der sich seine Beachtung erkämpfen muss, wird funktionell präsentiert, leider aber auch mit dem Kitsch einer klassischen Hollywood-Schnulze ausgebaut.

Einen Vorteil hat der Standortwechsel nach China: Die Möglichkeit fernöstliche Bilder im Hollywood-Format zu präsentieren. Tatsächlich hat das Kamerateam keine Mühe gescheut, um ein paar wundervolle Bilder von Chinas Natur und Architektur einzufangen.
Im Mittelpunkt des Films stehen aber die beiden Hauptdarsteller Jaden Smith ("Das Streben nach Glück") und Jackie Chan ("The Forbidden Kingdom"). Während Jaden Smith durch häufige Sprüche in die Fußstapfen seines Vaters Will Smith tritt, ist vor allem die selbstparodistische Slapstick-Kampfsportlegende Jackie Chan aufgrund der ungewohnt zurückhaltenden Darstellung bemerkenswert.

Der neue "Karate Kid" ist eine sinngetreue Kopie des Originals mit identischem dramaturgischen Pathos. Das Handlungsgerüst funktioniert und bietet ein paar neue Aspekte durch fernöstliche Bilder, die Kampfchoreographien sind ansprechend und das Zusammenspiel der Darsteller ist ordentlich. Eine Modernisierung wäre garnicht nötig gewesen, denn diese erweist sich durch nervige Jugendsprache und eine moderne Musikauswahl als strapazierend. Ebenso drücken die sich zunächst nur gemächlich entwickenden Figuren in der ersten Hälfte des Films aufs Gemüt. Knappe ...

7 / 10

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