Review


Von Beginn an weg es überraschend eilig habende Episode, in alter und synchron dazu erfrischender Form, die sich mit seinem Streben nach Landgewinn und der Aufteilung eines umkämpften Grundstücks tatsächlich wie ein Western alter Schule benimmt, und so anfänglich die Begebenheiten verschiedener Genres und das allseitige Gegenwärtige der Vergangenheit zur Affirmation in seine Geschichte pointiert. Der Auf(t)ritt hoch zu Ross, das Gewehr jederzeit griffbereit und das Gesetz in die eigenen Hände nehmend, so dass der Sheriff hier, Inspector Barnaby, nicht nur alle Hände voll, sondern es auch mit gleich mehreren streit- und schiesslustigen Parteien zu tun hat. Eine doppelte, trotz des vergleichsweise schnellen Tempos, der vielen Vorkommnisse, die sich erst häufen und spät entschlüsselt werden, dennoch eine eher vergnügliche Reise, die das Feierabendpublikum auf leicht skurrile Weise mehr entzückt als in irgendeiner Weise aufregt. Eine historische Kriminalgroteske, für die Gemütlichen, und entsprechend dessen gesittet und weise, aber niemals überkonstruiert:

Während der alljährlichen Ford Florey Fayre Wildwest Show von Jack Fincher [ David Rintoul ] wird die Mitangestellte und Affäre Faye Lennox [ Emma Cooke ] von einem Scharfschützen per Winchester '73 erschossen, was den zufällig anwesenden Inspector Barnaby und seinen Assistenten Sergeant Ben JOnes [ Jason Hughes ] auch während der eigentlichen Freizeit sofort in die Belange involviert. Zwar sind Jacks zweite Ehefrau Susan Fincher [ Caroline Langrishe ] und ihr Stiefsohn Leo [ Richard Harrington ] weder von der Liebschaft noch jetzt dem Mord mitten im Geschäft angetan, gilt das spezielle Interesse aber vielmehr dem dadurch weiter entbrannte Streit um ein im Grunde brachliegendes Marschland, dass sowohl die Finchers als auch Vater und Sohn Burbage [ Malcolm Storry, Daniel Ryan ] jeweils für sich beanspruchen, und der "Traveller" Dan Malko [ Justin Avoth ] gerne als Zigeuner-Familienlager kaufen würde. Während der seit Generationen ortsansässige Jude Langham [ Kenneth Cranham ] um die tatsächliche Herrschaftsurkunde weiss, soll es der schmierige Winkeladvokat Fergal Jenner [ Pip Torrens ] erst noch herausfinden.

Vor allem der Wechsel der Gezeiten und dazu auch der Perspektiven gibt der Erzählung ihre rasche Geschwindigkeit und die konkrete Form eines brauchbaren Milieus bei, dass schon vor und dann für die Aufklärung des ersten Mordfalles sowohl wichtige als auch abseits dessen interessante Gedanken zu bilden vermag. Ein Spiel mit Sein und Schein, mit den Ingredienzien und Adjuvantien einer Show gestaltet sich dabei als erst hervorstechendes Merkmal, wird nicht nur ein scheinbarer Selbstjustizakt als pre-title erst Minuten später in die Wahrheit abgeschwächt als sich auch ein vermutlich tödlich ausgegangenes Duell doch nur mit Theaterblut und Platzpatronen inszeniert herausstellt. Es ist nicht alles so, wie es den Augenschein hat, wird mit Klischees und alten, aus Filmen und der Kindheit bezogenen Vorstellungen und nicht bloß Cowboy [ohne Indianer], sondern auch mit dem Krimi selber gespielt.

Das ist mit hinlänglichem Vorrat von Ereignissen und Gedanken gespickt, die erst Angriff und Verteidigung und danach ihre Sortierung in den Wahrheitsgehalt und die Kraft der Vorstellung und der Konkretisierung erfordern. Reich an Kleinigkeiten, die angenehm zu verfolgen und wichtig für die Auflösung sind, ist die Handlung mehr als nur lebloses Instrument, wobei der Figurenhickhack im Vergleich zum sonst auffallenden Sumpf durchaus überschaubar, da fein säuberlich arrangiert und nicht noch zusätzlich mit Intrige und Liebe überdramatisiert ist. Die Geschehnisse bis zum Abspann mehr als bloß der sonst gemütliche Zeitvertreiber, wird mit Selbstjustiz gestartet und im schnellen Zusatz eine Verfolgungsjagd mit weiterem Schusswechsel sowie dann noch falscher und echter Mord, Handgreiflichkeiten, Vandalismus, körperliche Übergriffe usw. justiert. Doch nur ein Ziel ist entscheidend, wird nicht mit Verwirr- und Geheimnissen, sondern mit der Suche nach der Aufdeckung des detektivischen Rätsels selber und der amüsanten Performance von steifen Engländern in der gewollten, aber nicht gekonnten Raubeinigkeit des Early American History abgelenkt. Der Provinzbrite auf seiner Insel als steriles Begehre, als untaugliches Objekt; so gestaltet sich schon die Wild West Show bloß als ein steifer Rummel mit schlecht kostümierten Gauchos, wie die Karl May Festspiele auf einer bieder-grünen Wiese, irgendwo zwischen William Bonney a.k.a. Billy the Kid und Unsere Kleine Farm, findet die obligate Saloonschlägerei in einem offenen Festzelt und später einem Pub und eben nicht dem edelhölzernen Blockhaus statt. Auch folgend bis zum westerntypischen Showdown im Fantasyland wird ausschließlich mit der verhüllten Kunst und dem Nichts des frommen Wunsches nach Männlichkeit dahinter und so den großspurischen Gesten eines vollständig genormten Durchschnitts geblendet.

Entsprechend dessen spielen die Frauen hier eine zwar vorhandene, aber sichtlich untergeordnete und damit einhergehend auch der geistige statt dem ästhetischen Genuss die wichtigere Rolle, wird sich weltmännisch in die schmale Brust und die Schlammschlacht um ein verschollenes Papier und ein Stück wertloses Land geworfen, und ist hier gar nicht so sehr am Dialog und anderen selbstverliebten Ritualen gelegen.

Details
Ähnliche Filme