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Der Traum von Frieden zwischen Rot und Weiß rückt in weite Ferne, als der habgierige Rollins (Rik Battaglia) die Jicarillo-Indianer um ihr Land betrügen will. Vor ihrem Häuptling Weißer Büffel zeigt er sich als Freund, in Wahrheit aber schmiedet er einen fiesen Plan, der auch Apachenhäuptling Winnetou (Pierre Brice) in Lebensgefahr bringt.

Nach Winnetou III sollte Schluss sein mit Karl-May-Verfilmungen, mit dem Tod des großen Häuptlings war ein trauriger Abschluss gefunden. Damit wollten sich die Fans aber nicht zufrieden geben, bombardierten Regisseur Harald Reindl mit Beschwerdebriefen, was weitere Winnetou-Filme nach sich zog, die zeitlich vor dem dritten Teil spielten. Die meisten davon sind missraten, doch das war abzusehen. Denn schon der letzte Teil der Winnetou-Reihe fällt qualitativ deutlich von den Vorgängern ab.

Die Story zentralisiert sich hier absolut auf Winnetou und Old Shatterhand. Für Nebenfiguren ist so gut wie gar kein Platz mehr, bloß Ralf Wolter als Sam Hawkins darf sich ein bisschen entfalten. Ansonsten bekommt man über 90 Minuten das gleiche Spiel zu sehen: Winnetou werden immer wieder Fallen gestellt, die er entweder alleine oder mit Hilfe seines Blutsbruders meistert. Wie die Geschichte endet ist Filmgeschichte: Winnetou wird von einer Kugel tödlich verwundet, als er versucht, Old Shatterhand zu schützen. In dieser Schlussviertelstunde werden alle Register des Kitsches gezogen: Der große Häuptling opfert sich selbstlos für seinen Blutsbruder, sein Stamm ist gerettet und in den Armen von Old Shatterhand stirbt er, nachdem noch einmal die schönsten Bilder der Winnetou-Filme eingespielt werden, natürlich unterlegt vom legendären Böttcher-Titelstück. Die angerückte Kavallerie bläst eine Trauerfanfare, abschließend wird der tote Winnetou auf einer Trage gen Sonnenuntergang transportiert.

Soviel Kitsch auf einmal hat in den 60ern für Tränen gesorgt, ist heute aber kaum mehr auszuhalten, selbst für Fans der ersten beiden Teile dürften das kaum auszuhalten sein. Dennoch kann ich diesem Film nicht böse sein, dafür haben mich die Vorgänger viel zu sehr geprägt. Und das meiste wurde ja auch übernommen, von den Hauptfiguren bis hin zur unverkennbaren Titelmelodie, die wieder für die passende Atmosphäre sorgt. Harald Reindl hat das alles sauber inszeniert, trotzdem bleiben die Schwächen unübersehbar. Man hätte sich mit diesem Abschluss zufrieden geben sollen, anstatt mit den folgenden Prequels und vor allem mit dem furchtbar schlechten ZDF-Zweiteiler "Winnetous Rückkehr" von 1998 ein Stück Legende zu zerstören.

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