Review

Regisseur Kirk Wong (Hard to Die, The Big Hit) feiert mit dem unterirdischen "Taking Manhattan" eine kleine Premiere, denn er drehte das erste Mal komplett in den Staaten. Doch dies ist auch schon so gut wie alles, was man an diesem Machwerk gutheißen kann. Also kein Wunder, dass "Taking Manhattan" in den Videotheken eine Staubschicht ansetzte.

Der Hongkonger Undercover Cop Chung (Billy Chang) wurde nach Manhattan versetzt, mit seiner Frau Carrie (Carrie Ng) und seinem kleinen Sohn lebt er in einem heruntergekommenen Apartment. Doch als sein Sohn zusammen mit der Tochter des Gangsters Kwan (Philip Tan) entführt wird, verbünden sich die Beiden, um ihre Kinder zurückzuholen. Dies gelingt auch und Chung steigt in Kwans Organisation ein. Der will alle anderen Partien ausschalten, um Manhattan ganz für sich allein zu haben. Auch Lt. Helen Taylor (Alana Jerins) hat Interesse an Kwan, zusammen mit Chung will sie den Gangster hochgehen lassen. Doch dabei entfernt sich Chung immer mehr von Carrie, die schließlich sogar beginnt für Kwan zu arbeiten.

Irgendwie ergibt das Ganze nur wenig Sinn, denn es stellt sich die Frage warum Chung überhaupt nach Manhattan versetzt wurde und vor allem warum seine Familie dabei sein muss. Ohne jegliche Instruktionen muss er in dieser miesen Wohnung warten, bis jemand mit ihm Kontakt aufnimmt und ihm seinen Undercover Einsatz mitteilt. Da man sich ständig auf der Pelle hockt, streitet sich Chung andauernd mit Carrie, mit Schimpfworten wird dabei nicht gegeizt, obwohl der kleine Sohn alles mithört. Dann lernt Chung noch einen blinden Radiomoderator kennen, der in der Wohnung unter ihm wohnt, ein völlig überflüssiges Handlungselement und warum zum Teufel verkauft der Gute plötzlich Hot Dogs ? Ich will das Ganze gar nicht hinterfragen, Antworten liefert uns Wong sowieso nicht, leider dauert es satte zwanzig Minuten bevor wir in den Genuss der ersten Actionszene kommen. Chungs Sohn ist nämlich mit Kwans Tochter befreundet und die Beiden werden entführt, so eilen die beiden Väter zu Hilfe und hauen ihre Kinder raus. Schließlich taucht noch Helen Taylor auf, die sich als Chungs Chefin aufspielt und von nun an seine Kontaktperson ist. Ansonsten scheint es niemand zu geben, der an dem Auftrag interessiert ist, denn Taylor hat keinem Rechenschaft abzulegen und donnert sich gerne mal wie eine SM-Tante auf.

Chung ist plötzlich Kwans rechte Hand, denn der plant die ganze Konkurrenz zu eliminieren, leider fühlt sich auch Carrie zu ihm hingezogen. Zwischen den Actionszenen herrscht totale Ebbe, die ganze Beziehungskiste nervt unheimlich, das eigentliche Geschehen lässt Wong oft ausser Acht. Immerhin können sich die wenigen Actionszenen größtenteils sehen lassen. Waffen kommen hier weniger zum Einsatz, hier wird noch mit den Fäusten ausgeteilt. Leider sind die harten Keilereien recht schnell geschnitten und obendrein einige Locations schlecht ausgeleuchtet, so kann man der Sache nicht immer folgen. Geballert darf auch ein wenig werden, wobei die rauhen Brutalitäten das Ganze auch nicht besser machen. Das Finale stellt dabei immerhin den Höhepunkt da, hier setzt es ordentlich Dresche, natürlich gerät auch Carrie noch in die Schussbahn. Auch den sehr schmuddeligen Look darf man "Taking Manhattan" positiv zuschreiben, was man von den Darstellern allerdings nicht behaupten kann. Ganz besonders von Philip Tan (Lethal Weapon 4, Martial Law) war wesentlich mehr zu erwarten, als solch ein mieses Kasperletheater. Viel schlimmer noch die Dialoge, welche man den Figuren in den Mund legt, wirklich unter aller Sau.

Eher ein Trauerspiel als gelungener Actionfilm, denn der Plot hat höchstens Alibifunktion, die Darsteller sind mies und der Actionanteil ist viel zu gering. Auch wirft "Taking Manhattan" enorm viele Fragen auf, die Wong in keinster Weise beantwortet. Zurück bleibt der ahnungslose und gelangweilte Zuschauer, der sich höchstens an ein paar Keilereien ergötzen kann.

Details
Ähnliche Filme