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Undercover – Cop Joe Wong [ Daniel Wu ] ist seit zwei Jahren beim Triadenoberhaupt Lo Hung [ Blacky Ko ] eingeschleust und hat sich zur rechten Hand emporgearbeitet. Doch nach einem geplanten Drogendeal in Malaysia fehlt von ihm die Rückmeldung. Sein Ausbilder und väterlicher Freund Frank Chan [ Ray Lui ] stellt ein Team aus Fred [ Simon Loui ], Charles [ Wong Hei ] und Simon [ Mark Cheng ] zusammen und macht sich auf seine Spur nach Kuala Lumpur auf, um mit Hilfe des einheimischen Führers Malay Jack [ Chapman To ] dem Verbleib nachzuforschen...

Regisseur Billy Chung hat sich über die Jahre als recht verlässlich erwiesen; seine Filme sind zumeist sichere Bänke, die aber nicht wirklich Aufsehen erregen oder weit nach oben hin ausbrechen. Zumindest das Erstere gelang ihm nur mit den beiden frühen CAT 3 Werken Love to Kill und The Assassin [ beide 1993 ]; vermehrt in den Blick der Öffentlichkeit ist er dann erst wieder geraten, als er sich ab 2001 bei Wong Jing als Co – Director verdingte [ My Schoolmate the Barbarian, Colour of the Loyalty, Kung Fu Mahjong ] und so notgedrungen zur Ehre von aufsehenerregender Besetzung und weiterer Verbreitung kam.

Dazwischen liegen eine Handvoll B – Filme, die für den Vielseher durchaus erquicklich und immer noch etwas relativ Besonderes sind, aber für die meisten zu belanglos, zu durchschnittlich sein dürften. Sie stechen auch durch nichts grossartig heraus: Die Besetzung vollzieht sich zumeist über einen ehemaligen Star oder einen, der es nie wirklich geschafft hat und wird ergänzt mit einem halben Dutzend bekannterer Nebendarsteller. Deren Gesichter man kennt und die auch durchaus fähig sind, aus der zweiten Reihe mal Akzente zu setzen, wenns nötig ist; hier aber auch aus der ersten auftrumpfen sollen und da irgendwie nicht so richtig, aber immer noch überzeugend genug wirken.
Die Genres sind entweder Horror [ Possessed, Trust me U Die, Last Ghost Standing ] oder testosterongeschwängerter Crime [ Killer, Cheaters, Paramount Motel ]; für die Produktion firmiert oftmals Buddy Film Creative Workshop Ltd, das Synonym für bessere Mittelmässigkeit.

Undercover Blues passt dann auch pefekt in dieses Schema rein, weist aber hierbei das erste Mal die Anstrengung auf, zumindest über die visuelle Schiene etwas mehr zu klotzen. Chungs Solowerke davor und danach sind auch optisch nicht unattraktiv, aber trotzdem nicht sonderlich auffällig; in diesem Fall wird das knappe Skript [ 75min Laufzeit ] die meisten Zeit mit einem Grünfilter überzogen, der den Bildern einen nicht unpassenden chlorigen Eindruck verleiht; auch wenn das Konzept dahinter offen ist. Ergänzt und ausgetauscht wird dies zu einigen speziellen Momenten mit Blaustich, dazu gibts schwarz/weisse Rückblenden.
Auch die Inszenierung der Szenen abgesehen von der – durch die Addierung etwas hyperbolischen - Farbnuancierung ist jedesmal mit Blick auf Betonung. Es passiert halt nicht nur irgendetwas so, sondern wird die meiste Zeit ins rechte Bild gerückt, um ihm passenden Moment verstärkt darauf zurückzukommen. Man kümmert sich um die Umsetzung der Szenen, statt diese nur so ablaufen zu lassen; ohne aber zuviel Wert daraufzulegen und damit anstrengend zu wirken. Akzentuiert, aber nicht überinszeniert. Die Spannungsdynamik vollzieht sich oft über die Mimik und Gestik der Darsteller, deren Gesicht dann in entsprechender Frontaufnahme den Bildkader ausfüllen. Geredet wird kaum, die Konversation erfolgt zumeist über Blickkontakt.

Dafür sind dann auch die richtigen Akteure an Bord: Der 80er Jahre Star Ray Lui, der zwar noch bis 1995 den einen oder anderen populären Film aufweisen konnte [ Hunting List, Train Robbers ], aber da schon nicht mehr die wirklich grosse Nummer war, führt die durchweg gute Besetzung an und liefert für die innehabende Ägide auch die dementsprechende Leistung ab. Auch früher ein durchaus dominanter Schauspieler wirkt er hier auch durch die bessere körperliche Verfassung als üblich – er hat sichtlich abgenommen – als markanter, aber nicht alles auf sich beziehender Fixpunkt des Geschehens.
Auch die Zentralperspektive liegt bei ihm; über ihn wird auf spätere Ereignisse ebenso zurückgegriffen wie auf vorher liegende.
An seiner Seite befinden sich mit Cheng, Wong und Loui durchweg prägnante Leute, die kaum Hauptrollen innehatten - und wenn dann auch nur in entsprechenden Filmen -, aber als profilierte Nebendarsteller gelten und das auch zur Genüge in Beweis stellen mussten; besonders Cheng und Loui waren zu dem Zeitpunkt vielstbeschäftigt.
Auch Blacky Ko und Karel Wong auf der Antagonistenseite gehören dazu; der Clou ist aber natürlich die Besetzung mit Daniel Wu in der Rolle des Verschwundenen.

Wu kam erst zwei Jahre zuvor zum Film und war trotz einiger Auftritte in grösseren Produktionen noch ein relativ unbeschriebenes Blatt; ein neues Gesicht eben. Nicht nur, dass sich Undercover Blues in seiner folgenden Biographie recht winzig im Vergleich zu anderen Produktionen verhält, auch sein Auftritt selber ist nur ein Gimmick. Zu dem Zeitpunkt ein besserer Statist – die Rolle wird nahezu nur in Rückblenden gezeigt und bräuchte man nicht wirklich für das Geschehen; hat deswegen auch kaum Interaktion – ist der Part mittlerweile wirklich ein besonderer Blickfang. Ausserdem ergibt sich eine galante Verbindung zu einem seiner nächsten Arbeiten: In Marco Maks Cop on a Mission nur 1 Jahr später spielt er nämlich wieder einen Undercover, der sich an einen Triadenführer hängt; diesmal als korrespondierendes Verhältnis direkt im Fokus.

Dieser filmographische Kreuzungspunkt aus unterschiedlichen Perspektiven wird auch im Film eigenständig selber durchgezogen, vor allem bei den verschiedenen Pattsituationen:
- Ein Waffendeal inmitten der Menschenmenge von Kuala Lumpur droht sich zu einer Massenschiesserei auszuweiten [ „I come here to buy guns from you, it doesn‘t mean that I have got none“ ].
- Die Truppe macht sich einzeln zur Hotelanlage als letzten bekannten Ort von Joe auf und sieht sich plötzlich einer wartenden Gang gegenüber, die versteckt auf den geeigneten Augenblick zum Losfeuern ausharren.
- Der Marsch der Vier in den Nachtclub eines befreundeten Triaden, der bereits von anderen in die Mangel genommen wird.
Die Sequenzen sind allesamt stilsicher auf den Punkt gebracht und heizen auf abwechselnde Art die folgende Konfrontation an; effektvoll genug bereits im Aufbau, so dass der durchs Budget fehlende Grosseinsatz von Action nicht mehr so sehr auffällt.
Abzugspunkte gibts bei einigen schlampigen frame-cuts, die die Energie herausnehmen sowie einer horrend unübersichtlichen Verfolgung, die sich dann auch noch plötzlich auflöst und ohne einen erklärenden voice over nicht zu identifizieren wär.
Und bei der Ruhepause vorm letzten Gefecht, wo alles für einen Moment abrupt zum Stehen und dort auch noch der unnötige Part einer Frau als Lückenfüller hinzu kommt.

Spätestens da entpuppt sich auch das Skript als mehr Schein als Sein; dealt zwar teilweise auch mit diesen Themen, aber sagt auch mit einigen bemühten Versuchen nicht wirklich viel aus. Der mit Nachdruck eingebrachte Leitspruch „Nicht die Person selber verändert sich, sondern die Welt um ihn herum“ wird zwar an einigen Beispielen anzubringen versucht, aber verzieht trotzdem die Beweisführung. Da helfen auch die The Mission – like vollzogenen Shootouts in statischer Choreographie nicht ganz, um diese inhaltliche Schwäche auszubügeln; letztlich bleibt es doch wieder nur bei einem durchwachsenen Endergebnis. Das zwar sehr wohl auf seine Art und Weise erquicklich sein kann, aber doch vom Sprung in die Oberklasse noch ein ganzes Stück entfernt ist.

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