Eine recht eigenwillige Mischung präsentiert uns der Brite Colm McCarthy mit seinem düsteren Sozialdrama und den übersinnlichen Einschüben, die von Monster-Horror bis zu obskuren, heidnischen Hexenritualen reichen.
Das ist kreativ, eigenständig und phasenweise recht markant in Szene gesetzt, doch packend gestaltet sich der Ablauf leider eher selten.
Das mag auch an der Tristesse der Kulissen in Form des Arbeiterviertels von Edinburgh und der Distanz zu den durchweg kühlen Figuren liegen. Frisch umgezogen fristen Mary und ihr Sohn Fergal ein eher trostloses Dasein; während Mary merkwürdigen Ritualen nachgeht, versucht sie die aufkeimende Beziehung zu Petronella zu verhindern, bei der Fergal so langsam seine sexuellen Triebe entdeckt. Derweil gehen die Magier Liam und Cathal (James Nesbitt) Spuren eines Monsters nach, doch dieses hat bereits in der Nacht tödlich zugeschlagen…
Der Vorlauf benötigt eine ganze Weile, um seine Figuren zu etablieren und den grauen Schauplatz des Ghettos adäquat ins Geschehen einzuführen.
Die Mutter/Sohn - Beziehung mutet von vornherein völlig crazy an. Das schwankt zwischen inzestuös, launisch und überbehütend, so dass man nach einer gewissen Zeit das Bild einer komplett durchgeknallten Frau erhält, deren Sohn aus verständlichen Gründen reichlich eingeschüchtert umher streunt und kaum ein Wort herausbringt.
Petronella vermittelt das komplette Gegenteil: Hübsch, aufgeschlossen, manchmal ein bisschen frech und ungehobelt (vor allem gegenüber der Sozialarbeiterin) genießt sie die süßen Stunden und versucht ihrem grauen Alltag durch Lust und der Sehnsucht nach Freiheit zu entfliehen. Die beiden finden sich, doch scheinbar gibt es für Mary, als auch für die Magier Gründe, diese Beziehung zu beenden.
Handwerklich fällt vor allem das gelungene Spiel mit Licht und Schatten auf. Nicht selten erscheinen Gesichter mindestens zur Hälfte in Dunkelheit getaucht und auch ein wesentlicher Dialog beruht auf einer Art Schattenspiel, das in seiner Symbolhaftigkeit recht aussagekräftig anmutet. Schnitt und Score unterstreichen diese zurückhaltende Form der Inszenierung, die jedoch sehr gut zum Grundton der Geschichte passt.
Hinzu gesellen sich hervorragende Mimen, die sehr authentisch agieren und dem Treiben phasenweise einen fast dokumentarischen Stil verleihen.
Glücklicherweise kommt nach Hälfte der Laufzeit ein wenig Tempo auf und die Züge des reinen Dramas weichen ein wenig denen des Mystik - und Monsterhorrors.
Zunächst sieht man von der Bestie nicht allzu viel und auch die Opfer werden lediglich aus dem Bild gezerrt. Erst zum Finale zeigt sich die Kreatur, auch während der Metamorphose und als fertiges Ungetüm wirkt es wie eine Melange aus Werwolf und glitschigem Hulk.
Für das geringe Budget sehen die Effekte sehr solide aus.
Vom Gefühl her erinnert die Stimmung ein wenig an „Wolfen“: Eine graue, oft kühl wirkende Umgebung, eine einsame, aber dennoch tödlich agierende Kreatur, abseits gibt es einen sexuellen Kontext und drumherum haben Magier ihre teilweise eher undurchsichtigen Finger im Spiel, spätestens als Krähen als Wegweiser aufgeschlitzt werden und per Fernduell und mit nacktem Körper etwas heraufbeschworen wird.
Storytechnisch kann hingegen nicht kaschiert werden, wie vorhersehbar der Ablauf ausfallen dürfte, - da bleiben Überraschungen oder gar Wendungen gänzlich aus und selbst die letzten fünf Minuten hat man sich in ähnlicher Form bereits ausmalen können.
Statt des etwas zu ausgiebigen Vorlaufs wären ein paar Einsätze des Monsters wünschenswert gewesen, denn an Härte mangelt es der Inszenierung nicht, wenn man beim Abtrennen eines Hautlappens vom Hals schon fast ohne Pause draufhält.
So entstehen letztlich doch einige Längen und besonders im ersten Drittel ist es zeitweise etwas anstrengend, den irischen Akzenten zu folgen.
Im Gesamtbild überwiegt jedoch die positive Wirkung der Atmosphäre und der Eindruck, eine frische Melange serviert zu bekommen, die mit regietechnisch sicherer Hand und wenig Budget solide umgesetzt wurde.
Für reine Monsterfans dürfte die Chose ein wenig dröge und ereignisarm daherkommen, doch wer mit merkwürdigen Riten, einer Sammlung von gescheiterten Existenzen und ein wenig der zeitgenössischen Coming-of-Age Thematik anzufangen weiß, sollte einen Blick wagen.
6 von 10