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Ein Schriftsteller erinnert sich an / verarbeitet seine Kindheit im belgischen Prollo-Penner-Milieu. Er wuchs bei seinem verwahrlosten Vater und drei ebenso verwahrlosten Onkeln auf, die allesamt ihr Leben wegwerfen, aber Spaß dabei zu haben scheinen. "De helaasheid der dingen" ist eine Tragik-Komödie, die komische Situationen immer wieder geschickt ins Tragische kippt, was dem Betrachter das Lachen im Halse stecken lässt und zum Nachdenken über soziale und gesellschaftspolitische bringt, was den Film durchaus subversiv macht.. Ständig pendelt das Leinwandgeschehen zwischen totaler Bizarrheit und Sozialrealismus hin und her.


Es ist auch ein Film der Gegensätze, der offenbar keinen Widerspruch zwischen menschlicher Verwahrlosung und Lebenslust sowie Freiheitsgefühl sieht: Man möchte die heruntergekommenen, perspektivlosen Figuren ja schon fast beneiden, wie sie sich den Exzessen ergeben und einen Drauf machen, obwohl ihre Situation eigentlich eine höchst beschissene ist.  Im nächsten Moment möchte man sie nicht mehr beneiden, weil ein Höchstmaß menschlicher Tragik ausgebreitet wird.


Bemerkenswert ist vor allem der Umgang mit den "Assi"-Figuren. Trotz allen Humors und trotz aller bizarr überdrehten Szenen lassen die Filmemacher ihre Prollo-Figuren nie zu Witzfiguren oder Milieu-Karikaturen werden. Macht lacht mit ihnen, nicht so sehr über sie. Auch werden den primitiven Männern immer wieder nicht unkomplexe menschliche Wesenszüge entlockt.


Auch ist diese Coming Of Age Geschichte filmisch gut umgesetzt. Gut strukturiert, dynamisch inszeniert und in blassen, dreckigen Handkamera-Bildern photographiert, die einen passenden Rahmen für den tragisch-komischen Umtrieb bilden. Empfehlenswert.

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