Seit geraumer Zeit lacht mich immer wieder das Cover in der Videothek an, die Lackfrau darauf ist definitiv ein Eye-Candy, doch deutsche Filme, zudem B-Movies, stellt man erstmal eine Zeit lang hinten an.
Die kleine Berliner Produktionsfirma Magiclandpictures lieferte zuletzt den durchaus interessanten „Broadcast Killer“ ab, da sollte ihr Debüt doch ebenfalls einigermaßen unterhaltsam sein.
Ist er auch, obgleich eher durch unfreiwillige Komik, denn durch gezielt gesetzte Spannungsmomente.
Die Grundidee ist schon mal recht sympathisch und könnte sich stellvertretend irgendwo in einem Provinznest in Deutschland abspielen. Hier entschied man sich dafür, die Geschichte im Berliner Bezirk Neukölln spielen zu lassen, ganz im Osten West-Berlins, in Rudow.
Studentenpaar Cora und Torsten genießen den Sommer, bis sie in der Nachbarschaft einen ominösen Mann beobachten, der jede Menge Burger in einen dschungelähnlichen, von Zäunen umgebenen Garten wirft.
Sie beobachten das Gelände und vermuten, dass der Fremde jemanden gefangen hält und ihn misshandelt. Kurz darauf beschließen sie sich zu einer gefährlichen Befreiungsaktion, bei der auch noch eine fremde Agentin mitmischt.
Sind wir doch mal ehrlich, der Kern der Geschichte ist uns während unserer Kindheit sicherlich auch schon mal durch den Kopf gegangen. Wer etwas ländlicher wohnt, hat irgendwie immer einen mysteriösen Nachbarn und zu dem fallen einem auch grundsätzlich die abgedrehtesten Fantasien ein.
Hier scheint es sich um ein Entführungsopfer zu handeln, womöglich muss die Person vor sich selbst geschützt werden oder wer ist nun der Teufel von Rudow?
Die Geschichte ist leicht durchschaubar und bietet selten Anlass zum richtigen Mitfiebern, doch streckenweise ist die Inszenierung herrlich naiv und einige Dialoge richtig unbeholfen niedlich.
Zudem scheinen sich die Produzenten für eine gewisse Nonude-Erotk einzusetzen, was sich durch spezielle Kameraführung und körperbetonter Bekleidung der Darstellerinnen bemerkbar macht. Allein Cora wechselt in jeder zweiten Szene ihr Oberteil, die Agentin trägt durchweg Lack und wird in einer (für die Handlung vollkommen unsinnigen Sequenz) mit Waffe in der Hand von oben und unten, vorne und hinten verfolgt, wie sie Lara-Croft-ähnliche Moves auf einem Abenteuerspielplatz veranstaltet. Sieht aber lecker aus.
Die Story an sich birgt hingegen recht wenig, das Potential wird nicht ordentlich herausgespielt und viele Längen, vor allem im Mittelteil, behindern den durchgängigen Erzählfluss.
Spannend ist das schon, wenn die beiden, leicht naiven Studenten in den fremden Garten eindringen, des nachts ihre Infrarot-Kamera eingeschaltet haben und alsbald der Fremde auftaucht. Oder wenn einer ständig Sachen am Tatort verliert und diese wiederbeschaffen muss, bevor der Fremde sie ertappt.
Wesentlich langweiliger sind demgegenüber Passagen, bei denen im Hintergrund ein kompletter Song abläuft, während inhaltlich nur Leere präsentiert wird, wie Autofahren oder nach geeignetem Essen in einer Wohnung zu suchen.
Überhaupt ist die musikalische Untermalung insgesamt sehr vordergründig, viel zu rhythmisch betont und nicht sonderlich treffend auf den Inhalt abgestimmt.
Mehr Spaß bringen die Darsteller. Nicht weil sie so gut sind, sondern weil einige Aktionen mindestens ein Schmunzeln hervorrufen. Die Stimmchen sind übermäßig deutlich in der Aussprache, aber häufig an der Realität vorbei betont. Dazu kommen ein paar denkwürdige Körperhaltungen und Gesichtsausdrücke, die eher in ein Shakespeare Drama passen würden. Dennoch sind die Mimen tauglich und Michael Tietz ist als Fremder und Burger-Werfer gar ein ernstzunehmender Darsteller, wie sich gegen Ende herausstellt.
Hier kommen sogar noch einige Effekte für die Splatterfraktion zum Einsatz, mit Hautstücke heraus beißen, Loch in der Hand und gespaltenem Schädel, was insgesamt okay gestaltet wurde. Zudem kommt im Finale etwas mehr Tempo auf, Schnitt und Schauplatzwechsel sind ordentlich editiert und auch wenn das Ende ein wenig abrupt daherkommt, ist hier noch einmal eine Steigerung der Inszenierung auszumachen.
Schade, dass im Verlauf viele unnötige Längen entstehen und die Story nicht von Beginn an etwas stringenter auf den Punkt kommt.
Was bleibt, ist ein niedlicher kleiner Film, mit dem man zumindest im Freundeskreis seinen Spaß haben kann und der im Großen und Ganzen recht gute Laune verbreitet.
6 von 10