Review

Aufmerksam geworden bin ich auf das Teil in einer Moviestar. In einer Gory News wurde der Film ebenfalls bereits besprochen, doch die haben die Handlung stellenweise falsch verstanden und ihn meiner Meinung nach nicht positiv genug bewertet.

Der Film spielt in Rudow, einem Vorort von Berlin, wo lauter Familien in scheinbar gemütlichen Häusern mit großen, spießigen Schrebergärten leben. Dort wird eines Nachts eine junge Frau nach einem Discobesuch von einem unbekannten Angreifer blutig gekillt. Diese Szene ist ein schwacher Auftakt für einen starken Film und hat mit dem Rest der Story nur relativ wenig zu tun, denn es handelt sich nicht um einen Slasherfilm. Jedenfalls sind in der Gegend angeblich bereits mehrere Frauen verschwunden.

Ein junges Studentenpaar will in Rudow ein paar ruhige Tage zum Lernen verbringen, doch sie werden Zeuge, wie ein grimmiger Mann in der Nachbarschaft haufenweise Hamburger auf ein verwahrlostes Grundstück wirft. Die Neugier der beiden wird immer größer und sie beginnen nachzuforschen, was sich hinter dem Zaun verbirgt, denn irgendetwas oder –jemand wird dort von dem grimmigen Kerl auch regelmäßig mit einem Stock verprügelt. Mit einer Nachtvisionskamera schleichen sie sich einmal rüber und beginnen zu filmen (das erinnert stark an BLAIR WITCH PROJECT, ist aber tadellos gefilmt). Sie stellen fest, dass dort in einer Baracke ein Mensch gefangen gehalten wird. Gleichzeitig taucht eine geheimnisvolle (und absolut atemberaubende) Agentin auf, die offenbar die gefangene Person befreien soll, doch der fiese Grundstücksbesitzer, übrigens ein Polizist, schafft es immer wieder, dies zu verhindern und jagt die Agentin sogar mit einer Knarre quer über einen Abenteuerspielplatz (ebenfalls hervorragend gefilmt). Schließlich schafft es das Studentenpärchen doch noch, die mit Drogen betäubte Person vom Grundstück zu befreien, aber die Story nimmt hier eine unerwartete Wende…

Viel mehr will ich nicht verraten, weil die einfache Handlung sich so geschickt langsam steigert bis zum packenden Höhepunkt. Man merkt diesem Film sofort an, dass er mit viel Liebe und Freude aller Beteiligten entstanden ist, denn Regie, Kamera und Darsteller sind für deutsche Independentverhältnisse außergewöhnlich gut. Zwar gibt es ein paar hölzerne Dialoge und die Figuren sind natürlich nicht frei von Klischees, aber das hat auch seinen Charme. Inhaltlich fühlt man an ein wenig an MEINE TEUFLISCHEN NACHBARN erinnert, aber da die meisten Amateurfilme von Schnaas, Rose und Konsorten meist nur Zombies oder Slasher thematisieren, ist diese Story mal was anderes und hebt sich positiv aus der Masse hervor. Außerdem wirkt alles viel professioneller als bei den meisten hiesigen Produktionen, denn die Kamera ist immer auf der Höhe des Geschehens, kann speziell bei den Actionszenen überzeugen, die Vertonung ist klar, die Schnitte ebenso sauber; das Teil wäre – wie anderswo geschrieben wurde – eigentlich schon fernsehtauglich. Außerdem steht hier die Spannung im Vordergrund, Blut gibt es nur relativ wenig (gemessen an den meisten deutschen Gorefilmen). Nur am Ende wird noch einmal richtig die Sau raus gelassen, aber es hält sich auch da im Rahmen, wirkt nicht aufgesetzt und dient der Schockwirkung der unerwarteten Wende im Finale. Weil sich der Film genügend Zeit lässt, die wenigen Figuren ausgiebig vorzustellen, wirken diese Figuren auch alle so sympathisch. Das Heldenpaar macht seine Sache ordentlich und die Agentin halte ich sogar für eine absolute Entdeckung unter Deutschlands jungen Schauspielerinnen, denn wann immer sie auftritt, bringt sie mit ihrem verspielten Sex Appeal den Streifen zum Kochen. Zuletzt muss ich auch noch den Plottwist noch einmal hervorheben, denn er verleiht diesem kleinen und feinen deutschen Horrorfilm den letzten Schliff, eine gewisse Cleverness, die das gesamte Geschehen beim zweiten Ansehen in ein ganz anderes Licht rückt.

Selten hatte ich bei einer deutschen Produktion so viel Spaß. Die Story hat einen tollen Spannungsbogen, der Regisseur sollte eine große Zukunft vor sich haben und auch Leute, die mit Horror und kleinen Filmen außerhalb von Hollywood sonst nichts anfangen können, könnten mit dieser Perle auf den Geschmack gebracht werden. Das Teil wirkt vom Stil her völlig eigenständig und zeigt sämtlichen anderen deutschen Regisseuren, wie es richtig gemacht wird.

9 von 10.

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