Review

In dem Berliner Vorort Rudow geht Seltsames vor sich: Nicht nur, dass immer wieder Menschen spurlos verschwinden, die Studentin Cora kommt in ihren Semester-Ferien zudem auch noch dahinter, dass einer ihrer Nachbarn allem Anschein nach einen jungen Mann gekidnappt hat und diesen angekettet in einem heruntergekommenen Haus gefangen hält. Und dann gibt es da noch eine mysteriöse Frau, die eben genau jenes Haus rund um die Uhr zu observieren scheint. Zusammen mit ihrem Freund Torsten stellt Cora weitere Nachforschungen in der Sache an... und macht schließlich eine grauenhafte Entdeckung... Für so ein kleines Filmchen aus dem deutschen Independent-Bereich ist "Der Teufel von Rudow" als Verbeugung und Hommage an den US-B-Movie-Horror der 80er Jahre und als augenscheinliche "Das Fenster zum Hof"-Variation wohl insbesondere an solche Streifen wie "Meine teuflichen Nachbarn" und "Never Cry Devil" besser gelungen, als man es da im Vorfeld eigentlich erwartet hätte. Nachwuchsfilmer Ulrich Meczulat konstruiert da bereits von der (bewusst klischeehaften) Einstiegs-Szene einen passablen Spannungsbogen, der einen tatsächlich über die volle Distanz und ein paar erzählerische Durchhänger (zu denen weiter unten mehr) hinweg bei der Stange hält... und das, ohne das alles jemals zu ernst zu nehmen, aber dafür mit einem deutlich spürbaren Willen zum schieren Entertainment ohne Wenn und Aber. Genau das macht die Chose dann auch relativ sympathisch, zumal man der vermuteten Berlin-Nervigkeit mit der starken Fokussierung auf das Vorort-Setting entgegenwirkt und das Grusel-Feeling typisch amerikanischen Vorstadt-Horrors auf die Art gar nicht ungeschickt auf deutsche Verhältnisse überträgt. Dramaturgisch hat das Ganze dann aber doch so seine Schwächen: Der gesamte Nebenhandlungsstrag mit Suzanne Kockat als Lara Croft-Pendant ist im Grunde mal eher ober-banane, aber immerhin macht die gute Frau dank enger Lackleder-Hose und Tank-Top zumindest was fürs Auge her (man werfe 'nen Blick aufs DVD-Cover!). Dass die Angelegenheit für Kameramann Martin Roth ein Diplomfilm gewesen ist, merkt man recht deutlich, wenn da in einer über Gebühr breitgewalzten Sequenz über einen Abenteuer-Spielplatz gehetzt wird und dieser reichlich Gelegenheit erhält, sich fotografisch auszutoben, wirklich nötig gewesen für die Handlung wäre das allerdings nicht. Die wirklich gute Performance von Michael Tiez als zwielichtiger Nachbar (die beiden Hauptdarsteller spielen ihre typischen Teenie-Parts hingegen erwartbar knallchargig runter) sowie ein überraschend blutiges Finale inklusive ein wenig Home-Made-Splatter, welches tatsächlich als waschechter Horror-Höhepunkt durchgeht und einen auch für den zuvor nur geringen Body-Count entschädigt, sind hingegen zwei deutliche Pluspunkte, die "Der Teufel von Rudow" auf der Haben-Seite für sich verbuchen kann. Ein ziemliches Manko ist allerdings doch, dass hier eine eigentlich eher Kurzfilm-taugliche Geschichte, die lediglich Stoff für ca. 40 Minuten hergibt, merklich mit Gewalt auf ungefähr die doppelte Laufzeit gedehnt wurde... doch selbst da hat "Der Teufel von Rudow" gegenüber so manch anderem Streifen aus dem semiprofessionellen Bereich noch die Nase vorne: Diese haben meistens nämlich nur Plot für zehn Minuten, gehen aber genauso lange.

7/10

Details
Ähnliche Filme