Man kann schon sagen, „Heavy Metal“ ist DER Zeichentrickfilm überhaupt, was die Erwachsenenunterhaltung angeht. Um sich herum scharrt dieser kleine dreckige 87-minütige Trickfilm jede Menge Rockmusik, Oberweiten, Blut, koksende Aliens und vor allen Dingen jede Menge Spaß! Kein Wunder also, das dieses Relikt der Zeichentrickunterhaltung heute als Kult bezeichnet wird. Sicher hängt auch damit zusammen, das Heavy Metal erst 15 Jahre nach Erstaufführung als Video in den Handel kam. Auch der exquisite Soundtrack kam erst 1995 auf CD raus.
An Heavy Metal arbeiteten echte Zeichentrickprofis. Darunter zu nennen sind u.a. Gerald Potterton (der an dem Beatles-Trickfilm „Yellow Submarine“ mitarbeitete), Jimmy Murakami (Wenn der Wind weht), Pino Van Lamsweerde (Asterixfilme aus den 80ern), Bernie Denk (Felidae, Tripping the Rift). Produziert wurde das ganze von Ivan Reitman (Ghostbusters 1+2) und eine Handvoll „SNL“-Figuren lieh den Zeichentrickfiguren ihre Stimmen. Hollywood-Glamour oder Familienunterhaltung a´la Disney ist das hier allerdings nicht. Bereits Bill Murray und John Belushi synchronisierten wenige Jahre zuvor „Tarzoon“. Allerdings war jene französische Produktion aus dem Jahre 1975 wesentlich zotiger und unlustiger.
Dabei muss man sagen, wirkt „Heavy Metal“ in der heutigen Zeit, was den Zeichenstil angeht, als angestaubt und hässlich. Aber um ehrlich zu sein, sind diese 3D-hingerotzten Pixarfilme (wie sie heute im Monatstakt im Kino anlaufen) immer noch wesentlich ekelhafter. Bestes Beispiel bietet die Fortsetzung. Die erschien 2000 und hat mit dem Vorgänger mal garnix zu tun, irgendein langweiliger Animerotz wie man ihn heute quasi nachgeschmissen bekommt. In der Hinsicht ist „Heavy Metal“ eine einzige Bastille, quasi der echte Zeichentrick für Erwachsene, lange bevor diese Animes erschienen.
Das ganze in „Heavy Metal“ eine Story zu nennen, wäre sehr kühn. So wirkt die „Handlung“ doch sehr plump, allerdings ist das hier eher ein Film in Richtung Partytrash und keinesfalls irgendwas fesselndes oder sagen wir intellektuelles. Das „Böse“ in Form einer grünen Kugel, erlebt Abenteuer in verschiedenen Epochen und zieht so manches Menschlein in den Tod. Das alles spielt sich in kurzen knackigen Episoden ab, die nicht länger als 10 Minuten gehen. Eine Ausnahme ist in diesem Fall die letzte Episode die sich um die 20 Minuten zieht und definitiv den Höhepunkt des Filmes darstellt.
Die erste Episode „Harry Canyon“ ist der perfekte Einstieg in den Film und in meinen Augen die zweitbeste Episode des ganzen Filmes. Ein lässiger NY-Taxidriver gabelt eine sexy Dame auf und handelt sich damit viel Ärger ein. Sehr kompromissloser, cooler und vor allem spaßiger Einstieg. Auch die gelungene Synchro trägt ihren teil dazu bei.
Ein weiteres Highlight und meine Lieblingsepisode ist ganz klar die Nr.3 „Captain Sternn“. Im Gegensatz zum Nachfolger „B17“ eine wunderbare Actioncomedy. Richtig geil dazu „Reach Out“ von Cheap Trick. So sei gesagt, das die Episoden von heiter/witzig bis brutal/blutig gehen. So wird in „B-17“ auf einem Kriegsbomber die totgeglaubte Crew in Form von Zombies wieder lebendig. Leider geht dem ganzen gegen Ende doch sehr die Luft aus. Die Finalepisode „Taarna“ ist zweifelsohne ein echter Leckerbissen (u.a. dank des genialen Soundtracks der Band „Devo“,die alles andere als Heavy Metal ist ;-), jedoch hat diese Episode so ein wenig seine Längen, bis die Titelheldin dann endlich auf einem fliegenden Hühnchen erscheint.
„Heavy Metal“ lebt besonders durch den Soundtrack. Dieser ist wirklich das Prunkstück des ganzen Filmes. Rockige Hardrockmucke aus den 80ern ist einfach perfekt hier aufgehoben. In der Fortsetzung ist der Soundtrack (u.a. mit System of a Down) ebenso exquisit und sogar das einzig beste, an dem ganzen Animequark.
Die zweite Episode (mit dem Namen „Den“) fällt hier doch etwas aus dem Rahmen. Anstatt Rockmusik gibt’s hier das RPO (Royal Philharmonic Orchestra) auf die Ohren. Elmer Bernstein, ein weiterer Meister seines Faches, durfte hier für klangvollere und ruhigere musikalische Momente sorgen. Schade, das es Sony nicht geschafft hat diesen wichtigen Vertreter der Zeichentrickgeschichte samt Soundtrack-CD würdevoll zu veröffentlichen. Allerdings sind die Extras (insbesondere die Rohschnittfassung) auf der Einzeldisc sehr interessant.
Jetzt mögen einige vielleicht die Nase rümpfen nach meinen Lobhudeleien auf „Heavy Metal“. Aber ganz ehrlich, ich kenne keinen anderen Vertreter der so den Adultcartoon bedient wie „Heavy Metal“. Klar hat der belgische Zeichentrickregisseur Picha Anfang der 80er auch so manches schlüpfriges Toonabenteuer abgezogen, das allerdings weitaus platter und niveauloser von statten ging als hier. Damit möchte ich nicht sagen das „Heavy Metal“ anspruchsvoll ist, Hirngrüze ist es auf jeden Fall, aber nicht so peinlich wie z.B. „Tarzoon“.
Abseits von den platten Erotikklamotten des Belgiers, brachte auch Martin Rosen zu dieser Zeit tolle Zeichentrickfilme raus. Die wegen drastischen und auch schockierenden Szenen nicht für Kinder geeignet sind/waren. „Unten am Fluss“ und vor allem „Die Hunde sind los“ sind schonungslose Meisterwerke und das genaue Gegenteil zu „Heavy Metal“, nämlich bewundernswerte Animationen und ernste Themen (Tierversuche) fabelhaft in Szene gesetzt.
Fazit: „Heavy Metal“ nahm die Vorreiterstellung in dem Medium der Erwachsenenunterhaltung in Zeichentrickform ein. Der Film besitzt neben seinen knalligen Soundtrack, kurzweilige Episoden darin nette Action, üppige Comicdamen und einen guten Unterhaltungswert. Lediglich die dahingeschluderte Rahmenhandlung um die grüne Kugel ist etwas ärgerlich und auch vor einigen Längen bleibt man nicht verschont. Während Rosen fesselt und Picha schlüpfrige Details bedient macht „Heavy Metal“ einfach nur Spaß!