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Aus einem Space Shuttle entschwebt ein Cabrio, in ihm ein Astronaut. Beides rast Richtung Erde, landet vor einem Haus. Der Astronaut steigt aus, lässt seinen Helm im Auto, im Inneren des Hauses wartet seine Tochter schon und fragt, was er ihr mitgebracht hat. Er enthüllt eine grün leuchtende Kugel, er zerschmilzt vor ihren Augen. In Panik erstarrt das Mädchen, doch die Kugel, die das konzentrierte Böse verkörpert, zeigt ihr mehrere Geschichten aus dessen Vergangenheit.

So beginnt „Heavy Metal“, eine Sammlung von animierten Kurzgeschichten der kinderunfreundlichen Art. In diversen Episoden, die von der erwähnten Prämisse eingerahmt werden, zeigt die Kugel, in welche schicksalhaften Geschichten sie verwickelt war.
Da ist der Taxifahrer Harry Canyon, der im Stile eines Film noir als Erzähler aus dem Off an eine verhängnisvolle Dame gerät, nach ihr und der grünen Kugel sind schurkische Figuren auf der Jagd. Da ist ein Wissenschaftler, der auf einen fremden Planeten teleportiert wird und dort als Held eine paarungswillige Dame vor dem Opfertod bewahren will. Da läuft eine Gerichtsverhandlung im Weltraum nicht ganz so wie geplant. Da nimmt sich die grüne Kugel der Besatzung eines Bombers im Zweiten Weltkrieg an. Da fragt sich ein Alienroboter, was es braucht, um eine Sekretärin von der Erde zu heiraten. Und da zettelt die grüne Bösartigkeit einen Krieg an, der viele ins Verderben führt.

Nichts Tiefgründiges, Sex und Macht zu Unterhaltungszwecken. Das geht in Ordnung, ist gewollter Schund und nimmt sich nicht ernst, sodass man damit durchaus Spaß haben kann.
Optisch ist das Ganze wechselhaft, natürlich hängt die Rezeption des Stils von den persönlichen Präferenzen ab. Neben traditionellen Zeichnungen kam auch das Rotoskopie-Verfahren zum Einsatz, welches für manche Objekte, aber auch für Taarna in der letzten Episode verwendet wurde. Sieht nicht immer toll aus, aber die stilistische Abwechslung tut gut und insgesamt passt das alles schon zusammen. Das Design der verschiedenen Welten ist gelungen und meist sind die Bewegungen und Figuren selbst auch ansehnlich animiert. Vergessen darf man dabei nicht, dass es sich bei dem von Gerald Potterton inszenierten Film nicht um ein großangelegtes Mainstream-Projekt handelte. Dafür zielte man optisch zu sehr auf ein älteres Publikum und so finden sich Blut und Nackheit hier wieder, aber nichts anderes durfte und wollte man von dem Projekt auch erwarten. Schließlich basiert es auf dem Wirken des gleichnamigen Comicmagazins, welches entsprechende Typenmuster bediente. Also Blut, Gewalt, halbnackte Bräute und irgendwie-Helden. All das findet sich auch hier wieder, ist reaktionär, sexistisch, dramaturgisch mehr als unterentwickelt und primitiv.

Sex, Blood and Heavy Metal. Nuja, Letzteres muss man im Entstehungszeitraum sehen. Sowas wie Slayer und Metallica waren da noch nicht dabei, man bekommt dafür u. a. Nazareth, Black Sabbath oder Devo auf die Ohren. Der klassische Soundtrack stammt dabei von Elmer Bernstein, man hat also durchaus fähiges Personal am Start.
Bei all dem Schund, den man hier serviert bekommt – irgendwo macht das Trashfest schon Laune, wenn es auch für das, was es ist, einen Tick zu lang geraten ist. Eine wilde Mischung aus primitiven Versatzstücken und Geschichten, dem guten Geschmack gerne mal zuwider und dabei nicht ohne erkennbaren Willen zum unterhaltsamen Pulp. Unter Voraussetzungen spaßig.

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