Review

Scheinbar hat die Welt 1981 "Fritz the Cat" und co. sträflichst vergessen und damit auch, dass Trickfilme kein reines Kindertheater sind. In diesem Jahr trat "Heavy Metal", der Kinoableger des französischen Sci - Fi - / Fantasy - Comicmagazins "Metal Hurlant" (hierzulande bekannter unter dem martialischen Titel "Schwermetall"), den Beweis an, dass Sex, Drogen und Rock'N'Roll mittlerweile auch das unscheinbarste aller Filmgenres erfolgreich verdorben haben. Diese Verkommenheit kommt in einer Reihe mal düsterer, mal humorvoller, aber in jedem Fall stets durchgeknallter Episoden daher, die dem Stil von Moebius und anderen Größen des abseitigen Comics herrlichen Tribut zollen. Was ich zu dem Zeitpunkt, in dem ich 11 - jährig das DVD - Cover mit Barbarenkriegerin Taarna erstmals sah, NICHT wusste und deswegen kein künstlerisches Interesse vorheucheln konnte. Demnach sah ich den Film erst mit 16, stark pubertierend und bis in die immer länger werdenden Haarspitzen verrockt. Das richtige Alter für solch freakige Kost.

Am Anfang war das Cabrio, welches aus den Eingeweiden eines Raumschiffes abgeworfen, gen Erde krachte. Wie der Astronaut am Steuer die Erdatmosphäre durchdringt, ohne zu verglühen, wird nie geklärt, ebenso wenig, wie die Karosserie samt Fahrer die harte Landung im Canyon überstehen. Es mag eventuell an der magischen Fracht liegen, die im Kofferraum des Wagens schlummert: der Loc Nar, ein denkendes Alienartefakt mit dämonischen Kräften, findet seinen Weg auf die Erde des Jahres 1981 und in das Heim des Weltraumreisenden, wo jener erst einmal zu grüner Aliensülze verarbeitet wird, damit das Killerkleinod aus dem All in Allerseelenruhe die namenlose Tochter seines Opfers mit Geschichten seiner Grausamkeit psychisch zermürben kann, bevor er auch sie ins Schleimnirvana schickt. 

In den darauffolgenden Episoden zieht er einen genervten Taxifahrer in ein kriminelles Komplott mitsamt Affäre hinein, lässt einen hemdsärmligen Raumfahrer vor Gericht zum Hulk werden und hetzt einer Bomberbesatzung in den Wirren des zweiten Weltkrieges Zombies auf den Hals. In einigen weniger spektakulären Beiträgen zerschmilzen Archäologencrews und der stets anwesende Loc Nar wird als Halsschmuck einer sexy Sekretärin von Aliens samt Roboterchef entführt, die sich die Zeit mit hypergalaktischem Hochleistungssex und ebensolchen Drogen vertreiben. Einzig Nerd Dan, der durch den Loc nar zum Barbarenkrieger Den wird und die Liebe seines Lebens findet kommt relativ schonungslos davon und findet zudem die wohlproportionierte Liebe seines Lebens. Taarna, die Coveramazone und Schirmherrin der längsten Episode hingegen muss in ihrem Vergeltungskreuzzug für ein niedergemetzeltes Volk, dem ihr Stamm ergeben ist einiges an Hieben einstecken, ehe ihre Rache am Heerführer eines korrumpierten Mutantenclans Früchte trägt. Und dann wäre da ja noch das drohende Todesurteil unserer namenlosen Astronautentochter...

Der Fokus des Filmes liegt definitiv auf dem kreativen Wahnsinn der Zeichner, weniger dem der Autoren hinter den beeindruckenden Bildern zwischen girau'schem Wahnsinn und Disneykitsch. Dem Soundtrack sei Dank schriet hier alles förmlich nach Musikvideo, wobei die Wahl der Interpreten etwas wirr geraten ist: die Präsenz des Blue Öyster Cults, Black Sabbath, Cheap Trick und Nazareth verstehen sich als Vorreiter des Genres von selbst, aber wie zum Teufel haben es Eagles - Drummer Don Felder, Steely Dan - Sänger Donald Faigen und die spätere Fleetwood Mag - Stimme Stevie Nicks - allesamt keine Schwermetaller - auf den Score geschafft? Die Songs genannter Künstler sind ohne Frage hervorragend, entstammen aber komplett anderen Genres, wobei die hier ebenfalls grandiosen, aber auch halb deplazierten Devo den Vogel der eigenartigen Musikwahl definitiv mit dem Disruptorstrahl abschießen. 

Das Gesamtpaket ist ein krude gezeichneter, aber unterhaltsamer Film, den man am Stück durchrocken oder aber auch episodenweise genießen kann. Eine zusammenhängende Handlung um den Loc Nar und vor allem mehr Handlung über die wortkarge Taarna und ihre Welt wären mir zwar lieber gewesen, aber dazu gibt es schließlich den Jahre später erschienenen Quasinachfolger "Heavy Metal F.A.K.K. 2". Aber auch hier gilt: Joint an, Bier auf, Hirn aus, abrocken!

Details
Ähnliche Filme