Früher war es so Brauch, dass auch kleinere Zirkusse durch die Dörfer zogen und Tage vorher mit kleinen Plakaten auf ihren baldigen Auftritt aufmerksam machten.
Auf einem bei mir in der Nähe stand vor Jahren tatsächlich: „Der Kaspar kommt im Zirkuszelt“. Damals waren wir noch jung und schrieben drunter „Eintritt ab 18“.
Ist dieser Streifen auch, - mit welcher Rechtfertigung lässt sich allerdings in kaum einer Weise nachvollziehen.
Es ist die Auseinandersetzung zwischen drei jungen ungleichen Brüdern allein zu Haus, die von drei Ausbrechern der Irrenanstalt in Clownskostümen heimgesucht werden.
Bis beide Parteien jedoch endlich aufeinander treffen, vergeht eine satte Stunde (von gerade mal 79 Minuten Laufzeit), in der es zwar ein paar atmosphärische Momente zu verzeichnen gibt, der drohende Terror jedoch nie seine volle Wirkung entfaltet.
Im Fokus der drei Brüder steht Casey, der jüngste mit Alpträumen, Angst vor Clowns und bösen Vorahnungen, die durch den Besuch bei der Wahrsagerin noch verstärkt werden.
Natürlich ist es an ihm, sein Trauma zu überwinden und im Verlauf zum alles entscheidenden Helden zu mutieren.
Was im Vorfeld ganz solide ausgefallen ist, sind diverse Huschmomente der Clowns im nächtlichen Wald und einige „knapp daneben, gerade noch mal Glück gehabt“ – Szenen, etwa, wenn die Haustür geschlossen wird, kurz bevor der Eindringling hinterher schlüpfen kann.
Auch die nächtliche Atmosphäre um den Zirkusplatz bringt stimmungsvolle Momente, ebenso die aufgehängte Puppe vorm Haus der Kinder, von der man im Verlauf nie weiß, ob es bei einer Puppe bleibt.
Jedoch wartet man schlicht zu lange auf direkte Konfrontationen.
Immer wieder wähnt man eine Gestalt am Fenster und tollt dennoch in Abwesenheit der Eltern weiter mit Gruselgeschichte und Popcorn und auch als die Irren längst im Haus sind, will einfach keine mitreißende Spannung aufkommen.
Erst in den letzten Minuten kommt Tempo ins Spiel und die Jungen rasen wie wild durchs Haus, finden mit Holzlatte und Bratpfanne aber auch Mittel zur Gegenwehr.
Dass innerhalb dieser Turbulenzen eine Axt im Rücken bereits die derbste Splatterszene darstellt, ist bei FSK18 unglaublich, da insgesamt kaum ein Tropfen Blut vergossen wird und sich die extreme Altersfreigabe allenfalls darauf beziehen könnte, dass Minderjährige im Zentrum des Terrors stehen.
Als Empfehlung an Horrorfreunde geht dieser Streifen entsprechend nicht durch, er reicht allenfalls als leicht bekömmliche Zwischenmahlzeit oder zur Hintergrundberieselung.
Da zwei der drei Brüder recht sympathisch in Szene gesetzt werden, nervt zumindest der recht lange Vorlauf nicht, auch wenn die Schreckmomente etwas rar sind und die irren Clowns zu selten grimmig in die Kamera schauen dürfen.
Es wäre also deutlich mehr drin gewesen, doch immerhin hat Regisseur Victor Salva später beweisen können, dass er sich mit Beiträgen wie „Jeepers Creepers“ deutlich verbessert hat.
Dies stellt hingegen eher eine harmlose Fingerübung im Bereich des Horrors dar.
5 von 10