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Der Clown ist nur in der Manege witzig, steht er auf dem Vorrasen, dann wirkt er gruselig: Genau jene alte Weisheit will Victor Salvas „Clownhouse“ bebildern.
Bevor man jedoch zu den Clowns kommt, lernt der Zuschauer erst einmal die Gebrüder Collins kennen. Natürlich zankt und verarscht man sich untereinander, wobei Caseys (Nathan Forrest Winters) Clownphobie gern das Ziel der Älteren ist. Jawollja, wenn einer ein Trauma hat, dann wird er im Film immer volle Möhre damit konfrontiert, so auch hier: Im Zirkus wollen die Clowns ausgerechnet ihn nach vorne holen, die Panikattacke ist natürlich vorprogrammiert, doch der Zuschauer weiß bereits: Die wahre Prüfung kommt noch.
Drei Beknackte brechen nämlich aus der Irrenanstalt und es sind keine harmlosen Wahnsinnigen, die sich für Napoleon oder für eine Stehlampe halten, sondern mörderische Psychopathen, die zuerst auf den Wanderzirkus treffen und die hauseigenen Clowns verhackstücken, um dann deren Klamotten und Schminke anzulegen. Wieso, weshalb, warum – egal, Hauptsache die Psychos sind los und man kann bald auf den Putz hauen.

Just an diesem Abend sind die Brüder aber allein zuhause und genau jenes Heim liegt abgeschieden am Stadtrand. Casey bemerkt die Wahnsinnigen zuerst, doch die Brüder glauben ihm nicht – schwerer Fehler…
Zwischendrin darf man sich bei „Clownhouse“ durchaus die Frage stellen, ob der Film irgendwann einmal als Horrorschinken für ein jüngeres Publikum gedacht war, denn gekillt wird hier wenig und nicht besonders explizit. Mit Gore wird gespart, stattdessen mehr gestalkt als geslasht, wobei dies dem Film gar nicht mal so schlecht steht: Halbwegs geschickt spielt Salva mit den Erwartungshaltungen des Publikums, lässt die Killerclowns möglichst von dort kommen, wo man sie am wenigsten erwartet, jedoch den Nervenkitzel eines „Halloween“ oder eines „Nightmare on Elm Street“ baut er nicht auf – vielleicht ein Zugeständnis, um potentielle jüngere Zuschauer nicht zu sehr zu überfordern.
Leider machen sich die Zugeständnisse an Massenverträglichkeit schnell bemerkbar: Kinder umbringen ist böse, ein Tabu, weshalb maximal der älteste Bruder, Randy (Sam Rockwell), wirklich Gefahr läuft gekillt zu werden, das Überleben der anderen beiden Collins-Bros ist recht gewiss. Zudem dauert die Exposition doch recht lang bis dann Clowntime im Hause Collins angesagt ist – das vorige Verunsichern (z.B. wenn die Brüder den Clowns beim Weg zum Laden beinahe in die Arme laufen) ist ganz putzig, doch es wäre schon nett gewesen, würde „Clownhouse“ zügiger in die Puschen kommen.

Was „Clownhouse“ dann aber doch ein wenig über das Mittelfeld hinaushievt ist Victor Salvas Inszenierung, welche versucht die Wahrnehmung eines kleinen Jungen (wie Casey einer ist) nachzuempfinden. Leicht verschrobene Kameraperspektiven und knallige Farbgebung dominieren das Geschehen, ohne dass man z.B. den Surrealismus der italienischen Horrorfilmer kreieren würde, stattdessen wirkt „Clownhouse“ tatsächlich so, als habe man eine kindliche Sicht auf die Dinge, in der Schlagschatten noch schattiger, dunkle Ecken noch dunkler und durchgedrehte Psychopathen noch psychopathischer erscheinen als sie tatsächlich sind.
Sam Rockwell in jungen Jahren zu sehen ist eine echt amüsante Angelegenheit, wenngleich er bei weitem noch nicht auf der Höhe späterer Glanzleistungen ist. Er ist, ebenso wie der Rest des Ensembles, auf brauchbarem Genrefilmniveau, aber nach dem Abspann bleiben dann doch andere Dinge als die Schauspielleistungen beim Zuschauer hängen.

„Clownhouse“ legt mit angezogener Handbremse los, zu lang ist die Exposition, zu nett der Hauptteil, der kaum Figuren über die Klinge springen lassen will. Schade um die interessant anzuschauende Inszenierung, die den Film wie einen kindlichen Alptraum in bunten Farben erscheinen lässt, was „Clownhouse“ ein wenig vom Einheitsbrei des Horrorgenres abhebt.

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