Tracy ist schön, reich und steht kurz vor ihrer Hochzeit mit dem galanten, aber konservativen George. Als einen Tag vor der großen Feier ihr Ex-Mann Dexter Haven mit dem Klatschreporter Mike Connor und dessen Fotografin Liz Imbrie im Schlepptau aufkreuzt, fürchtet die Familie um ihren guten Ruf und versucht, den Herrschaften eine heile Millionärswelt vorzugaukeln. Die Lage verkompliziert sich schnell, denn Dexter ist an seiner Ex immer noch interessiert und auch Mike hat alsbald ein Auge auf die zukünftige Braut geworfen.
Eine Frau, drei Männer und jede Menge chaotische Verwicklungen - aus dieser recht konventionellen Idee entstand 1940 ein Prototyp der sogenannten Screwball-Komödie, in der drei der damals angesagtesten Hollywoodstars in ihren Rollen glänzen durften. Allen voran Katharine Hepburn als verwöhnte, zickige Diva, die sich aber im Laufe der Handlung als herzensguter Mensch herausstellt, gefolgt von Cary Grant als Ex-Alkoholiker und –ehemann, der von Anfang an die meisten Sympathien auf seiner Seite hat und dank des ausgeklügelten Drehbuchs immer wieder für einen lockeren Spruch gut ist, bis hin zum für diesen Part oscarprämierten James Stewart, der mit seiner rotzfrechen, aber irgendwie immer liebenswerten Art seinem Kontrahenten in nichts nachsteht. Unterstützt von einem souveränen Nebencast ergibt sich ein nahezu perfekt zusammengestelltes Ensemble, das für diesen amüsanten Beziehungsreigen wie geschaffen erscheint.
Die Handlung selbst beschränkt sich dann hauptsächlich auf die herrlich pointierten Dialoge, die man in abgewandelter Form auch in heutigen Beziehungskomödien immer wieder vorfindet, die aber selten die Klasse dieses Originals erreichen. Insbesondere die im deutschen Raum titelgebende Nacht vor der Hochzeit ist ein humoristischer Höhepunkt des Geschehens, in dem sich übermäßiger Alkoholgenuss seitens Tracy und Mike als entscheidender Faktor herausstellt und zu einer berechenbaren, aber urkomischen Verkettung von Umständen und Zufällen führt und das Gefühlsleben aller Beteiligten noch einmal gehörig durcheinanderwirbelt. Die über die gesamte Spielzeit durchweg temporeiche und längenfreie Inszenierung tut dabei ihr übriges.
Bemerkenswert ist auch die unbeschwerte Art und Weise, mit der hier gesellschaftliche Konventionen und Eigenarten aufs Korn genommen werden – Dekadenz und Snobismus bekommen hier ebenso ihr Fett weg wie die Arroganz neureicher Schnösel und die Sensationslust der Regenbogenpresse. Besonders letzterer Aspekt prägt stärker denn je das Bild der heutigen Medien und hat deswegen auch 65 Jahre später noch einen fast erschreckend aktuellen Bezug. Die emotionalen Entwicklungen der Protagonisten, die auf der einleuchtenden Tatsache beruhen, dass charakterliche Schwächen einen Menschen erst wirklich menschlich erscheinen lassen, sind in ihrer Darstellung ohnehin zeitlos und sprechen für sich. Am (harmonischen) Ende geschieht dann beziehungstechnisch auch alles so, wie es sich von Anfang an abzeichnet – schnörkellos, ohne weitere Überraschungen, aber keineswegs aufgesetzt wirkend.
Die Theateradaption „The Philadelphia Story“ ist eine kurzweilige und höchst amüsante Beziehungsfarce, die dank ihrer spielfreudigen Akteure noch immer ein Maß an Witz und Charme versprüht, das seinesgleichen sucht. Zeitlos, romantisch und immer wieder gern gesehen.