Es sollte wohl eine Art Jugenddrama mit Coming-of-Age Fokus werden, vielleicht auch ein wenig Faustkampf-Action, doch beides gemeinsam in Einklang zu bringen, ist Autor und Regisseur Keith Alan Morris leider nur in Ansätzen gelungen.
Frisch aus dem Jugendknast entlassen, wird der sechszehnjährige Will von Pflegevater Bob in die Obhut genommen. Seinen „Bruder“ Paul kennt Will noch von einem harten Aufeinandertreffen auf der Straße und tatsächlich will Bob seine Jungs für illegale Streetfights ausnutzen. Derweil versucht Will, seiner Nachbarin Bebe finanziell zu helfen, indem er an weiteren Fights teilnimmt, bis heftiger Neid in Paul hoch kocht…
Die Eröffnungsszene macht zumindest klar, dass hier mit harten Bandagen, beziehungsweise ohne selbige ausgeteilt wird, als Wills Kontrahent blutend am Boden liegt und eine Faust nach der anderen den Kiefer trifft. Als er bei Bob landet, ist es jedoch einige Zeit vorbei mit den körperlichen Auseinandersetzungen.
Allerdings gelingt es kaum, die Distanz zu den Figuren zu überbrücken. Will bleibt ein harter Knochen, dem keinerlei Background, kein Werdegang eingeräumt wird. Zwar ist die erste Begegnung zwischen ihm und Bebe ganz drollig, als Will sie vom Dach aus beobachtet, doch im Weiteren wirkt auch deren Beziehung recht trocken und emotionslos.
Interessanter ist die stets wechselnde Relation zu Paul, welche zwischen Eifersucht, Rache, Kumpelhaftigkeit und Misstrauen pendelt, vor allem, als Paul sich als Manager versucht.
Während also die Dramen-Anteile nur bedingt überzeugen, sind einige körperliche Auseinandersetzungen ein wenig überzeugender in Szene gesetzt. So gibt es unter anderem sadistische Snobs, die Straßentypen dafür bezahlen, von Gleichaltrigen Schläge zu kassieren, etwa 20 Dollar für einen Schlag ins Gesicht oder 160 Dollar mit Schlag und anschließendem Aufprall mit dem Hinterkopf an der Metallwand.
Die Zweikämpfe stehen jedoch im Vordergrund, von denen Will einige bestreiten muss. Es wird fast ausschließlich mit den Fäusten ausgeteilt, nur selten kommen Tritte hinzu. Allerdings ist es verwunderlich und in keiner Hinsicht realistisch, wie viel ein sechszehnjähriger Straßenjunge alles einstecken kann, ohne anschließend in der Notaufnahme zu landen.
Das letzte Drittel besteht zwar überwiegend aus Kämpfen, jedoch werden diese zu schnell abgehandelt und auch der finale Kampf fällt viel zu kurz und kaum dramatisch aus.
Immerhin arbeitet die Kamera passabel und die Choreographie ist einigermaßen brauchbar, die Schauplätze fallen demgegenüber komplett austauschbar aus, zumal bei den Fights selten mehr als ein Dutzend Zuschauer vorhanden sind und fast ausschließlich auf offener Straße gekämpft wird.
„Gutter King“ hat das Problem, mit seinen beiden Schwerpunkten keine stimmige Einheit zu bilden. Man baut keine Nähe zu den Figuren auf, deren Probleme lassen überwiegend kalt und die wenigen Wendungen bieten keinerlei Überraschungen. Auf der anderen Seite können die Kämpfe aufgrund einiger Härte und solider Inszenierung punkten, doch da auch hier kaum ein Mitfiebern gegeben ist und kein Mime übermäßig gut performt, reicht das beileibe nicht aus, um Actionfreunde auf ganzer Linie zu überzeugen, - entsprechend halbgar fällt der Gesamteindruck aus, denn eine befriedigende Message ist bei alledem bis zum Schluss nicht auszumachen.
4 von 10