Review

Mit der Adaption des Science-Fiction Romans "Es ist nicht leicht ein Gott zu sein", der rund 20 Jahre zuvor aus den Federn der Brüder Strugatzki floss, wurde Ende der 80er Jahre ein ganz besonderes filmisches Abenteuer in Angriff genommen.

Obwohl mit einem überaus stattlichen Budget von 30 Millionen D-Mark ausgestattet, hatte Regisseur Peter Fleischmann und seine vorwiegend aus Russen, Deutschen und Franzosen bestehende Crew dabei wahrlich nicht den einfachsten Job. Gedreht wurde teils im Studio in Kiew, dann wieder im absoluten Niemandsland hinter dem Ural und nahe der chinesischen Grenze. Mal hatte das Team mit der sengenden Hitze in der Wüste zu kämpfen, ein anderes Mal ruinierte urplötzlicher Schneefall aufwändige Kulissenbauten. Soldaten der russischen Volksarmee, die als Statisten eingesetzt wurden und Sprachbarrieren, die innerhalb dieser Koproduktion laufend mit Dolmetschern überbrückt werden mussten, zählten unter diesen Umständen offensichtlich noch zu den harmlosen Geschichten. Und obwohl nach schwierigen Verhandlungen, drei Jahren Vorbereitungszeit, deutlich über einem halben Jahr Drehzeit, Unterbrechungen und den angesprochenen Hindernissen am Ende ein herber Flop an den Kinokassen zu Buche stand muss dieses Werk unbedingt zu den Perlen des europäischen Sci-Fi-Films gezählt werden.

In der Zukunft haben die Menschen jegliche Aggressivität und somit auch Kriege und Leid überwunden. Auf dem der Erde ähnlichen benachbarten Planeten Arkanar jedoch befinden sich die dort lebenden Menschen noch in einer uns als Mittelalter bekannten Epoche. Gewalt und Tyrannismus bestimmen das Bild. Progressive Ideen werden als Bedrohung angesehen und Kulturschaffende wie Sänger oder jene, die revolutionäre Ansichten vertreten oder sich schlicht und einfach dem Studieren von Schriften oder Erfinden von Maschinen widmen, drohen Kerker und Tod.

Abgesandte der Erde werden unter das Volk gemischt, mit der Aufgabe die Vorgänge zu beobachten, um mehr über die eigene Vergangenheit zu erfahren. Das Eingreifen in den Fortgang der Geschichte ist den Beobachtern dabei allerdings streng untersagt. Der Erdenbotschafter Rumata (Edward Zentara), um den sich die Geschichte strickt, hat jedoch alle Mühe sich angesichts der Ungerechtigkeit und des Elends um ihn herum zurückzuhalten. So will er beispielsweise den Gelehrten Budach (Andrei Boltnev), ein frühes Universalgenie Arkanars, vor dem Wahnsinn der Verfolgung durch den durchtriebenen Minister und Putschisten Reba (Aleksandr Filippenko) und seinen Soldaten bewahren. Und auch seiner Dienerin Kyra (Anne Gautier) will er stets zu Hilfe eilen, kam er doch bei anderen wie Okana (Christine Kaufmann), einer Dame zu Hofe oder einem seiner Kollegen (Werner Herzog) zu spät. Zunächst zögernd, später immer stärker zieht ihn das Schicksal der Bewohner Arkanars in seinen Bann, bis er schließlich gegen sämtliche Richtlinien verstößt und letztlich sogar der wahre Grund der Forschungsmission zu Tage tritt...

Alle wichtigen Figuren sind charakterlich in etwa so wie man sie sich beim Lesen des Buches vorstellt integriert worden und der Film schafft es gerade noch, die Anzahl der Namen und Personen nicht zu sehr ausufern zu lassen um den unbedarften Zuschauer in Unkenntnis der Buchvorlage nicht zu sehr vor den Kopf zu stoßen. Die bunt zusammengewürfelten Schauspieler aus den verschiedenen Ländern agieren dabei, ungeachtet ihrer unterschiedlichen Sprachen, ganz gut miteinander und aufwändige Kulissen und Landschaften der schier unendlichen Weiten der ehemaligen Sowjetunion wechseln sich als teils skurrile Hintergründe ab. Untermalt wird all dies mit einem passenden und unaufdringlichen Score und nur in der Choreographie der teilweise doch etwas arg hölzern wirkenden Kampf- und Actionszenen müssen deutlichere Abstriche gemacht werden, was aber nicht so sehr ins Gesamtgewicht fällt.

Die wichtigen Eckpfeiler der Buchvorlage werden passend berücksichtigt, wie zum Beispiel gegen Ende der Dialog zwischen Rumata und Budach über Wunsch und Verlangen von ihm als Gelehrten wenn er theoretisch die Möglichkeit hätte, einem wie auch immer gearteten Gott gegenüberzutreten. Darüber hinaus schafft Fleischmann es auch noch, ein weitaus zufriedenstellenderes Ende zu vollführen, das sich gegenüber dem Buch viel entschlossener und zugleich nicht weniger philosophisch darstellt: Wie wirkt sich die Mission auf die durchführenden Astronauten aus und inwieweit sind Rumatas Reaktionen vertretbar? Die Menschheit auf der Erde hat zwar Aggressivität, Zorn oder Neid überwunden, aber was ist mit gleichermaßen und im Zuge dessen gewissermaßen verloren gegangenen Emotionen und Gefühlen wie Anteilnahme, Zuneigung und Trauer die zu Entschlossenheit und Handeln in der gerechten Sache führen können?

"Es ist nicht leicht ein Gott zu sein" ist leider nicht in dem Maße bekannt geworden, wie es für den sehr gut umgesetzten und teilweise sehr schön ausgebauten Stoff der Buchvorlage wünschenswert gewesen wäre. Vielleicht wurden dazu in der Produktionsphase oder Öffentlichkeitsarbeit zu viele Fehler gemacht bzw. war das teilweise herrschende Chaos sicher nicht hilfreich. Oder das europäische Publikum ist einfach generell nicht - oder war es zu dieser Zeit nicht - so sehr an derartigen Science Fictionern interessiert; das maße ich mir nicht an, ausreichend beurteilen zu können. Jedenfalls kann ich mich den damaligen in der Mehrzahl recht negativen Kinokritiken in keinster Weise anschließen. Diesem Werk, das nicht die leichteste Entstehungsgeschichte hinter sich hat, sollte mehr Beachtung zuteil werden und auch (und erst recht) für das Buch von Arkadij und Boris Strugatzki kann eine klare Empfehlung ausgesprochen werden. Mit der diesjährigen deutschen DVD-Veröffentlichung wurde zumindest erneut dazu beigetragen, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Hoffentlich kommt so oder so noch der ein oder andere geneigte Zuschauer in den Genuss dieser Parabel über Gewalt, Gegengewalt, Kirchenkritik, Fanatismus und Blindheit der Unwissenden bzw. Unbelehrbaren die als utopische Gesellschaftssatire daherkommt und die sich kein Genre-Freund entgehen lassen sollte! (8/10)

Details
Ähnliche Filme