Review

Bluttruckerspiegel


Ein riesiger, übernatürlicher LKW (in Australien auch „Road Train“ genannt), der mit Blut und Fleisch statt Benzin fährt (!), auf der Jagd nach zwei Teenagerpärchen im Down Under-Outback?! Klingt erstmal ziemlich cool, wie ein Mix aus „Joy Ride“ und „Wolf Creek“ und „Maximum Overdrive“ mit einem Schuss Clive Barker. Leider ist das Ergebnis, nicht nur gemessen an diesen Erwartungen und Vergleichen, sehr ernüchternd. Das merkt man spätestens ab der Mitte des Films. 

„Road Train“ ist nett gefilmt und bietet ein paar schweißtreibende Aufnahmen des australischen Hinterlandes, was immer eine Genrereise wert ist und als Setting einer solchen isolierten Story nie enttäuscht. Einfach ein faszinierendes Land. Zudem macht der mächtige Truck einiges her, natürlich neugierig und seine ganze Mythologie, die allerdings kaum erklärt oder ausgekostet wird, hätte Potenzial. Was schwer enttäuscht. Außerdem ist der Bodycount verständlich gering bei so wenigen Beteiligten und es wird sich selten mal von den zwei Pärchen getrennt, einfach zu wenige Abzweigungen genommen und neue Einfälle eingeworfen. Was dringend nötig gewesen wäre bei solchen ätzenden Protagonisten, deren Eifersüchteleien und Schauspieltalent deutlich eher an Soaps als an gelungene Spielfilme erinnern. Was sind denn das bitte für vier nervige Schwachmaten?! Selbst für „Slasherverhältnisse“ sind die wirklich schwer zu ertragen und man gönnt ihnen nur noch ein qualvolles, möglichst spektakuläres Ende. Doch auch das wird einem verwehrt. Mit mehr Ideen, mehr Mut, mehr Highlights und vor allem solideren Figuren hätte „Road Train“ spaßig und saftig werden können. So bleibt ein zäher, oft fast schon anstrengender Ausflug, dessen Ende man entgegen fiebert. Und zwar nicht weil man ein großes Finale oder Ähnliches erwartet, sondern weil dann endlich der Abspann läuft. Hier war unendlich viel mehr drin. 

Fazit: die Grundidee ist solide-trashig, groß gedacht, atmet etwas Clive Barker und einige Aufnahmen der Pampas sind hübsch. Nur leider sind die Figuren dermaßen unsympathisch, dass selbst dieser nur 80-minütige Trip mit ihnen zur Tortur wird. Und zwar nicht im horror-positiven Sinne. Man will mehr vom Monstertruck sehen und gönnt ihm den „Sieg“ vom ganzen Herzen. Doch selbst dieser imponierende Straßenzug kommt zu kurz. 

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