Review

Massenkarambolage


Haward Hawks war ein absoluter Meister seines Fachs, hat einige absolute Klassiker zum Leben erweckt, sowohl im Western als auch Film Noir, war nicht ohne Grund Vorbild etwa von John Carpenter und ist schlicht Legende. Allein „Rio Bravo“ oder „The Big Sleep“ könnte ich jederzeit rauf und runter gucken. Doch auch die Besten sind nicht gefeit vor ein paar schwächeren Werken oder gar Gurken. Und seinen handlungsarmen Historienschinken „Land of the Pharaohs“ von 1955 würde ich ohne Umwege in diese Kategorie packen. Untypisch für ein Sandalenepos gibt’s keine Überlänge - aber es fühlt sich dennoch oft so an. Erzählt wird arm an Konflikten wie Höhepunkten vom Wunsch des goldgierigen Pharaos, sich das pompöseste und sicherste Grab aller Zeiten zu bauen - woraus dann die erste Pyramide entstand…

Was für ein öder Film… Voll tausender Statisten und imposanter Bauten, Außenaufnahmen an echten Drehorten in Nordafrika, mit ein paar bekannten und hübschen Gesichtern, viel Glanz, Gold und Gloria, mit Trompeten und Posaunen, Sklaven und hinterhältigen Ehefrauen, Sand im Getriebe und der Grabkammer - und dennoch leer wie Jesus' Grab nach Ostern. Kein Vergleich zu damaligen Genreprimussen wie „Ben Hur“ oder „Spartacus“, die doppelt so lange gehen und sich dennoch nur halb so lang anfühlen. „Land of the Pharaohs“ fühlt sich oft eher wie eine aufwändige Doku über den Bau der Pyramiden an, wie ein Film zwischen Theatermurks, Hollywoodpömp und Architekturfetisch. Nahezu komplett spannungsarm und öde. Joan Collins ist wunderschön und sie bringt den halbgaren Plot überhaupt erst ans Laufen, doch das kommt erstens zu spät und zweitens zu schwach. Die inneren Konflikte werden nur minimal angeschnitten, die äußeren sind wie gesagt Stangenware. Sets, Kostüme und Aufwand sind riesig. Aber alles wirkt ärgerlich leer, emotionslos und eher wie eine müde Auftragsarbeit. Oder hat das Studio etwa extrem gekürzt und reingepfuscht? Wer weiß. Ich hatte bei dem beliebigen Endergebnis jedoch arge Probleme wach zu bleiben und war heilfroh, dass das Teil keine 200 Minuten auf dem Tacho hat... 

Fazit: viele Leute, gold'ne Beute, dünne Häute und so nicht mehr machbar heute - dennoch einer der schwächeren und langweiligeren Filme von Hawks! 

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