Wenn sie schon mal einer Unterhaltung beigewohnt haben, bei der zwei (vorzugsweise weibliche) Personen sich verzweifelt versuchen zu erinnern, welcher Film das denn war, in dem sie sich „in sechs Monaten auf dem Empire State Building verabreden und dann hat sie noch auf der Straße einen Unfall und kann nicht kommen“: dies hier ist dieser Film.
„An Affair to Remember“ kompetent, aber sehr unaufgeregt umgesetzt vom Komödienaltmeister Leo McCarey, ist immer erst in zweiter Linie ein Cary-Grant-Film, ein Deborah-Kerr-Film, ein Weihnachtsfilm, sondern lebt stets vom Ruf der Szene, in der Grant auf der Aussichtsplattform wartet und das Publikum schon weiß, sie schafft es nicht.
Alles weitere an dieser Romantik-Dramedy, die übrigens nicht wie üblich angenommen ein Original, sondern ein Remake des 1939er „Ruhelose Liebe“ mit Irene Dunne und Charles Boyer ist, ist dann auch nicht ganz so spektakulär, vermutlich weil die gute Besetzung und die edle Ausstattung die Story zum wohltemperierten Edelkitsch durchstylen.
Kerr und Grant begegnen sich, beide liiert, auf eine Kreuzfahrt. Er wird wegen einer möglichen Hochzeit mit einer Gelderbin belagert, sie hat einen Verlobten, der nett ist, aber nicht zündet.
Was zündet, sind die Funken, die ihre Bordgespräche schlagen, aber obwohl Grant solche Rollen eigentlich im Halbschlaf runter spielen könnte, bleibt er hier meistens verunsichert und seines typischen Charmes beraubt, den er als Playboy eigentlich ausstrahlen müsste. Kerr dagegen spielt eine versierte Sängerin, kann das aber, abgesehen von einer Szene nie mit ihrer Figur transportieren.
Es ist also nicht so hundertpro romantisch, es nicht wirklich komisch und die Liebe ist eher plötzlich da, als das man sie auf der Leinwand wachsen sehen könnte. Die berühmte Sequenz in New York, nach individuellen sechs Monaten Selbstverwirklichung, kommt dann kurz nach der Halbzeitmarke und ist eine schöne Zäsur, danach jedoch paddelt der Film wieder nur mechanisch vor sich.
Grant strahlt aus, dass er nur das tut, was von ihm erwartet wird, nicht das, von dem er überzeugt ist (so ist dann auch seine Malerkarriere nicht im Mindesten überzeugend), Kerr geht einem mit ihrer Geheimhaltungsklausel bezüglich Grant, dass sie nun erst einmal im Rollstuhl sitzt, irgendwann auf den Keks.
Den magischen Augenblick im Finale kriegt Grant zwar recht passabel hin, aber dennoch wirkt der Film sehr reserviert und kann niemals so funkeln, wie es die Sirk-Filme mit Rock Hudson hinbekommen haben.
Dazu kommen noch ein paar Sequenzen mit einem von Kerr trainierten Kindergesangschor, der ein überflüssiger Showstopper par excellence ist.
Die beste Sequenz für mich ist die Szene, in der Kerr von hinten stehend ihren sitzenden Verlobten Richard Denning umarmt (also schon leicht distanziert), während sie das Interview im TV schauen, bei dem Grant praktisch seine Verlobung ins Unendliche verschiebt – und Denning plötzlich aus dem Nichts folgert, dass Kerr sich Grant verliebt haben muss.
Dennoch ein schöner Schmachtfetzen für alle Liebhaber des Genres, der nicht durch „lustige“ Nebenfiguren aufgerüscht wird. Den Kinderchor aber bitte vorspulen. (6,5/10)