Ein Pfarrer (David Niven) verzweifelt am Versuch, den Neubau einer Kapelle für seine Kirche zu organisieren. Über seinem unermüdlichen, aber durchaus etwas naiven Streben für das Gute vernachlässigt er seine hübsche Ehefrau (Loretta Young) und die gemeinsame Tochter sträflich. Aus diesen Gründen wird ihnen ein Engel (Cary Grant) geschickt, der die Dinge wieder ins Lot rücken soll. Doch der charmante Himmelsbote sorgt eher für noch mehr Durcheinander bei allen Beteiligten.
Der bei der Oscarverleihung 1948 prominent vertretene Kirchenfilm ist ein typisches Produkt des 40er-Jahre-Hochglanz-Hollywoodkinos: Eine Riege berühmter Stars agiert vor teils aufwendigen Kulissen in einer eher seichten Story und meistert mit ein wenig Charakterstärke und Einsicht in eigene Fehler alle auftretenden Hindernisse. Das alles wird mit pointierten Dialogen garniert und mit viel Charme umgesetzt. Leider geht dieses Gesamtrezept im Fall von „Jede Frau braucht einen Engel" nur bedingt auf.
Das größte Problem dürfte hierbei die Vorhersehbarkeit der Story sein. Das ganze Handlungskonstrukt ist - nicht nur aus heutiger Sicht - einfach zu simpel: die anfängliche Verwirrung des Pfarrers, als sich der Engel als solcher zu erkennen gibt; die vergnüglichen, aber auch sehr seichten und harmlosen Humorgeplänkel zwischen dem Engel und diversen Nebencharakteren (zugegeben, die sich immer wieder auffüllende Alkoholflasche eines alten Professors ist eine sehr schöne Idee); die sich entwickelnden Schwierigkeiten, als Engel und Ehefrau sich näher kommen als beabsichtigt; und das Rundum-Happy-End, in dem sich aber auch wirklich alles in Wohlgefallen auflöst. Wer schon einmal eine romantische Hollywood-Komödie gesehen hat (und dieses Genre hatte seinen ersten Höhepunkt ja bereits in den frühen 30ern), dürfte hier kaum von irgendeiner Wendung überrascht werden.
Hinzu kommt die arg oberflächliche Story, die himmlische Kräfte bemüht, um allzu materialistische und dekadente Probleme zu lösen. Das Erbauen einer Kapelle zur Anbetung Gottes wirkt doch ein wenig heuchlerisch, gäbe es doch viel wichtigere Probleme zu lösen, um seine Christlichkeit zu beweisen. Dass hier ein Engel geschickt wird, um finanzielle Hindernisse beiseite zu räumen, wirkt unfreiwillig entlarvend für eine Institution, die seit Jahrhunderten von ewiger Entsagung predigt und sich selbst goldene Kirchen baut. Die völlige Kritiklosigkeit des Films selbst in seinen harmlosen Gags macht ihn zu einem allzu konservativen Streifen, der den gesellschaftlichen Status quo zu keinem Zeitpunkt auch nur im Entferntesten in Frage stellt.
Zugegeben, die rein formale Seite des Films kann durchaus gefallen. Eine immer wieder schön agierende Kamera, die das Geschehen in teils strahlenden Schwarz-Weiß-Bildern einfängt, tolle Spezialeffekte, die gerade durch ihre aus heutiger Sicht simple Umsetzung gefallen, und natürlich das quirlige Spiel zwischen den drei Stars können durchaus unterhalten. Vor allem Cary Grant ist eine perfekte Besetzung - mit seiner kantigen Kinnpartie gibt er ein hervorragendes Bild für einen durch und durch charmanten und sympathischen Himmelsboten, und mit seiner unbeschwerten, stets optimistischen Art kann er auch die Zuschauerherzen erobern.
Wer sich von der allzu oberflächlichen und vorhersehbar konstruierten Story nicht abschrecken lässt, kann mit „Jede Frau braucht einen Engel" einen netten Weihnachtsfilm entdecken, der mitunter für Spaß und gute Laune zu sorgen weiß und das Bild einer heilen Welt entwirft, in der es nur den richtigen Glauben braucht, damit alles gut wird. Wem das allerdings zu platt ist, für den gibt es weit bessere Vertreter des Classical Hollywood zu entdecken.