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Zuweilen gelingt es ja einigen Leuten im Filmgeschäft, aus dem großen Schatten eines populären Regisseurs zu springen und sich selbst einen Namen als Genrespezialist zu machen. Regisseur Maxime Alexandre, der vor allem für Alexandra Aja in Fällen wie „High Tension“, „Mirrors“ oder „Hills have Eyes“ eine recht ambitionierte Arbeit hinter der Kamera ablieferte, versucht sich mit einem düsteren Thriller, der in einigen Punkten an den klassischen Giallo erinnert, jedoch weit von der Klasse eines Dario Argento entfernt ist.

Im Zentrum der Geschichte steht der titelgebende Horrorautor Christopher Roth, der just gemeinsam mit Frau Catherine einen längeren Urlaub in Umbrien, Italien einlegt, um inspirative Kraft zu schöpfen und von der Dauerbelastung seiner brutalen Geschichten Abstand zu gewinnen. Doch als kurz darauf ein Paar im Wald ermordet aufgefunden wird, zweifelt Roth an seiner Fähigkeit, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden…

Die Hauptfigur fungiert gleichermaßen als Off-Erzähler und sprichwörtlicher Romanautor, der seine Gedanken und Philosophien mit dem Betrachter teilt und phasenweise sogar einen Mord als Beobachter schildert. Allerdings wirken einige Passagen arg bemüht und konstruiert, da einige Dialoge etwas knapp ausfallen und der Rest im Off erledigt werden muss.
Der Ansatz dieser Erzählweise führt allerdings auch dazu, mit der Hauptfigur einen nachvollziehbaren Blickwinkel zu teilen und sich zeitgleich zu fragen, ob Roth nun wirklich die Linie zwischen Wahrheit und Vision überschreitet.

Zunächst kann das nette Setting punkten, doch im Verlauf wird dieses zu wenig ausgeschöpft. Das kleine Dorf, die umliegende Gegend, der dicht bewachsene Wald, - all dies wird zu selten genutzt um Atmosphäre zu schüren, während die Einrichtung des Ferienhauses eher mithilfe klassischer Musik im Hintergrund ein wenig veredelt wird.

Die Erzählung benötigt zwar eine ganze Weile, bis überhaupt ein erwähnenswertes Ereignis eintritt, doch bis dato ist man noch bei den größtenteils sympathischen Figuren, der leicht bedrückenden, geheimnisvollen Stimmung um Roth und seinen merkwürdigen Visionen, die beim Mord im Wald ihre erste blutige Einstellung liefert, denn das Markenzeichen des Killers ist der Zahn eines Wildschweins im Kiefer seines Opfers.

Allerdings füllen auch einige völlig redundante Szenen die Geschichte, wie das Austesten einer Pasta-Maschine oder die ausführliche Thematisierung eines Begrüßungsbriefes, der rein gar nichts zum Weiterkommen der Story beiträgt.
Indes kommen die Nebenfiguren viel zu kurz, wie der benachbarte Jäger und dessen leicht griesgrämig dreinblickende Tochter und auch die Ausrichtung wirkt auf Dauer zu aufgeplustert, ob denn Roth nun der Killer ist oder jemand anderes die Romane von ihm als Vorbild nutzt.

Während einer Gewitternacht, welche zunächst noch einigermaßen stimmungsvoll in Szene gesetzt ist, erfolgt ein Break und die unheilvolle Stimmung setzt deutlichere Akzente, indem die Erzählung vage in Richtung Folterfilm tendiert. Zwar wird hier nicht allzu explizit und vor allem auch nicht mehr als einmal eingegriffen, doch die Höhle, in der die letzten Minuten des Streifens stattfinden, kann nicht ansatzweise Suspense schüren, zumal die Ausleuchtung teilweise unter aller Sau ist. Insofern schade, als dass kurz zuvor noch ein Badezimmer-Mord mit tollen Kontrasten untermauerte, wie treffsicher der Regisseur eigentlich mit Licht und Schatten, starken Farben und kontrastarmen Schauplätzen umgehen kann.

Zwar ist der Plot Twist einigermaßen brauchbar und die wenigen Splattereinlagen wie die Sache mit dem Wildschweinzahn und einige Kehlenschnitte fallen inszenatorisch passabel aus, doch am Ende vermag das Gesamtbild weniger zu überzeugen als das Handwerk, wobei sämtliche Darsteller nicht besser als Mittelmaß agieren.
Die Verpackung, einschließlich Score, Kamera und Schnitt ist relativ makellos, doch innerhalb der Geschichte hapert es final doch an einigen Ecken und Enden, wobei der unspektakulär in Szene gesetzte Showdown der Sache noch einen leichten Dämpfer versetzt.
Bei Maxime Alexandre ist noch viel Luft nach oben, - insofern sollte er besser weiter im Dienste guter Regisseure arbeiten, um zu lernen, wie man eine spannende Geschichte treffsicherer auf den Punkt bringen kann.
4,5 von 10

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