Roman Polanski war in der 60er/70er Jahr der Garant für anspruchsvolle Gänsehaut-Unterhaltung, wenn um klassische, psychologisch dichte Horror-Thriller ging. Aus seinen Händen gingen Meisterwerke wie "ROSEMARIE'S BABY", "EKEL" und "DER MIETER" hervor, die noch heute zu den Klassikern der Filmgeschichte gehören.
Viele Jahre später, genauer gesagt 1999, entstand erneut ein Mystery-Krimi unter seinen Fittichen: DIE NEUN PFORTEN. Doch im Gegensatz zu seinen oben genannten Frühwerken lässt diese Produktion alles missen, was die Klassiker auszeichnete: Eine konsequente Geschichte mit Tiefgang, interessante und gut gezeichnete Charaktere und einen hohen Spannungsbogen. Selbst die namhafte Besetzung mit einem Johnny Depp an der Spitze enttäuscht (fast) auf der gesamten Linie und ich würde sogar behaupten, dass dieser seine schlechteste Schauspielleistung aller Zeiten abliefert.
Seine Darstellung des Dean Corso, einem zwielichtigen Buchhändler, wirkt geradezu gleichgültig und ohne jegliche Mimik. Die Geschichte beginnt im Wesentlichen damit, dass er für den mysteriösen Noris Balkan (überzeugend: Frank Langella) die zwei weiteren Exemplare des Buches „Die neun Pforten ins Reich der Schatten" auffinden soll, um damit die Echtheit seines eigenen Werkes zu beweisen. Bald muss er jedoch feststellen, dass er nicht der Einzige ist, der hinter dem okkulten Werk her ist, mit dessen Hilfe angeblich der Teufel höchstpersönlich beschworen werden kann!
Und so schleicht unser Johnny durch eine lückenhafte Story, die zwar einige packende Stellen aufweist, über die gesamte Länge von knapp zwei Stunden aber nur leidlich Spannung aufbaut.
Roman Polanski's Werk ist leider nicht mehr als eine durchschnittliche Gruselmär, die von der Geschichte her zwar Ansätze zu einem packenden Film bietet, inhaltlich aber vordergründig an der kraftlosen Inszenierung scheitert. Trotz des großen Potentials eines erfahrenen Regisseurs und einem der heißestem Darsteller Hollywoods verpufft die Geschichte in Belanglosigkeit und Banalitäten. Vielleicht wäre die mysteriösen Thematik prinzipiell eher für ein traditionelles Adventure-Game im „Indiana Jones"-Stil auf dem heimischen Computer geeignet gewesen - die filmische Umsetzung des Stoffes jedoch ging weitestgehend in die Hose.
Selbst der für Polanski gewohnte Erotik-Faktor erlebt durch Emanuelle Seigner's zwielichtiger Rolle keine großen Höhepunkte und man fühlt sich am Ende des Streifens nach einem unspektakulären „Showdown" mit offenen Fragen zurückgelassen.
Für Genre-Fans, die sich an okkulten Inhalten laben, mag „DIE NEUN PFORTEN" sicherlich einen gewissen Stellenwert im Universum des Films darstellen - zumindest lassen die überaus positiven Kritiken darauf schließen.
Sicherlich bewegt sich der Film leicht über dem Durchschnitt der Standard-Veröffentlichungen, die monatlich zuhauf die heimischen Videotheken füllen - in Anbetracht der Klasse eines Regisseurs, der bereits mehr als eine Handvoll Meisterwerke abgeliefert hat, und einer dementsprechend großen Erwartungshaltung bin ich persönlich leider ziemlich enttäuscht.
So greife ich lieber zum 38. Mal zur DVD von „ROSEMARY'S BABY" - aus einer Zeit, in welcher der Name „Roman Polanski noch für die personifizierte Gänsehaut-Garantie stand!
(6 / 10)