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Stunde des Skorpions

Stunde des Skorpions

Irgendwann, Anfang des 21. Jahrhunderts, ist der Sozialismus die
vorherrschende Gesellschaftsform auf der Erde. Einigkeit, Gleichberechtigung,
Wohlstand für alle und Frieden beglücken alle Menschen. Alle? Nein nicht alle,
denn ein kleines wackeres Häuflein dummer , raffgieriger und geldgeiler
kapitalistischer Hyänen bedrohen wie eh und je die Harmonie auf dem schönen blauen Friede-Freude-Eierkuchen-Planeten, sonst wär‘s ja allzu langweilig. Aber aufgemerkt, ihr liederlichen Geld-und Wirtschaftsbonzen, es gibt ja zum Glück die weltumspannende Sicherheitsorganisation ICOM, die mit Hilfe des Supercomputers ELVIRA aufmerksam über das Paradies der werktätigen Bevölkerungwacht. Wer z. B. wegen allzu kapitalistischer Tendenzen unangenehm auffällt und dann auch noch in die Politik will, der wird unterlaufen, ausspioniert und dann kurzerhand ausgehebelt.

Die ICOM schaltet sich ein, als mehrere Präsidenten von einem unsichtbaren Attentäter mittels einer Strahlenwaffe ermordet werden. Außerdem kommt es zu Spionageübergriffen gegen ein Forschungsinstitut, welches eine neuartige Energiequelle entwickelt. Auch hier gibt es Tote. Die Taten scheinen ebenfalls von einem Unsichtbaren verübt worden zu sein.

Offenbar nutzt eine Machtgruppe einen neuartigen Tarnmechanismus, der einem Attentäter Unsichtbarkeit verleiht. Der Wirtschaftsboss Vanderbrock
wird verdächtigt, deshalb wird ein ICOM-Spezialagent auf ihn angesetzt. Ein
anderer Agent ist bereits in die Organisation Vanderbrock eingeschleust worden.
Beide entdecken, daß Vanderbrock die Macht ergreifen will und sich zu diesem
Zweck einer außerirdischen Technologie bemächtigt hat, die er von einem
gestrandeten Besucher aus dem Sternbild Skorpion geklaut hat. Nach einigem Hin und Her werden die kapitalistischen Verbrecher aber unschädlich gemacht.

Ende der 60iger Jahre beschloss man beim DDR-Fernsehen, mal so was
wie „Raumpatrouille" zu machen, bzw. nachzumachen.

Allerdings sollte hier eine kräftige Portion des sozialistischen Weltbildes reingepackt werden. Viel Geld stand allerdings nicht zur Verfügung, der Fernsehkader der SED musste wohl für die Datschen seiner Mitglieder
Rücklagen bilden. Diese beiden Punkte (wenig Geld und ein Loblied auf den
Sozialismus) sorgten für ein halbgares, dialoglastiges und mit linker Gut-Welt-Ideologie durchtränktes und somit im wahrsten Sinn des Wortes Schwarz-weißes Fernsehfilmchen aus der DEFA-Mottenkiste. Fehlt eigentlich nur noch ein Gastauftritt von Karl Eduard von Schnitzler. Der erhobene linke Zeige-, bzw.
Stinkefinger deutet hier wieder mal ganz klar Richtung BRD/USA, was zu
damaligen Zeit ja so üblich war. (Gut, im Westen war es ja genauso umgekehrt...)

Dafür ist die Ausstattung teilweise ok, ebenso die Kostüme. Die Frisuren sind absolut gruselig. Es gibt eine Tanzszene, die man ganz klar bei Raumpatrouille abgeguckt hat.

Spezialeffekte, Außendekos, Raumschiffmodelle etc. sucht man hier vergebens. Die dreiteilige Reihe entstand als Studioproduktion, entsprechend
Kammerspielartig kommt das ganze Machwerk rüber. Regie und Kamerarbeit sind handwerklich gut. Die Musik entstand wohl auf einer in einem VEB nachgebauten Bontempi-Orgel, die Darsteller hangeln sich stellenweise recht steif durch die schauderlichen Dialoge.
Die Story ist recht originell und wird in Anbetracht der Umstände sehr gut umgesetzt.

Lediglich die Schlusszene mit den albern hampelnden Außerirdischen
versaut ein wenig den an und für sich guten Gesamteindruck des Gesamtwerkes.             

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